Macht die gewählte Therapie auch aus Ihrer Sicht Sinn, können Sie sich besser auf alle Behandlungsschritte einlassen und aktiv an Ihrer Genesung mitwirken . Deswegen entscheiden Ärztinnen und Ärzte heutzutage oft gemeinsam mit ihren Patientinnen und Patienten über Behandlungswege.

Niemand kennt Ihre Lebensbedingungen und Bedürfnisse besser als Sie selbst - somit können Sie Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin wichtige Informationen liefern. Die Medizinerinnen und Mediziner haben die Pflicht, Sie über Behandlungsabläufe aufzuklären. Das Wissen, das Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin teilen, bildet die Vertrauensbasis für Ihre Beziehung. Wenn Sie Unklarheiten oder Bedenken offen ansprechen, tragen Sie dazu bei, diese Basis zu stärken. 

Shared Decision Making - Kommunikation auf Augenhöhe

Mit dem sogenannten Shared Decision Making (dt. partizipative Entscheidungsfindung) bezeichnen Fachleute das Modell einer partnerschaftlichen Patient-Arzt-Beziehung: Ärztin und Patientin entscheiden gleichberechtigt über eine Therapie. Das medizinische Fachpersonal erklärt dabei die Behandlungsmöglichkeiten, Sie als Patientin oder Patient fragen nach und teilen persönliche Informationen, Erwartungen und Wünsche mit. 

Arztgespräche besser nutzen

Wichtige Fragen schreiben Sie am besten vorab auf. Wichtige Tipps für Ihren Besuch bei Ihrer Ärztin oder Ihren Arzt stellt das Aktionsbündnis Patientensicherheit online bereit. Falls Sie einen Allergiepass besitzen oder die TK-App nutzen, nehmen Sie diese zum Gespräch mit. In der App können Sie alle Medikamente eintragen , die Sie anwenden. Einen Vordruck für einen Medikamentenplan können Sie zum Beispiel auf der Website der Stiftung Patientensicherheit Schweiz downloaden. 

Haben Sie beim Gespräch etwas zu schreiben dabei und notieren Sie wichtige Details. Haken Sie nach, falls Sie etwas nicht verstehen. Ihre Fragen zeigen, dass Sie mitdenken. Wenn Sie unsicher in Bezug auf eine Behandlung sind, bitten Sie um Bedenkzeit - zum Beispiel, um die Entscheidung mit Ihrer Familie zu besprechen. Vor bestimmten Eingriffen können Sie auch eine Zweitmeinung  einholen. Weitere Tipps für erfolgreiche Arztgespräche finden Sie auf der Website der TK. 

Das Handwerkszeug des Speak-up - wie Sie professionell Bedenken formulieren

Speak-up bedeutet, Sicherheitsbedenken zu äußern, wenn es darauf ankommt: zum Beispiel wenn sich ärztliches Fachpersonal nicht die Hände desinfiziert, bevor Sie untersucht werden - oder wenn Sie nicht wissen, warum Sie ein bestimmtes Medikament einnehmen sollen.

Ihre Befürchtungen können sich selbstverständlich als unbegründet herausstellen, doch allzu oft riskieren Betroffene lang anhaltende Schäden, weil sie ihre Beobachtungen nicht mitteilen. Manche scheuen soziale Konflikte oder finden einfach nicht die passenden Worte. Das kann besonders schwierig sein, wenn Sie auf medizinische Hilfe angewiesen sind.

Ein gelungenes Speak-up ist aber auch eine Frage der Technik. Fachleute raten: 

  • Machen Sie sich bewusst, dass Menschen im Gesundheitswesen ihren Beruf gewählt haben, um Ihnen zu helfen.
  • Sprechen Sie Ihre Gesprächspartnerin oder Ihren Gesprächspartner mit Namen an. Dadurch fühlt sich Ihr Gegenüber anerkannt und miteinbezogen. 
  • Beschreiben Sie Ihre Bedenken und für Sie problematische Situationen oder Handlungen kurz und bündig. Lassen Sie dabei Bewertungen außen vor. 
  • Teilen Sie offen Ihre Befürchtungen oder Bedenken mit. 
  • Senden Sie Ich-Botschaften und beschreiben Sie Ihre persönliche Wahrnehmung. So vermeiden Sie, dass sich Ihr Gegenüber angegriffen fühlt. Ein Beispiel für eine solche Formulierung ist: "Ich denke, ich habe etwas Ungewöhnliches gesehen, als …"
  • Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin nach seiner oder ihrer Meinung zu Ihren Bedenken. Versuchen Sie auch, die Perspektive Ihres Gegenübers zu verstehen.