Seit 2019 fragt die TK gezielt nach. Die zum Teil überraschenden Ergebnisse fasst der jährlich erscheinende TK-Monitor zusammen. 

"Patientensicherheit ist ein Thema, das die Mehrheit der Versicherten bewegt und an dem sie aktiv mitgestalten wollen", so Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK. "Insofern sehen wir den TK-Monitor als ein zentrales Instrument, um die Kultur der Patientensicherheit in Deutschland weiterzuentwickeln." 

Neben sogenannten Never Events, also vermeidbaren Behandlungsfehlern, standen in der TK-Befragung dieses Jahr Long COVID und die bestehenden Melde- und Berichtssysteme für Behandlungsfehler im Zentrum des Interesses.  

Never Events: vermeidbar, aber wahrscheinlich 

Das deutsche Gesundheitssystem gehört zu den besten der Welt. Trotzdem passieren auch hier Fehler. Allein bei der TK werden jährlich etwa 7.000 Behandlungsfehler aktenkundig, das entspricht weniger als 0,1 Prozent der Versicherten. Expertinnen und Experten schätzen, dass diese Zahl nur die Spitze des Eisberges darstellt und jedes Jahr möglicherweise etwa zwei Prozent der TK-Versicherten bei einer Behandlung zu Schaden kommen. 

Wie der TK-Monitor Patientensicherheit 2021 erneut bestätigen konnte, vermuten die Versicherten selbst ein noch viel höheres Risiko für sich selbst: Ein Viertel glaubt, selbst schon einmal einen Behandlungsfehler erfahren zu haben. Und knapp die Hälfte hält es für wahrscheinlich, selbst irgendwann durch eine Behandlung im Krankenhaus zu Schaden zu kommen. Die Grafik zeigt, welche Risiken dabei als besonders hoch eingeschätzt werden:

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Bedrohlichkeit nach Behandlungsart

Oft fehlen den betroffenen Patientinnen und Patienten Informationen. Werden sie optimal über mögliche Behandlungsrisiken aufgeklärt, können sie auch ihr individuelles Risiko realistischer einschätzen und mehr Vertrauen in die Behandlungssicherheit entwickeln. Deshalb unterstützt die TK zum Beispiel Projekte zum sogenannten Shared Decision Making, bei denen Patientinnen und Patienten partnerschaftlich in jede Therapieentscheidung einbezogen werden und auch ihr Erleben der Behandlung stärker Gehör findet.  

Fehler werden zu selten gemeldet und dokumentiert

Die Befragung deckt eine weitere gravierende Lücke auf: Nur 40 Prozent der Patientinnen und Patienten, die einen Behandlungsfehler vermuten, melden diesen weiter. Trotzdem sind 85 Prozent der Befragten fest davon überzeugt, dass alle gemeldeten Fälle sorgfältig dokumentiert und untersucht werden. Tatsächlich wird aber nur ein Bruchteil aller Behandlungsfehler dokumentiert. Noch weniger Fälle werden anschließend ausgewertet, um daraus Präventionsmaßnahmen für die Zukunft abzuleiten. 

Besonders in der ambulanten Versorgung können strukturierte Maßnahmen zur Fehlervermeidung das Vertrauen von Versicherten in die Behandlungssicherheit weiter stärken. Die TK setzt sich dafür ein, dass zukünftig sogenannte CIRS-Systeme (Critical Incident Reporting Systems) verbindlich genutzt werden. Über diese Plattformen können Fehler anonym gemeldet und anschließend analysiert werden. Die daraus entwickelten Verbesserungsvorschläge zur Patientensicherheit können von allen teilnehmenden medizinischen Institutionen eingesehen und genutzt werden.

Für mehr Sicherheit: Patientenbeteiligung?

Mehr als zwei Drittel der Befragten des TK-Monitors fühlen sich insgesamt gut informiert über das Thema Patientensicherheit und etwa drei Viertel der Befragten glauben, dass sie selbst viel dazu beitragen können, Behandlungsfehlern vorzubeugen. 

Hardy Müller, der TK-Beauftragte für Patientensicherheit , sieht hier eine große Aufgabe für die Zukunft: "Der Patient steht im Mittelpunkt! In einem patientenzentrierten Gesundheitssystem müssen die Erfahrungen der Versicherten daher eine entscheidende Rolle spielen. Dazu gehört auch, dass wir sie systematisch an Aktivitäten zum Ausbau der Patientensicherheit beteiligen."

Mit der Initiative "Speak up"  ermutigt die TK ihre Versicherten, schon ab dem ersten Kontakt mit medizinischem Fachpersonal klar und selbstbewusst Bedenken zu äußern und damit aktiv an ihrer eigenen Sicherheit mitzuwirken. Seit August 2020 können Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige ein eigenes Meldesystem nutzen: das Online-CIRS zu COVID 19. Neben Fehlermeldungen sind hier auch positive Fallbeispiele ausdrücklich erwünscht, denn so können die Best Practice-Beispiele flächendeckend Schule machen. Auf Basis der Meldungen erstellt die TK Handlungsempfehlungen und Informationsangebote für Versicherte. 

Der TK-Monitor Patientensicherheit

Im Auftrag der TK befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.000 Menschen aus einem bevölkerungsrepräsentativen Querschnitt der Erwachsenen in Deutschland. Die telefonischen Interviews haben jedes Jahr neue Schwerpunkte. 2020 lag der Fokus auf der Wahrnehmung von Gefährdungen und den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Weitere Informationen zu den Befragungsergebnissen finden Sie auch in der Übersichtsseite zum TK-Monitor . Den vollständigen Report können Sie hier downloaden:
TK-Monitor Patientensicherheit 2021 (PDF, 1,5 MB)