Sollte Ihr persönliches Risiko erhöht sein, geben regelmäßige Kontrolluntersuchungen Ihnen Sicherheit. Denn: Der beste Schutz vor den Spätfolgen eines Lebertumors ist eine frühzeitige Diagnose. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin Ihr individuelles Risiko und nehmen Sie angebotene Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahr: In frühen Stadien kann ein Lebertumor in der Regel besser behandelt werden. 

Risikofaktoren

  • Eine Leberzirrhose ist die Spätfolge andauernder Leberschäden: Das Organ vernarbt und verliert so zunehmend seine Funktionsfähigkeit. Infolgedessen steigt das Krebsrisiko, denn etwa acht von zehn Lebertumoren entstehen aufgrund einer Zirrhose. Die Erkrankung ist in etwa der Hälfte aller Fälle alkoholbedingt und wird zu einem weiteren Drittel durch chronische Leberentzündungen verursacht. 
  • Eine Infektion mit Hepatitis B oder C kann eine chronische Leberentzündung verursachen. Die gute Nachricht: Hepatitis B kann durch eine Impfung vorgebeugt werden, während Hepatitis C oft gut behandelbar ist. 
  • Einige Stoffwechselstörungen schädigen die Leber und können so auf Dauer zu einer Zirrhose führen. Dazu zählen einige seltene Erkrankungen wie beispielsweise die Eisenspeicherkrankheit, ein Antitrypsin-Mangel, Mukoviszidose und Morbus Wilson. 
  • Eine sogenannte nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) führt in rund der Hälfte aller Fälle zu einer dauerhaften Entzündung der Leber. Gut zu wissen: Eine aktive Lebensweise mit gesunder Ernährung baut die gefährlichen Fetteinlagerungen ab und schützt Sie vor einer Leberzirrhose als Spätfolge.
  • Darüber hinaus kann die Leber durch das Schimmelpilzgift Aflatoxin und durch regelmäßig eingenommene Androgene wie Anabolika geschädigt werden.

Leber schützen

Als Klärwerk des Körpers ist sie zahlreichen Schadstoffeinflüssen ausgesetzt. Schützen Sie Ihre Leber vor zusätzlichen Belastungen, indem Sie Alkohol nur in Maßen genießen und Ihren Impfschutz gegen Hepatitis-B-Viren überprüfen lassen. Besonders wichtig: Sollten Sie bereits die Diagnose Leberzirrhose erhalten haben, ist ein kompletter Alkoholverzicht von größter Bedeutung für Sie.

Symptome

Besonders tückisch: Leberkrebs sorgt anfangs nur für unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Erschöpfung - und bleibt daher oft lange unerkannt. Erst wenn die Leber sowie vorgeschaltete Gefäße und Organe bereits stark belastet sind, kommt es zu deutlichen Symptomen:

  • Druckschmerzen im rechten Oberbauch
  • Spinnenförmige Gefäßneubildungen im Gesicht und am Oberkörper
  • Wassereinlagerungen an Bauch und Beinen
  • Gelbfärbung von Haut und Augäpfeln (Ikterus)
  • Höhere Blutungsneigung oder Bluterbrechen

Diagnose

Sollten Sie Symptome einer Leberkrebserkrankung an sich wahrnehmen, vereinbaren Sie einen Arzttermin. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird zunächst Ihr persönliches Risiko abschätzen und sich genau über Ihre Beschwerden, Vorerkrankungen und allgemeine Lebensangewohnheiten informieren. 

Während der körperlichen Untersuchung wird unter anderem Ihr Bauch in der Lebergegend abgetastet. So lässt sich feststellen, ob das Organ verändert ist oder Geschwulste gebildet hat. Da Krebszellen bestimmte Eiweißstoffe produzieren, kann auch die Bestimmung des Tumormarkers Alpha-Fetoprotein (AFP) einen Hinweis auf Leberkrebs liefern. Da jedoch auch Entzündungen die AFP-Produktion ankurbeln können, ist der Marker als Einzelkriterium allerdings kein klares Indiz für Leberkrebs.

Sollte sich dabei der Verdacht auf einen Lebertumor erhärten, kann eine Ultraschalluntersuchung Aufschluss geben: Ein etwaiger Tumor ist bei dieser Untersuchung meist gut zu erkennen. Liegt tatsächlich eine Neubildung vor, kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin eine Magnetresonanztomografie (MRT) mit Kontrastmittel durchführen. Sie gibt einen Hinweis darauf, ob die Neubildung gut- oder bösartig ist. Bei unklarem Befund kann zusätzlich eine Computertomografie (CT) und/oder eine Kontrastmittelsonografie erfolgen. Eine anschließende Gewebeprobe (Biopsie) des Tumors gibt zuverlässig Aufschluss darüber, ob bösartige Zellen vorliegen. 

Primärer und sekundärer Leberkrebs

Fachleute unterscheiden zwei Arten von Lebertumoren: Entstand die Neubildung direkt aus einer entarteten Leberzelle, handelt es sich um einen primären Tumor. Dagegen bezeichnet ein sekundärer Tumor die gestreute Tochtergeschwulst einer Krebserkrankung, die anderswo im Körper aktiv ist. Nach der Diagnose Lebertumor ist es deswegen besonders wichtig, weitere Krebserkrankungen auszuschließen.

Behandlung

Nach einer Krebsdiagnose ist es sehr wichtig, die eigenen Perspektiven und Chancen zu kennen: Ihr behandelnder Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin wird Sie über die Therapiemöglichkeiten aufklären, die in einer interdisziplinären Tumorkonferenz individuell für Sie erarbeitet wurden. 

Teilweise Leberentfernung - Resektion

Sind nur wenige kleine Tumoren vorhanden, können diese im Optimalfall rückstandslos entfernt werden - sicherheitshalber samt einer Schicht gesunden Gewebes außenherum. Die Bedingung für diesen Eingriff ist eine weitgehend gesunde Leber, die nach der Operation ihre Aufgaben noch vollständig erfüllen kann.

Lokal-ablative Verfahren

Ist eine Operation nicht möglich, können diese Methoden das Tumorwachstum bremsen oder gar stoppen: Mithilfe bildgebender Techniken führt der Chirurg oder die Chirurgin eine Sonde bis in den Tumor vor und verödet ihn mittels Hitze. Diese wird je nach Verfahren durch Radiofrequenz (RFA) oder Mikrowellen (MWA) erzeugt. 

Organtransplantation

In seltenen Fällen kann ein Spenderorgan die Krebserkrankung heilen. Dieser Eingriff ist für den Körper sehr belastend und kann nur bei entsprechender Gesundheit vorgenommen werden. Eine weitere Bedingung ist, dass der Leberkrebs noch nicht allzu groß ist und keine Tochtergeschwülste gebildet hat. Die oftmals lange Wartezeit für ein Spenderorgan wird meist mit anderen Therapieoptionen überbrückt.

Können die Tumoren nicht vollständig entfernt oder zerstört werden, bremsen die folgenden Behandlungen das Wachstum.

Transarterielle Chemoembolisation (TACE)

Diese Behandlung zielt auf diejenigen Blutgefäße, die den Tumor versorgen: Ein feiner Schlauch wird bis zu einem dieser Tumorgefäße geführt und ein Wachstumshemmer sowie ein Mittel zum Verschließen des Gefäßes eingeleitet. So wirkt das Chemotherapeutikum sehr gezielt auf den Tumor und hat keinen Einfluss auf das umliegende, gesunde Gewebe.

Transarterielle Radioembolisation (TARE)

Bei dieser auch selektive interne Radiotherapie genannten Strahlentherapie werden feinste radioaktive Kügelchen direkt in den Tumor geleitet. Ihre Strahlenwirkung beträgt etwa zwei bis elf Millimeter und betrifft somit nur das erkrankte Gewebe: Dessen Wachstum wird unterbrochen und der Tumor reduziert.

Systemische Chemotherapie

Ab einer bestimmten Tumorgröße ist eine lokale Therapie nicht mehr sinnvoll. In diesem Fall erfolgt meist eine Chemotherapie. In der Regel wird eine Kombination aus Antikörpern mit den Wirkstoffen Atezolizumab und Bevacizumab gegeben. Kommen diese individuell nicht infrage oder schlagen sie nicht ausreichend an, stehen unter anderem Signalwegehemmer wie Sorafenib und Lenavatinib zur Verfügung. Auch Immuntherapien, medizinisch Checkpoint-Hemmer genannt, etwa mit Ramucirumab sind eine Option. Eine Chemotherapie kann durch eine Bestrahlung oder eine Operation ergänzt werden.

Sie sind nicht allein - zu keinem Zeitpunkt:

Die Diagnose zu verarbeiten sowie mit allen Herausforderungen der Erkrankung umzugehen, ist oft schwer. Die Psychoonkologie ist daher fester Bestandteil der Onkologie. Hier erhalten Sie individuelle Unterstützung. Nach einer abgeschlossenen Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen besonders wichtig - dabei stehen Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden im Mittelpunkt. Entsprechend können Sie während der Nachsorge etwa von einer psychosozialen Therapie oder einem Reha-Aufenthalt profitieren. 

Die Diagnose eines primären oder sekundären Lebertumors trifft jährlich Tausende Menschen in Deutschland: Sie teilen ihre Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen mit Ihnen. Informieren Sie sich über Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe und tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus. Denn: Gemeinsam fällt es leichter, gegen den Krebs aktiv zu sein.