Medizinische Risiken - Blutungen nach der Entbindung

Verstärkte Blutungen nach der Entbindung sind mit einem erheblichen Blutverlust für die Mutter verbunden.

Außer Gerinnungsstörungen sind die häufigsten Ursachen eine verzögerte, nicht vollständige oder gar nicht stattfindende Lösung des Mutterkuchens (Plazenta) und die unzureichende Rückbildung der Gebärmutter unmittelbar nach Lösung des Mutterkuchens (aufgrund einer Atonie = Schlaffheit). Da sich ähnliche Probleme bei der nächsten Entbindung wiederholen können, sollten betroffene Frauen unbedingt in einer Klinik entbinden.

 

Risikofaktoren für Lösungsstörungen des Mutterkuchens sind

  • Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, zum Beispiel nach Ausschabungen, Gebärmutteroperationen,
  • Kaiserschnitt,
  • vollständige Überdeckung des inneren Muttermunds durch die Plazenta, auch Placenta praevia totalis genannt,
  • Entzündungen (auch Wochenbettfieber).

Um sicher zu sein, dass sich die Plazenta wirklich vollständig gelöst hat, wird sie nach der Geburt von Arzt und Hebamme gründlich auf Vollständigkeit untersucht.

 

Verstärkte Blutungen aufgrund einer Atonie, eines mangelhaften Spannungszustands der Gebärmutter, treten besonders häufig auf

  • bei Vielgebärenden,
  • nach Mehrlingsschwangerschaften,
  • bei vorausgegangenem Kaiserschnitt,
  • bei Geburt eines Kindes mit hohem Geburtsgewicht,
  • wenn bereits bei einer früheren Geburt Blutungen aufgrund einer Atonie aufgetreten sind,
  • bei Überdeckung des inneren Muttermunds durch die Plazenta.

Um einer Atonie entgegenzuwirken, erhält jede Frau nach der Geburt eine Spritze mit einem Medikament, das die Rückbildung der Gebärmutter unmittelbar nach der Geburt unterstützt. Gefährdete Frauen erhalten zudem oft eine Infusion mit stärker wirkenden oder höher dosierten Medikamenten.

 

Weitere Risiken, die auftreten können, sind:

 

Blutgerinnungsstörungen

Blutgerinnungsstörungen können sich durch eine übermäßige Blutgerinnung oder eine zu langsame und zu schwache Blutgerinnung bemerkbar machen.

 

Während der Schwangerschaft kommt es zu hormonellen Veränderungen, die zu einer übermäßigen Blutgerinnung führen können. Dabei können Blutgerinnsel entstehen, die zu Gefäßverschlüssen (Thrombosen) führen. Im Wochenbett steigt das Thromboserisiko nochmals an.

 

Weitere Risikofaktoren für Thrombosen sind zum Beispiel Alter über 35 Jahre, mehr als vier Geburten, Übergewicht, Rauchen, vorausgegangene Thrombosen, angeborene Blutgerinnungsstörungen oder eine lange Bettruhe.

 

Kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, können Thrombose vorbeugende Maßnahmen notwendig werden.

 

Zur Vorbeugung dienen unter anderem Kompressionsstrümpfe und/oder Bewegungsübungen, zum Beispiel Fußwippen. Zusätzlich können Heparin-Spritzen sinnvoll sein. Über die Maßnahmen entscheidet in der Regel der Frauenarzt, gegebenenfalls in Absprache mit einem Internisten.

 

Erhöhte Blutungsneigung

Blutgerinnungsstörungen, die mit einer zu langsamen Blutgerinnung einhergehen, sind entweder erworben, zum Beispiel durch blutverdünnende Medikamente, oder angeboren. Die Betroffenen bluten dann häufiger und länger.

 

Sind in einer vorausgegangenen Schwangerschaft Blutgerinnungsstörungen aufgetreten oder liegen angeborene oder erworbene Störungen der Blutgerinnung vor, sind je nach Art und Ursache unterschiedliche Maßnahmen erforderlich, die im Einzelfall mit Frauenarzt, Internist und Entbindungsklinik abgesprochen werden. Vor allem bei erhöhter Blutungsbereitschaft ist auch die frühzeitige Planung der Geburt wichtig, um den Blutverlust während der Entbindung möglichst gering zu halten und im Bedarfsfall entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

 

Blutgruppenunverträglichkeit

Da das Kind nicht automatisch die gleiche Blutgruppe wie die Mutter besitzt, kann es zu Blutgruppenunverträglichkeiten zwischen Mutter und Kind kommen. Diese Reaktionen sind äußerst selten und stellen eine Gefahr für das Kind, nicht aber für die Mutter dar.

 

Blutgruppenunverträglichkeiten können verschiedene erbliche Merkmale des Blutes betreffen: Den Rhesusfaktor oder die Blutgruppen. Häufiger und schwerwiegender ist es, wenn die Mutter Rhesus-negativ und das Kind Rhesus-positiv ist. Das kommt bei zwölf Prozent der Frauen in Mitteleuropa vor.

 

Eine Gefahr für das Kind besteht, wenn die Mutter Antikörper gegen die roten Blutkörperchen des Kindes gebildet hat. Dies kann in einer vorausgegangen Schwangerschaft oder bei Blutübertragungen geschehen sein. Ohne Behandlung besteht die Gefahr, dass die Antikörper der Mutter die roten Blutkörperchen eines Rhesus-positiven Kindes zerstören und so zu einer ausgeprägten Blutarmut führen können. Die Folge ist eine Sauerstoffunterversorgung des Embryos, die mit schweren Schäden einhergehen kann. Daher werden vorbeugende Maßnahmen ergriffen.

 

Mindestens zwei Blutuntersuchungen

Bei jeder Rhesus-negativen Mutter prüft der Arzt während der Schwangerschaft mindestens zweimal, ob diese Antikörper im Blut vorhanden sind. Sind keine Antikörper vorhanden, verabreicht er der Schwangeren in der 28. Schwangerschaftswoche eine Spritze zur Rhesusprophylaxe, ebenso bei Fehlgeburten, nach einer Fruchtwasseruntersuchung und nach der Geburt, wenn das Kind Rhesus-positiv ist. Diese verhindert, dass sich bei der Mutter Antikörper bilden, und schützt damit bei einer weiteren Schwangerschaft das ungeborene Kind.

 

Findet der Arzt Antikörper im Blut der Mutter während der Schwangerschaft, hängt das weitere Vorgehen von der Zahl der Antikörper (Titer) ab. Eine Rhesusprophylaxe ist dann nicht mehr sinnvoll. Stattdessen bestimmt der Arzt engmaschig den Antikörper-Titer. Außerdem setzt er Ultraschalluntersuchungen ein. Gab es bereits in einer vorausgegangenen Schwangerschaft Komplikationen, untersucht er ab einer bestimmten Antikörpermenge das Fruchtwasser, um die aktuelle Gefahr für das Kind besser abschätzen zu können.

 

Vorzeitige Entbindung möglich

Manchmal ist dann eine Transfusion zum Blutaustausch beim Kind im Mutterleib oder eine vorzeitige Entbindung erforderlich. In weniger schweren Fällen treten Symptome beim Kind erst nach der Geburt auf, die mit Phototherapie und/oder Transfusionen zum Blutaustausch behandelt werden können.

 

AB0-Inkompatibilität

Frauen mit der Blutgruppe 0 können Antikörper gegen die Blutgruppen A und B bilden. In den meisten Fällen sind die Folgen für das Kind nur schwach ausgeprägt und treten erst nach der Entbindung auf, zum Beispiel in Form einer Neugeborenen-Gelbsucht.

 

Blutungen

In den ersten Wochen der Schwangerschaft kann es zu Blutungen kommen, die meist harmlos sind. Blutungen während der gesamten Schwangerschaft können jedoch auch eine ernsthafte Situation für die Mutter und das Ungeborene bedeuten.

 

Vor allem in der Frühschwangerschaft - also in den ersten drei bis vier Monaten - können Blutungen harmlos sein. Der Arzt muss allerdings untersuchen, ob es nicht auch Anzeichen einer drohenden Fehlgeburt, einer Eileiterschwangerschaft, einer vorzeitigen Plazentalösung oder anderer schwerwiegender Komplikationen sein könnten.

 

Bei der Eileiterschwangerschaft kommt es meist zu Schmerzen und leichten Blutungen. In der Ultraschalluntersuchung ist jedoch kein Fötus in der Gebärmutter zu sehen. Wächst der Embryo, kann der Eileiter zerreißen und starke, lebensbedrohliche Blutungen verursachen.

 

Bei der vorzeitigen Plazentalösung löst sich der Mutterkuchen teilweise oder ganz von der Gebärmutterwand. Dabei kann es ebenfalls zu starken, lebensbedrohlichen Blutungen kommen.

 

Bei jeglichen Blutungen mit oder ohne Schmerzen sollten Sie deshalb immer sofort in ein Krankenhaus fahren. Das gilt für jeden Zeitpunkt in der Schwangerschaft. Bis zur Untersuchung sollten Sie ruhen.

 

Auch leichte Schmierblutungen sollten Sie von Ihrem Gynäkologen abklären lassen, um sicherzugehen, dass keine schwerwiegenden Ursachen dahinter stecken.

 

Diabetes

Grundsätzlich unterscheidet man eine schon vor der Schwangerschaft bestehende Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ I oder II) von einer neu in der Schwangerschaft auftretenden Zuckerverwertungsstörung (Gestationsdiabetes).

 

Der Gestationsdiabetes bleibt meist auf die Zeit der Schwangerschaft begrenzt, davon betroffene Frauen haben jedoch ein erhöhtes Risiko, später an Diabetes zu erkranken.

 

Risikofaktoren für die Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes sind zum Beispiel: Alter der Frau ab 45 Jahren, Übergewicht, Bewegungsmangel, kohlenhydrat- und fettreiche Ernährung, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes Typ 2 in der Familie und Schwangerschaftsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft oder frühere Geburt eines Kindes mit einem Gewicht über 4.500 Gramm.

 

Um festzustellen, ob eine Zuckerverwertungsstörung vorliegt, erfolgt bei allen Schwangeren in der 25. bis 28. Schwangerschaftswoche ein 50-Gramm-Glukose-Suchtest. Ist das Ergebnis positiv, besteht der Verdacht auf eine Zuckerverwertungsstörung, die ein weiterer Blutzuckerbelastungstest bestätigen muss. Bei Vorliegen von Risikofaktoren sollte der Arzt den Blutzucker bereits weit vor der 24. Schwangerschaftswoche messen.

 

Behandlung

Während der Schwangerschaft ist zur Vermeidung von Komplikationen eine optimale Blutzuckereinstellung dringend erforderlich. Liegt eine Zuckerverwertungsstörung vor, sind regelmäßige Blutzuckerkontrollen, eventuell eine Umstellung der Ernährung, soweit möglich eine Steigerung der körperlichen Aktivität und gelegentlich auch eine Insulintherapie erforderlich.

 

In den meisten Fällen können die Frauen diese Maßnahmen nach der Entbindung wieder absetzen.

 

Bei Frauen, die bereits vor Eintreten der Schwangerschaft an Diabetes erkrankt waren, ist der Schwangerschaftsverlauf auch von möglicherweise schon bestehenden Blutzucker-Folgekrankheiten wie Nierenerkrankungen abhängig. In diesem Fall ist vor Planung einer Schwangerschaft ein ausführliches Gespräch mit dem Frauenarzt erforderlich.

 

Im Allgemeinen bestehen auch bei Diabetikerinnen keine Bedenken gegenüber einer Schwangerschaft. Voraussetzung ist allerdings, dass bereits in den drei Monaten vor einer Empfängnis und während der gesamten Schwangerschaft eine sorgfältige Überwachung und optimale Einstellung des Glukosestoffwechsels erfolgen.

 

Mögliche Komplikationen

Tritt während der Schwangerschaft eine Zuckerkrankheit auf oder ist sie schon zuvor vorhanden, machen folgende mögliche Komplikationen eine engmaschige Schwangerschaftsvorsorge erforderlich. Sie treten umso seltener auf, je besser der Blutzucker eingestellt ist. Mögliche Komplikationen sind:

  • Bei Müttern, die bereits vor Eintritt der Schwangerschaft an Diabetes litten, kommt es ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zu einem erhöhten Insulinbedarf.
  • Infektionen der Harnwege und der Scheide - auch unbemerkte - treten vermehrt auf. Daher sind häufigere Urinkontrollen erforderlich. Außerdem kommt es häufiger zu Zahnfleischentzündungen.
  • Ein erhöhter Blutdruck tritt häufiger auf.
  • Fehlbildungen, zum Beispiel Fehlbildungen des Herzens und der herznahen Gefäße sowie Neuralrohrdefekte, kommen häufiger vor.
  • Es besteht ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten und Frühgeburten.

Kinder von nicht oder nur unzureichend behandelten zuckerkranken Müttern werden besonders schwer (Geburtsgewicht über 4.000 Gramm beziehungsweise 4.500 Gramm). Dieser Riesenwuchs (Makrosomie) kann während der Geburt Probleme bereiten, sodass ein Kaiserschnitt erforderlich wird.

 

Bei Frühgeburten ist die Lunge oft noch nicht vollständig ausgereift, sodass nach der Geburt Atemprobleme auftreten können. Zusätzlich sind die Kinder durch eine Unterzuckerung gefährdet. Deshalb müssen Kinder zuckerkranker Mütter unmittelbar nach der Geburt besonders intensiv beobachtet werden. Zusätzlich haben sie ein erhöhtes Risiko, später selbst an Diabetes und Bluthochdruck zu erkranken und übergewichtig zu sein.

 

Die Zuckerkrankheit der Mutter kann auch Auswirkungen auf die Blutgefäße des Mutterkuchens haben, sodass das Kind während der Schwangerschaft nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird (Plazenta-Insuffizienz). Daher sind gegen Ende der Schwangerschaft häufigere Herzton- und spezielle Ultraschallkontrollen erforderlich. In den letzten zwei bis vier Schwangerschaftswochen kann zusätzlich eine stationäre Überwachung von Mutter und Kind angezeigt sein.

 

Drogen, Alkohol und Zigaretten

Der Konsum von Drogen, Alkohol und Zigaretten während der Schwangerschaft kann die Entwicklung des Kindes nachhaltig stören und im schlimmsten Fall zu Fehl- und Totgeburten führen. Aus diesem Grund sollten schwangere Frauen Drogen, Alkohol und Zigaretten in der Schwangerschaft unbedingt meiden!

 

In den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft, in denen sich beim Kind die Organe entwickeln, besteht ein besonders hohes Risiko für sehr schwere Schäden des Ungeborenen. Illegale Drogen, Alkohol und Nikotin können das Kind aber auch während der gesamten Schwangerschaft schädigen. Zum einen kann es zu körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen kommen, zum anderen steigt das Risiko für Früh- und Fehlgeburten.

 

Hat die Mutter regelmäßig Beruhigungs- und Schlafmittel eingenommen, leidet das Kind nach der Geburt möglicherweise an Entzugssymptomen. Dieses neonatale Abstinenzsyndrom äußerst sich zum Beispiel durch Zittern, Nervosität, Blutdruckstörungen, Temperaturabfall, Erbrechen und Durchfall.

 

Drogenabhängigkeit kann außerdem ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten wie AIDS, Hepatitis B und C mit sich bringen. Auch die sozialen Umstände einschließlich der Traumatisierung durch mögliche Gewalterfahrungen, Beschaffungskriminalität oder Prostitution können sich negativ auf die Entwicklung des Kindes im Mutterleib auswirken.

 

Bei Drogenkonsum in der Schwangerschaft ist es besonders wichtig, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der Konsum sollte beendet werden, allerdings ist bei einigen Drogen ein gesteuerter Entzug besser als abruptes Absetzen. Die Entwicklung des Fetus muss in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, um eventuelle Fehlbildungen, Wachstumsverzögerungen sowie die Gewährleistung der Versorgung durch den Mutterkuchen zu überprüfen.

 

Eine Beratung in einer reproduktionstoxikologischen Spezial-Ambulanz einer größeren Klinik kann sinnvoll sein. Schwangere Frauen, die Drogen konsumiert haben oder abhängig sind, müssen individuell beraten werden, damit Mutter und Kind eine optimale Betreuung erhalten.

 

Rauchen Sie?

Rauchen schadet dem ungeborenen Kind. Das Spektrum möglicher Folgen reicht von der Mangelernährung bis zum Tod des Kindes, zum Beispiel leiden Kinder von Raucherinnen später häufiger an Asthma, Allergien und Krebserkrankungen oder sterben häufiger an plötzlichem Kindstod. Auch das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt sowie für eine vorzeitige Plazentalösung ist bei Raucherinnen höher. Je mehr Zigaretten pro Tag geraucht werden, desto schädlicher ist dies für das Kind. Auch das Passivrauchen wirkt sich auf das Kind aus.

 

Übrigens: Rauchen verringert auch die Fruchtbarkeit! Dies ist ein Argument mehr, mit dem Rauchen schon vor der Schwangerschaft aufzuhören!

 

Trinken Sie gerne Alkohol?

Während der Schwangerschaft wird der generelle Verzicht auf Alkohol empfohlen, da man die Menge des Alkohols, ab der das Kind Schaden nimmt, nicht kennt.

 

Je nach Ausmaß des Alkoholkonsums kann es zu mehr oder weniger starken Wachstumsverzögerungen, Intelligenzminderungen, Verhaltensauffälligkeiten, Fehlbildungen und anderen Erkrankungen des Kindes kommen.

 

Fehlgeburt

Eine Schwangerschaft, die mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm oder vor Erreichen der Lebensfähigkeit des Kindes zu Ende geht, bezeichnet man als Fehlgeburt. In Deutschland besteht keine standesamtliche Meldepflicht.

 

Das Risiko für eine Fehlgeburt nach Ausbleiben der Regelblutung beträgt zwischen zehn und 15 Prozent. Berücksichtigt man auch die Fehlgeburten, die sich noch vor dem Ausbleiben der Regelblutung und vor der Einnistung ereignen, sind es sogar 50 Prozent. Man unterscheidet zwischen dem Frühabort bis zur zwölften bis vierzehnten Schwangerschaftswoche (SSW) und dem Spätabort ab der vierzehnten SSW. Heutzutage überleben jedoch bereits Kinder, die ab der 24. SSW geboren werden.

 

Mögliche Ursachen aufseiten der Mutter:

  • Gebärmutterhalsschwäche durch Bindegewebs- und Muskelschwäche oder nach Operationen an der Gebärmutter
  • Fehlerhafte Einnistung des befruchteten Eis
  • Mütterliche Abstoßungsreaktion
  • Infektion der Geschlechtsorgane, zum Beispiel durch Chlamydien
  • Höheres Alter der Mutter
  • Hormonelle Störungen wie zum Beispiel Gelbkörperschwäche
  • Gebärmutteranomalien
  • Schwere Erkrankungen, zum Beispiel Immunerkrankungen, Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen
  • Myome

Mögliche Ursachen aufseiten des Kindes:

  • Chromosomenanomalien: Das sind die häufigsten Störungen, die zu einer Fehlgeburt führen.
  • Fehlbildungen, die nicht mit dem Leben vereinbar sind, sodass der Fetus abstirbt oder sich die Schwangerschaft nicht weiter entwickelt

Ursachen durch äußere Einflüsse:

  • Medikamente, Genussgifte (Nikotin, Alkohol, Rauschgifte), andere Schadstoffe

Die häufigsten Zeichen für einen Spontanabort sind:

  • Vaginale Blutungen
  • Schmerzen im Unterleib
  • Wehen

Bei Anzeichen eines Spontanaborts wie vaginale Blutung oder Unterleibsschmerzen, ähnlich den Regelschmerzen, sollte schwangere Frauen sofort einen Frauenarzt oder eine Klinik aufsuchen.

 

Charakteristisch für die Gebärmutterhalsschwäche ist die schmerz- und wehenlose Fehlgeburt.

 

Etwa ab der 23. Schwangerschaftswoche besteht eine realistische Überlebenschance für den Fetus. Allerdings haben etwa 20 bis 30 Prozent dieser Kinder schwere Erkrankungen, die eine lebenslange Hilfe durch andere Personen notwendig machen. Ab der 25. Schwangerschaftswoche überleben in Deutschland etwa 60 Prozent der Kinder, ab der 26. Schwangerschaftswoche etwa 75 Prozent.

 

Eine Fehlgeburt kann beängstigend und deprimierend sein. Es ist völlig natürlich, Trauer über den Verlust zu empfinden. Teilen Sie Ihre Gefühle Ihrer Umwelt mit! Wenn Sie glauben, dass Sie zu viel Zeit für die Verarbeitung Ihrer Gefühle brauchen, oder wenn Sie sehr lange deprimiert sind, suchen Sie Ihren Arzt auf. Er kann Ihnen weiterhelfen.

 

Ungefähr zwei bis sechs Wochen nach einer Fehlgeburt wird untersucht, ob die Gebärmutter sich zusammengezogen hat. Eine Schwangerschaft kann nach einem normalen Zyklus mit normaler Menstruation wieder eintreten.

 

Das Wiederholungsrisiko steigt nach einer Fehlgeburt auf bis zu 20 Prozent an. Wenn die Frauen innerhalb der nächsten sechs Monate wieder schwanger werden, ist das Risiko für eine erneute Fehlgeburt geringer als bei einem Abstand von sechs bis zwölf Monaten.

 

Da es schwer ist, die eigentliche Ursache mit Sicherheit zu bestimmen, bleibt in der Regel nur das Abwarten. Frühzeitige Schonung bringt nach einem Frühabort nichts. Infektionen der Scheide und des Gebärmutterhalses sollten ausgeschlossen werden. Die meisten Frauen werden recht schnell wieder schwanger und ein großer Anteil bringt gesunde Kinder auf die Welt. Die individuelle Situation ist natürlich nur durch genaue Untersuchungen abzuklären.

 

Habituelle Abortneigung

Von einer habituellen Neigung zu Fehlgeburten spricht man laut Definition der WHO, wenn drei oder mehr aufeinanderfolgende Fehlgeburten vor der 20. Schwangerschaftswoche aufgetreten sind. Die häufigsten Ursachen der wiederholten Aborte sind Störungen der Erbanlagen. Für diese Fälle bieten Humangenetiker eine genetische Beratung mit Untersuchung der Erbanlagen der Eltern an.

 

Weitere mögliche Ursachen sind angeborene Fehlbildungen der Gebärmutter, Wucherungen in der Gebärmutter, Infektionen, Funktionsstörungen der Schilddrüse, immunologische Ursachen und psychologische Faktoren.

 

Placenta praevia/Plazentalösung

Von einer Placenta praevia spricht man, wenn der Mutterkuchen ganz oder teilweise vor dem Muttermund liegt. Damit kann der Weg aus der Gebärmutter für das Kind versperrt und ein Kaiserschnitt nötig sein. Oft treten Blutungen schon vor der 30. Schwangerschaftswoche auf, die eine stationäre Beobachtung von Mutter und Kind erforderlich machen.

 

Schädigungen der Gebärmutterschleimhaut, zum Beispiel durch eine rasche Schwangerschaftsfolge (Abstand kürzer als ein Jahr), Operationen oder Entzündungen, sind Risikofaktoren für die Entwicklung einer Placenta praevia. Auch die Größe des Mutterkuchens spielt bei der Entstehung einer Placenta praevia eine Rolle: Je größer der Mutterkuchen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit.

 

Bei Mehrlingsschwangerschaften und bei Vielgebärenden ist die Plazenta im Allgemeinen überdurchschnittlich groß.

 

Vorzeitige Plazentalösung

Im Gegensatz zur Placenta praevia, die bei der Schwangerschaftsvorsorge diagnostiziert werden kann, tritt die vorzeitige Plazentalösung meistens plötzlich auf. Oft noch vor dem Geburtsbeginn löst sich der Mutterkuchen teilweise oder ganz von der Gebärmutterwand. Liegt lediglich eine leichte Plazentalösung vor, ist keine Beeinträchtigung des Kindes zu erwarten.

 

Bei erheblichen Blutungen aus Gefäßen des mütterlichen oder kindlichen Kreislaufs ist die vorzeitige Plazentalösung eine Notsituation, die äußerst schnelles Handeln erfordert. Abhängig vom Schweregrad der Plazentalösung und dem Alter des Fötus ist eine rasche Entbindung in der Regel durch Kaiserschnitt zu erwägen.

 

Die Ursache für eine vorzeitige Plazentalösung bleibt in etwa der Hälfte der Fälle unklar. Risikofaktoren sind beispielsweise Fruchtwasservermehrung, Unfälle, schwangerschaftsbedingte Erkrankungen, Mehrlingsschwangerschaften, Fehlbildungen, eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Chorionzottenbiopsie.

 

Sofern die Gebärmutter nicht vollständig entfernt werden musste, kann nach einem Kaiserschnitt bei Placenta praevia oder vorzeitiger Plazentalösung beim nächsten Kind durchaus eine normale Geburt erfolgen.

 

Sterilitätsbehandlung

Wenn in der Vergangenheit wegen ungewollter Kinderlosigkeit eine Sterilitätsbehandlung durchgeführt wurde, kann für eine zukünftige Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko bestehen.

 

Grundsätzlich ist bei Frauen, bei denen es nicht oder nur schwer zu einer spontanen Schwangerschaft kommt, die Rate der Eileiterschwangerschaften erhöht.

 

Nach einer Sterilitätsbehandlung, vor allem nach einer künstlichen Befruchtung, aber auch nach einer Hormonbehandlung, ist die Rate der Mehrlingsschwangerschaften deutlich höher als in der Normalbevölkerung. Etwa jede vierte bis fünfte Schwangerschaft, die durch eine künstliche Befruchtung oder eine Hormonbehandlung zustande kam, ist eine Mehrlingsschwangerschaft.

 

Mehrlingsschwangerschaften sind grundsätzlich mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kinder behaftet. Die Mütter leiden häufiger an Übelkeit, haben häufiger Blutdruckprobleme in der Schwangerschaft und bekommen häufiger vorzeitige Wehen. Dies wiederum ist mit einer erhöhten Frühgeburtenrate und entsprechenden Folgen für die Kinder verbunden.

 

Außerdem kommt es bei Mehrlingsgeburten häufiger zu geburtshilflichen Komplikationen. So werden Drillinge und Zwillinge häufiger als Einzelkinder per Kaiserschnitt geboren. Das liegt unter anderem daran, dass Mehrlinge öfter in ungewöhnlichen Stellungen liegen und/oder sich miteinander verschränken.

 

Auch ein Nabelschnurvorfall oder eine Placenta praevia werden häufiger beobachtet. Außerdem kann es nach der Geburt des ersten Kindes zu einem Sauerstoffmangel des zweiten (und dritten) Kindes kommen, wenn eine bestimmte Zeit überschritten wird. Die Blutungen nach der Geburt sind bei Mehrlingsgeburten oft stärker und länger.

 

Außerdem besteht nach einer Sterilitätsbehandlung ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt. Bei etwa jeder fünften Schwangerschaft nach einer künstlichen Befruchtung oder einer Hormonbehandlung kommt es zu einer Fehlgeburt.