Was ist eine Achalasie der Speiseröhre?

Unter einer Achalasie versteht man eine Bewegungsstörung der Speiseröhre (Ösophagus), die durch eine mangelnde Erschlaffung des unteren Schließmuskels (Sphinkters) am Übergang der Speiseröhre zum Mageneingang bedingt ist. Das Schlucken bereitet den Betroffenen zunehmend Probleme. Wie häufig kommt die Achalasie vor?

 

Pro Jahr erkranken etwa vier bis sechs von 1.000.000 Menschen an einer Speiseröhren-Achalasie. Meist sind Menschen im mittleren Lebensalter betroffen, also zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr.

 

Welche Ursachen hat eine Speiseröhren-Achalasie?

Bei der Achalasie sind die Nervenzellen geschädigt, die an der Erschlaffung des unteren Schließmuskels der Speiseröhre beteiligt sind. In den meisten Fällen ist die Ursache für diese Schädigung unbekannt.

 

Durch bösartige Tumoren, zum Beispiel am Mageneingang (Kardiakarzinom), kann es zu einer Achalasie kommen. Auch ein Lungentumor (Bronchialkarzinom) kann Ursache einer Achalasie sein.

 

Welche Beschwerden treten bei der Entleerungsstörung der Speiseröhre auf?

Die Achalasie ruft Schluckbeschwerden, Schmerzen und Völlegefühl hinter dem Brustbein hervor. Anfangs stoßen die Betroffenen Nahrung nur nach dem Essen wieder auf, im späteren Verlauf der Erkrankung geschieht dies auch im Liegen. Die Beschwerden sind zunächst mild ausgeprägt. Im Verlauf der Erkrankung werden die Symptome stärker, der Essvorgang ist zunehmend gestört. Die zum Teil erheblichen Schluckstörungen führen bei fast allen Patienten im Lauf der Erkrankung zu einem zunehmenden Gewichtsverlust.

 

Welche Komplikationen können auftreten?

Es besteht die Gefahr, dass der Betroffene sich beim Essen und Trinken verschluckt. Gelangt saurer Mageninhalt in die Lunge, kann dies eine Lungenentzündung zur Folge haben. Bei längerem Bestehen der Erkrankung kommt es zur Gewichtsabnahme.

 

Menschen, die unter einer Achalasie leiden, haben ein erhöhtes Risiko, an einem Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) zu erkranken.

 

Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?

Der Verdacht auf eine Achalasie der Speiseröhre ergibt sich aufgrund des Beschwerdebildes. Weitere Hinweise liefert eine Röntgen-Kontrastmittel-Untersuchung. Dabei muss der Betroffene vor der Röntgenaufnahme ein Kontrastmittel trinken, das die Achalasie sichtbar macht.

 

Spiegeluntersuchung der Speiseröhre

Um einen bösartigen Tumor auszuschließen, ist es sinnvoll, eine Spiegeluntersuchung der Speiseröhre (Ösophagoskopie) durchzuführen. Dabei kann der Arzt Gewebeproben entnehmen und diese anschließend unter dem Mikroskop auf Veränderungen und Auffälligkeiten untersuchen.

Druckmessung der Speiseröhre

Mithilfe einer Manometrie (Druckmessung) kann man die Bewegungen der Speiseröhre und des unteren Schließmuskels direkt erfassen und die Achalasie letztlich beweisen.


Je nach Beweglichkeit der Speiseröhrenmuskulatur werden drei Formen von Achalasie unterschieden: die hypermotile Form mit einer gesteigerten Peristaltik (Bewegungen der Speiseröhre), die hypomotile Form mit einer verminderten Peristaltik und die amotile Form, bei der keine Peristaltik mehr vorhanden ist.

 

Wie behandelt man eine Speiseröhren-Achalasie?

Bei einer Achalasie, die keine Beschwerden verursacht, ist eine Behandlung nicht unbedingt erforderlich. Treten allerdings Beschwerden auf, ist eine Therapie empfehlenswert.

 

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie mit Wirkstoffgruppen wie Kalziumantagonisten oder Nitraten senkt den Druck in der Speiseröhre. Sie kommt nur bei Patienten mit einer milden Verlaufsform beziehungsweise in den Anfangsstadien der Achalasie zum Einsatz sowie bei operativ nicht therapierbaren Betroffenen.

 

Einspritzen des Nervengiftes Botulinumtoxin

Das Einspritzen des Nervengiftes Botulinumtoxin in den unteren Speiseröhren-Schließmuskel im Rahmen einer Endoskopie lähmt den Schließmuskel der Speiseröhre etwas, sodass sich die Öffnung zum Magen erweitert und der Druck in der Speiseröhre sinkt. Nachteil von Botulinumtoxin ist, dass die Wirkung meist nur einige Monate anhält, sodass eine mehrmalige Wiederholung der Behandlung erforderlich ist.

 

Aufdehnung des Schließmuskels mit einem Ballonkatheter

Der Arzt dehnt den Übergang der Speiseröhre in den Magen unter endoskopischer Kontrolle mithilfe eines Ballons auf, wodurch ein Teil der Muskelfasern zerreißt und die Spannung des Speiseröhren-Schließmuskels sinkt. Bessern sich die Beschwerden nicht, ist eine mehrmalige Wiederholung dieser Ballondilatation möglich. Die Erfolgsquote dieser Methode beträgt 75 bis 85 Prozent.

 

Operative Durchtrennung des Schließmuskels

Der Arzt schneidet ein Stück der Speiseröhren-Muskulatur auf und durchtrennt den Schließmuskel. Die Speisepassage ist damit wieder hergestellt, eine bessere Beweglichkeit der Speiseröhre wird allerdings nur in frühen Stadien erreicht. Die Erfolgsquote der Operation beträgt etwa 90 Prozent.

 

Kontroll-Spiegelungen im Verlauf sind notwendig

Auch Patienten, die keine Beschwerden haben, sollten wegen der erhöhten Gefahr eines Speiseröhrenkrebses regelmäßige Spiegeluntersuchungen beim Arzt durchführen lassen.