Die allergische Reaktion erfolgt nach einem Stich oder Biss in die Haut, entweder durch Insektengift (zum Beispiel Biene, Wespe, Hornisse, Hummel, Ameise) oder durch Speichelsekret (zum Beispiel Mücke, Bremse). Die Allergie tritt dabei nicht nach dem ersten Kontakt auf, sondern erfolgt erst bei einem erneuten Stich.

In Deutschland sind vor allem Allergien auf Wespen- und Bienengift bekannt. Wespen sind aggressiver als Bienen, sie stechen auch ohne Grund, während Bienen dies in der Regel nur bei Bedrohung tun. Bienen injizieren bei einem Stich mehr Gift als Wespen. Die Biene stirbt nach dem Stich, Hummeln und Wespen können mehrmals stechen.

Wie macht sich eine Insektengiftallergie bemerkbar?

Nach einem Stich treten heftige Schwellungen rund um die Einstichstelle auf, oft begleitet von starker allgemeiner Hautrötung. Im Extremfall kann es zum anaphylaktischen (allergischen) Schock kommen, dem unter anderem folgende Symptome vorausgehen können: Brennen und Jucken an Hand- und Fußflächen, im Rachenraum und an der Zunge, Atembeschwerden, Schwächegefühl und Hitzewallungen. Kommt es zu diesen Reaktionen, muss sofort eine Notfallbehandlung erfolgen, da es im Extremfall zu Herz-Kreislauf- und Atemstillstand kommen kann. Ihr Arzt wird Ihnen Verhaltensmaßregeln und Medikamente für einen solchen Notfall geben. Die Notfallausrüstung (vor allem der Adrenalin-Autoinjektor als Notfallspritze) sollte für Sie immer griffbereit sein.

Wie findet man heraus, gegen welche Insektengifte man allergisch ist?

Häufig ist nicht direkt bekannt, welches Insekt zugestochen hat. Die Diagnostik sollte möglichst in einer insektenarmen Zeit und frühestens einige Wochen nach der letzten Stichreaktion erfolgen. Mit Haut- und RAST-Test (Labortest, bei dem der IgE-Gehalt, die sogenannten spezifischen Antikörper, bestimmt wird) werden der Sensibilisierungsgrad und die Insektenart ermittelt.

Wie wird eine Insektengiftallergie behandelt?

Bei einer Insektengiftallergie ist die Hyposensibilisierung die Therapie der Wahl. Durch die Behandlung erhält der Insektengiftallergiker einen möglichst lang anhaltenden Schutz. Mit einer Rush- (Schnell-/Stoß-) beziehungsweise Ultra-Rush-Hyposensibilisierung wird durch eine schnelle Dosissteigerung eine rasche Verminderung der allergischen Reaktion erreicht. Dazu ist ein stationärer Aufenthalt in Fachkliniken notwendig. Anschließend wird die Therapie wie im klassischen Verfahren mit monatlichen Spritzen über mindestens drei Jahre fortgeführt. Die Hyposensibilisierung sorgt bei Insektengiftallergikern in bis nahezu 100 Prozent der Fälle für nachhaltigen Schutz. In Ausnahmefällen kann eine lebenslange Anwendung einer spezifischen Immuntherapie notwendig sein.

Wie kann man sich effektiv vor Insektenstichen schützen?

  • Vermeiden Sie rasche Bewegungen und schlagen Sie nicht nach Insekten.
  • Vermeiden Sie Parfum oder parfümierte Kosmetika.
  • Gehen Sie möglichst nicht in die Nähe von blühenden Blumen oder reifem Fallobst.
  • Lassen Sie beim Essen im Freien keine Süßigkeiten oder Fleisch liegen und trinken Sie nicht aus Flaschen oder Getränkedosen, decken Sie Trinkgläser ab.
  • Meiden Sie Abfallbehälter im Freien.
  • Vorsicht bei Gartenarbeiten! Bedecken Sie Ihren Körper, tragen Sie Handschuhe. Insektenrepellentien (lokaler Insektenschutz) bieten keinen ausreichenden Schutz.
  • Meiden Sie weite, fliegende Kleider, gelbe und dunkle Farben sowie farbige Blumenmuster.
  • Geben Sie speziell beim Sport im Freien acht, da durch den Schweißgeruch Insekten angezogen werden.
  • Gehen Sie nie barfuß, denn Bienen lieben Klee und viele Wespen leben im Boden. Tragen Sie geschlossene Schuhe.
  • Vermeiden Sie Erschütterungen von Bienenstöcken oder Wespennestern. In Notfällen, beispielsweise bei Nestern in der Wohnumgebung oder wenn Wespen ins Haus eindringen, können Naturschutzbehörden der jeweiligen Landkreise den richtigen Ansprechpartner benennen, da aus naturschutzrechtlichen Gründen nur zertifizierte Fachleute Umsiedlungen vornehmen dürfen.
  • Bringen Sie an den Fenstern ein Insektengitter an. Besonders an Tagen mit schwül-heißer Witterung können die Tiere vermehrt stechen.
  • Nehmen Sie immer Ihr Notfallset mit!

Wie reagiert man bei einem Bienen- oder Wespenangriff richtig?

Schützen Sie Ihren Kopf bei einem Bienen- oder Wespenangriff mit Armen oder Kleidung und ziehen Sie sich ohne Hektik zurück. Informieren Sie eventuelle Begleiter über Ihre Allergie und die möglichen Folgen bei einem Stichereignis. Werden Sie gestochen, sollte ein zurückbleibender Stachel (etwa der einer Biene) schnell, aber vorsichtig entfernt werden, damit sich der Giftapparat am Ende des Stachels nicht weiter entleert. Sofort nach dem Stich wird das verordnete Notfallset angewendet.