Das Handwerkszeug des Speak-up - wie Sie professionell Bedenken formulieren

Speak-up bedeutet, Sicherheitsbedenken zu äußern, wenn es darauf ankommt: zum Beispiel, wenn sich ärztliches Fachpersonal nicht die Hände desinfiziert, bevor Sie untersucht werden - oder wenn Sie nicht wissen, warum Sie ein bestimmtes Medikament einnehmen sollen.

Ihre Befürchtungen können sich selbstverständlich als unbegründet herausstellen, doch allzu oft riskieren Betroffene langanhaltende Schäden, weil sie ihre Beobachtungen nicht mitteilen. Manche scheuen soziale Konflikte oder finden einfach nicht die passenden Worte. Das kann besonders schwierig sein, wenn Sie auf medizinische Hilfe angewiesen sind.

Ein gelungenes Speak-up ist aber auch eine Frage der Technik. Fachleute raten: 

  • Machen Sie sich bewusst, dass Menschen im Gesundheitswesen ihren Beruf gewählt haben, um Ihnen zu helfen.
  • Sprechen Sie Ihre Gesprächspartnerin oder Ihren Gesprächspartner mit Namen an. Dadurch fühlt sich Ihr Gegenüber anerkannt und miteinbezogen. 
  • Beschreiben Sie Ihre Bedenken und für Sie problematische Situationen oder Handlungen kurz und bündig. Lassen Sie dabei Bewertungen außen vor. 
  • Teilen Sie offen Ihre Befürchtungen oder Bedenken mit. 
  • Senden Sie Ich-Botschaften und beschreiben Sie Ihre persönliche Wahrnehmung. So vermeiden Sie, dass sich Ihr Gegenüber angegriffen fühlt. Ein Beispiel für eine solche Formulierung ist: "Ich denke, ich habe etwas Ungewöhnliches gesehen, als …"
  • Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin nach seiner oder ihrer Meinung zu Ihren Bedenken. Versuchen Sie auch, die Perspektive Ihres Gegenübers zu verstehen.

Arztgespräche besser nutzen

  • Wichtige Fragen schreiben Sie am besten vorab auf. 
  • Falls Sie einen Allergiepass besitzen oder die TK-App nutzen, nehmen Sie diese zum Gespräch mit. In der App können Sie alle Medikamente eintragen , die Sie anwenden.  
  • Haben Sie beim Gespräch etwas zu schreiben dabei und notieren Sie wichtige Details. 
  • Haken Sie nach, falls Sie etwas nicht verstehen. 
  • Ihre Fragen zeigen, dass Sie mitdenken. Wenn Sie unsicher in Bezug auf eine Behandlung sind, bitten Sie um Bedenkzeit - zum Beispiel, um die Entscheidung mit Ihrer Familie zu besprechen. 
  • Vor bestimmten Eingriffen können Sie auch eine Zweitmeinung einholen. 

Weitere Informationen

Die richtigen Anlaufstellen finden

Ist Ihnen im Krankenhaus während Ihres Aufenthaltes etwas aufgefallen, gibt es unterschiedliche Beratungsmöglichkeiten. Sprechen Sie als erstes mit dem Personal auf der Station oder mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer behandelnden Ärztin. Viele Krankenhäuser haben eine eigene Beschwerdestelle eingerichtet. Häufig können die Anliegen schon vor Ort geklärt werden. 

Auch Ihre TK steht Ihnen zur Seite. Sollten Sie unsicher sein, ob bei Ihrer Behandlung alles richtig gelaufen ist, können Sie sich beim Wegweiser Behandlungsfehler helfen lassen. Hier können Sie mit Expertinnen und Experten Kontakt aufnehmen und gemeinsam klären, ob bei Ihnen ein Behandlungsfehler vorliegt.