Ohne erkennbaren Anlass können die Attacken plötzlich und ohne Vorwarnung zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten. Dabei handelt es sich um Drehschwindelanfälle, die mehr als 20 Minuten, meist mehrere Stunden andauern. Neben einer vorübergehenden, einseitigen Hörminderung kommt es zu Ohrensausen (Tinnitus) und/oder einem Druckgefühl im betroffenen Ohr. Eine Sonderform der Erkrankung sind sogenannte Drop attacks. Dabei ist der Schwindel so stark ausgeprägt, dass sich der Betroffene nicht mehr auf den Beinen halten kann. Bei Stürzen kann sich der Betroffene dann schwer verletzen.

Was ist die Ursache der Menière-Krankheit?

Der Krankheit liegt eine Störung im Innenohr zugrunde. Dabei kommt es unter anderem zu einer vermehrten Flüssigkeitsansammlung im Innenohr und im Gleichgewichtsorgan (Labyrinth). Die Häutchen (Membranen) des Innenohres können durch den erhöhten Druck sogar einreißen. Der Einriss eines solchen Häutchens kann auch durch äußere Umstände geschehen (Autounfall, Aufprallen mit dem Kopf). Außerdem kann die Flüssigkeitsansammlung durch Veränderungen im Innenohr und des Schädels entstehen. Immunologische Prozesse sind ebenfalls am Krankheitsgeschehen beteiligt.

Die genaue Ursache der Menière-Krankheit ist bisher unbekannt. Die Erkrankung tritt in einigen Familien gehäuft auf. Übermäßiger Nikotin- oder Alkoholgenuss ebenso wie Stress kann Anfälle provozieren.

Was sind die typischen Beschwerden bei Morbus Menière?

Die charakteristischen drei Anzeichen, die bei der Menière-Krankheit vorkommen, bezeichnet man auch als Symptom-Trias:

  • Wiederholte Attacken mit anfallartigem Drehschwindel, der 20 Minuten oder länger andauert
  • Nachgewiesene Hörminderung bei mindestens einer Untersuchung
  • Ohrgeräusche (Tinnitus) und/oder Druckgefühl im betroffenen Ohr

Wenn diese drei Symptome auftreten und andere Ursachen der Beschwerden ausgeschlossen sind, gilt die Diagnose einer Menière-Krankheit als sicher.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Die Frühdiagnose des Morbus Menière ist nicht einfach, da die Erkrankung nur in 20 Prozent der Fälle mit der klassischen Trias beginnt; in 40 Prozent markiert ein plötzlicher einseitiger "Hörsturz" den Beginn, in weiteren 40 Prozent ein Minuten bis Stunden dauernder (Dreh-)Schwindel.

Zunächst ist es wichtig, die Ursache des Drehschwindels und der Begleitbeschwerden herauszufinden. Da Schwindel bei vielen unterschiedlichen Erkrankungen als Symptom auftreten kann, ist es notwendig, durch sorgfältige Untersuchungen andere Krankheiten auszuschließen.

Eine eingehende Befragung liefert wichtige Hinweise auf die Erkrankung.

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt führt eine Reihe von Hörprüfungen, einschließlich der Ableitung von akustisch evozierten Potenzialen, durch. Außerdem erfolgen Messungen der Augenbewegungen. Zusätzlich untersucht der Arzt, ob das Gleichgewichtsorgan beeinträchtigt ist.

Im akuten Anfall zeigt sich meistens ein sogenannter horizontal rotierender Nystagmus, bei dem die Augen in waagrecht kreisenden Bewegungen zur betroffenen Seite und anschließend zur nicht betroffenen Seite wandern. Um den Nystagmus zu diagnostizieren, muss der Patient eine spezielle Brille aufsetzen, die verhindert, dass er mit den Augen einen festen Punkt fixiert.

Um andere Krankheiten vom Morbus Menière abzugrenzen, kann eine allgemeinärztliche oder internistische Untersuchung notwendig sein, die unter anderem eine Blutdruckmessung, am besten eine 24-Stunden-Blutdruckmessung, beinhaltet. Eine Aufzeichnung der Herzaktionen über 24 Stunden (24-Stunden-EKG) ist sinnvoll, um anfallsartig auftretende Herzrhythmusstörungen festzustellen. Bei der Menière-Krankheit ist bei all diesen Untersuchungen kein auffälliger Befund zu finden.

Ergänzend können Blutuntersuchungen (zum Beispiel auf Infektionen), die Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit (ENG), bildgebende Verfahren (Computertomografie, Kernspintomografie) sinnvoll sein, um Entzündungen, Fisteln oder Tumoren (zum Beispiel im Innenohr) auszuschließen und um Hinweise auf eventuelle Grunderkrankungen zu bekommen.

Besteht der Verdacht auf Durchblutungsstörungen der Halsgefäße, die auch das Ohr versorgen, kann man mittels Ultraschall (Doppler- oder Duplex-Sonografie) oder Röntgenuntersuchungen (Angiografie) mögliche Verengungen erkennen. Ein Orthopäde kann Schäden der Halswirbelsäule diagnostizieren. Wenn sich bei diesen Untersuchungen Veränderungen und Auffälligkeiten zeigen, liegen dem Schwindel meist andere Ursachen als die Menière-Krankheit zugrunde.

Wie kann die Menière-Krankheit behandelt werden?

Die Morbus Menière-Behandlung verfolgt zwei Hauptziele: Zum einen die Reduktion der Schwere der Symptome bei einem akuten Anfall auf ein erträgliches Maß, zum anderen die Vorbeugung weiterer Attacken, damit diese so selten wie möglich auftreten.

Die Schwindel-Attacke selbst dauert oft mehrere Stunden und endet von selbst wieder. Der Arzt wird zunächst ein Mittel verordnen, das die Schwindelsymptome lindert.

Bei Patienten, die eine oder mehrere Attacken pro Monat haben, versucht man außerdem, die Häufigkeit der Attacken zu verringern und deren Auftreten zu verhindern. Dazu kann der Arzt vorbeugend Betahistin-Tabletten verordnen. Das Medikament verbessert die Mikrozirkulation im Innenohr.

Wenn diese Therapie nicht wirksam ist, kommt in seltenen Fällen das Antibiotikum Gentamicin zum Einsatz. Der Arzt spritzt das Antibiotikum durch das Trommelfell hindurch ins Innenohr. Gentamicin schädigt die Sinneszellen im Innenohr (chemische Labyrinth-Ausschaltung). Oft sind mehrere Behandlungen im Abstand von einigen Wochen notwendig, bis sich eine deutliche Besserung der Beschwerden einstellt. Ziel der Behandlung ist, das Gleichgewichtsorgan zu schädigen, um Schwindelattacken zu verhindern. Allerdings kommt es bei jedem fünften Patienten zusätzlich zu einer Hörminderung. Daher sollten nur Patienten, bei denen bereits eine Hörschädigung vorliegt, eine Behandlung mit Gentamycin erhalten.

Glukokortikosteroide können ebenfalls zum Einsatz kommen, sind aber weniger wirksam als Gentamicin. 

Operationen wie die Sakkotomie, bei welcher man den "Abflussweg" der Ohrflüssigkeit (= Saccus endolymphaticus) eröffnet und den Flüssigkeitsstau (= Endolymphhydrops) im Innenohr beseitigt, haben sich als unwirksam erwiesen. Das gilt ebenso für Diuretika (entwässernde Medikamente) und eine salzfreie Diät. Beide haben keinen Therapieeffekt.

Wie ist die Prognose?

Der Verlauf des Morbus Menière ist sehr unterschiedlich und, da die genaue Ursache nicht bekannt ist, auch in gewisser Weise unberechenbar. Er hängt zum großen Teil davon ab, wie gut der Einzelne auf die Therapie anspricht. In den meisten Fällen schreitet der Hörverlust allerdings bis zur Ertaubung fort, die Schwindelanfälle nehmen hingegen langfristig ab. Bei langer Dauer der Erkrankung steigt das Risiko, dass beide Ohren betroffen sind. Dies ist nach 20 Jahren bei etwa der Hälfte der Betroffenen der Fall.

Patienten mit Menière-Krankheit sollten bestimmte Berufe nicht ausüben, wenn sie häufig unter schweren Schwindelanfällen leiden. So kann die Menière-Krankheit beispielsweise bei einem Piloten, Kraftfahrer oder einem Gerüstarbeiter zur Arbeitsunfähigkeit führen und damit zur Aufgabe des Berufes zwingen.