Eine Corona-Erkrankung scheint unberechenbar. Zwar überwiegen milde und symptomlose Verläufe, doch auch hier gibt es individuelle Unterschiede. Denn einige Patienten fühlen sich auch Monate später noch nicht richtig "wiederhergestellt". Bislang ist die Studienlage noch nicht eindeutig, aber vieles deutet darauf hin, dass einige Covid-19-Patienten zwar als genesen gelten, aber trotzdem noch nicht vollständig gesund sind. Ganz unabhängig davon, ob sie einen leichten oder schweren Krankheitsverlauf hatten. Laut dem RKI ist das prinzipiell nicht ungewöhnlich, doch bislang war es nicht möglich, die Langzeitauswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion eindeutig zu definieren. Forscher nennen dieses Phänomen "Long Covid". Es kann in vielen verschiedenen Ausprägungen auftreten, betrifft aber längst nicht alle, die zuvor Corona durchgemacht haben. 

Wie häufig kommt es zu Langzeitfolgen?

Verlässliche, repräsentative Daten liegen derzeit noch nicht vor. Eine prospektive Studie hatte ergeben, dass 13,3 Prozent der Erkrankten länger als vier Wochen, 4,5 Prozent länger als acht Wochen und 2,3 Prozent länger als zwölf Wochen über Symptome klagten. Fortschreitendes Alter, ein höherer BMI (Body-Mass-Index) sowie das weibliche Geschlecht gehörten dabei zu den Hauptrisikofaktoren für Langzeitfolgen. Aber auch schwere Verläufe machen Long Covid wahrscheinlicher: Daten aus England lassen vermuten, dass etwa 40 Prozent der Erkrankten auf längerfristige Unterstützung angewiesen sind.

Welche Langzeitfolgen sind möglich?

Die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion gehören zu den vielen Rätseln, die die Wissenschaft noch lösen muss. Inzwischen weiß man, dass das Virus vor allem Organe wie Herz, Lunge oder Gehirn befallen und schädigen kann. Selbst diejenigen, die "nur" einen leichten Krankheitsverlauf hatten, leiden teilweise noch wochen- oder monatelang an verschiedenen Beschwerden. Dazu zählen unter anderem Atemprobleme, Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns, Gelenkschmerzen und andauernde Müdigkeit. Selbst kleine Anstrengungen des Alltags wie Treppensteigen sind für manche Betroffene so beschwerlich, dass sie sich danach direkt wieder hinlegen müssen. Fatigue ist die medizinische Bezeichnung für das chronische Erschöpfungssyndrom. Zudem klagen Patienten über kognitive Störungen wie etwa Wortfindungsschwierigkeiten oder Gedächtnisprobleme.

Auf der Webseite "Zusammen gegen Corona" vom Bundesministerium für Gesundheit erzählen Betroffene ihre ganz persönlichen Leidensgeschichten. Sie geben Corona und den Fallzahlen ein Gesicht und zeigen, wie die Viruserkrankung ihr Leben verändert hat. Die 26-jährige Julia aus Amberg berichtet beispielsweise von Vergesslichkeit und einer Beeinträchtigung ihrer Sehkraft. Seit ihrer Corona-Infektion Mitte September ist sie auf eine Brille angewiesen. Auch Monika aus Oberbayern ist Long-Covid-Patientin. Nach der Erkrankung überfiel sie eine bleierne Müdigkeit. Die 54-jährige Beamtin musste außerdem das Gehen neu üben und leidet bis heute unter Herzrasen.

Nachsorge auch nach mildem Verlauf

Da über die Spätfolgen von Covid-19 bisher so wenig bekannt ist, ist Aufklärung umso wichtiger. Dabei geht es nicht um Panikmache, sondern darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Auch junge, fitte Patienten sollten sich nach ihrer Genesung von einem Arzt beobachten lassen und sportliche Aktivitäten langsam angehen. Wer bereits unter Long Covid leidet, kann in Betracht ziehen, sich psychologische Unterstützung zu suchen. Oftmals hilft es enorm, mit jemandem über die Erkrankung und die Beschwerden zu sprechen.