Eine Schwangerschaft bringt viele hormonelle Veränderungen mit sich. Auch Ihre Schilddrüse passt sich dieser neuen Situation an. Schon zu Beginn Ihrer Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen, da Ihr Baby mitversorgt wird. Ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft ist Ihr Baby in der Lage, Jod aufzunehmen und selbst Schilddrüsenhormone zu produzieren.

Jodbedarf anpassen

Damit Ihre Stoffwechselvorgänge auf Hochtouren laufen können, produziert Ihr Körper vermehrt Schilddrüsenhormone. Dazu benötigt er Jod, fachsprachlich Iod. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfehlen während einer gesunden Schwangerschaft eine tägliche Zufuhr von 230 Mikrogramm Jod. Während der Stillzeit steigt der Bedarf auf 260 Mikrogramm an. Jod ist wichtig, damit sich Ihr Kind körperlich und geistig gut entwickeln kann. Nur bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen wie einem aktiven Morbus Basedow , einer Schilddrüsenüberfunktion und manchmal bei einer Hashimoto-Thyreoiditis raten Experten von einer zusätzlichen Jodeinnahme ab. Ihr Endokrinologe wird Ihre Therapie gegebenenfalls anpassen. 

Beschwerden immer abklären lassen

Bemerken Sie während Ihrer Schwangerschaft, dass Ihre Schilddrüse stark wächst oder sich knotig anfühlt, suchen Sie Ihre Frauenärztin auf. Auch Zeichen wie

  • vermehrte Müdigkeit,
  • vermehrtes Schwitzen,
  • erhöhter Pulsschlag,
  • vermehrte Darmaktivität,
  • Antriebslosigkeit,
  • Verstopfung und
  • brüchige Haare

können auf eine Fehlfunktion der Schilddrüse hindeuten. Da diese Beschwerden auch schwangerschaftsbedingt sein können, sollten Sie unbedingt einen Arzt konsultieren. Denn jede unbehandelte Schilddrüsenstörung kann Ihr Baby und die kindliche Schilddrüse gefährden.

Häufige Schilddrüsenerkrankungen 

Besonders wenn Sie bereits unter einer Schilddrüsenerkrankung, Diabetes mellitus , einer Autoimmunerkrankung oder Übergewicht leiden, kann während und unmittelbar nach einer Schwangerschaft eine der folgenden Schilddrüsenerkrankungen auftreten:

Blutuntersuchung gibt Aufschluss  

Schon um die achte Schwangerschaftswoche wird Ihre Schilddrüse in einer Routineuntersuchung von Ihrer Frauenärztin kontrolliert: Im Ultraschall ermittelt sie die Größe des Organs. Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenfehlfunktion veranlasst sie Labortests. Anhand Ihrer Blutwerte kann Ihre Frauenärztin Ihre Schilddrüsenfunktion bewerten. Dabei werden besonders die Schilddrüsenhormone TSH, T3 und T4 analysiert. Notfalls wird eine Szintigrafie durchgeführt, bei der mittels schwach radioaktiver Präparate die Stoffwechselaktivität der Schilddrüse dargestellt wird.

Therapien

Je nach Schilddrüsenerkrankung gibt es unterschiedliche Therapien: 

  • Struma: Um einem Kropf vorzubeugen und auch als Therapie kann Ihre Frauenärztin Jod und niedrig dosierte Schilddrüsenhormone verordnen. Dadurch wird das Wachstum der Schilddrüse gestoppt und sie kann sich nach einer gewissen Zeit auch wieder verkleinern. Wenn Sie die Dosierung beider Medikamente einhalten, ist die Therapie für Ihr Ungeborenes unbedenklich. 
  • Schilddrüsenunterfunktion: Ihre Ärztin wird Ihnen in der Regel Schilddrüsenhormone verschreiben, die für Ihr Kind notwendig sind. Werden Sie bereits wegen einer Unterfunktion behandelt und sind schwanger, kann Ihr Endokrinologe Ihre bisherige Dosis etwas erhöhen.
  • Schilddrüsenüberfunktion: Auch während Ihrer Schwangerschaft und Stillzeit können bestimmte Schilddrüsenblocker wie die Wirkstoffe Thiamazol oder Carbimazol verordnet werden. Da diese in den Blutkreislauf Ihres Ungeborenen übertreten können, wird Ihr Arzt Ihre Werte engmaschig kontrollieren. Wichtig: Halten Sie sich exakt an die Verordnung und nehmen Sie keine zusätzlichen Jodpräparate ein. 

Wenn Sie bereits vor der Schwangerschaft Schilddrüsenhormone genommen haben, setzen Sie diese niemals eigenmächtig ab. Suchen Sie einen Endokrinologen auf, der Ihre Hormondosierung bei Bedarf anpassen kann.

Jodzufuhr unterstützen

Um einer Schilddrüsenunterfunktion vorzubeugen, können Sie die Hormonproduktion durch eine angepasste Ernährung unterstützen:

  • Essen Sie mindestens zweimal pro Woche Seefisch wie Seelachs, Kabeljau oder Scholle.
  • Verwenden Sie jodiertes Speisesalz. 
  • Trinken Sie regelmäßig Milch.
  • Nehmen Sie Jodpräparate, die auch mit Folsäure kombiniert werden können, nur nach Absprache mit Ihrer Frauenärztin ein.

Hier finden Sie mehr Informationen über eine vollwertige und ausgewogene Ernährung während der Schwangerschaft .