Die Bakterien bilden ein Zellgift (Enterotoxin), das im schlimmsten Fall zu zwar schmerzlosen, aber massiven wässrigen, "reiswasserartigen" Durchfällen und Erbrechen führt. Die Erkrankung kann ohne eine rasche Behandlung zum Tod durch Austrocknung führen. Bei vier von fünf Patienten verläuft sie glücklicherweise mit nur leichten Durchfällen. Etwa 90 Prozent aller Infizierten weisen keinerlei Symptome auf, scheiden die Bakterien jedoch mit dem Stuhl aus.

Brutstätte des Cholera-Erregers ist das indische Gangesdelta. Aber auch in anderen asiatischen, vor allem aber afrikanischen Ländern kommt Cholera immer häufiger vor. Unter schlechten Hygienebedingungen treten immer wieder Epidemien (Masseninfektionen) auf, denn die Erreger befinden sich im Trinkwasser, das mit Fäkalien verunreinigt wurde, oder auch in der Nahrung, zum Beispiel in Meerestieren. Die Gefahr für Reisende, an einer schweren Cholera zu erkranken, ist relativ gering. Betroffen sind vor allem unterernährte und bereits geschwächte, kranke Menschen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet von drei bis fünf Millionen Cholerainfektionen pro Jahr weltweit. Davon enden 100.000 bis 120.000 Fälle tödlich. Die Dunkelziffer ist vermutlich sehr hoch. Experten gehen von mehr als sechs Millionen Erkrankten jährlich mit mehr als 100.000 Todesfällen aus.

In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland nur sehr wenige Cholera-Erkrankungen gemeldet: Im Jahr 2010 gab es sechs Cholera-Fälle, im Jahr 2012 wurde gar kein Fall gemeldet.

Welche Beschwerden treten bei der Erkrankung auf?

Die mildere Verlaufsform der Cholera ist von einem normalen Reisedurchfall schwer zu unterscheiden. Bei der schweren Form treten starke, wässrige Durchfälle auf. Diese werden "Reiswasserdurchfälle" genannt, denn der Stuhl hat ein farbloses trübes Aussehen und enthält Schleimteilchen, ähnlich wie Reiswasser.

Begleitet sind die Durchfälle, die einen fischartigen Geruch aufweisen können, oft von Übelkeit und Erbrechen. Es kommt zu einem extremen Wasser- und Blutsalzverlust (bis zu 20 Liter pro Tag), der innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohlich werden kann. Eine beginnende Austrocknung (Exsikkose) äußert sich durch Blutdruckabfall, schnellen Puls, niedrige Körpertemperatur und eine stark verminderte Urinausscheidung.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Besteht der Verdacht auf Cholera, kann die Diagnose innerhalb von Stunden durch den Nachweis des Erregers im Stuhlabstrich gestellt werden. Unter dem Mikroskop kann man in der Stuhlprobe eines Cholera-Betroffenen in großer Anzahl das Stäbchenbakterium Vibrio Cholerae sehen, Auslöser der Cholera. Unabhängig vom Eintreffen des Ergebnisses wird aber schon bei Verdacht auf Cholera mit der Therapie begonnen und der Erkrankte sofort isoliert.

Laut Infektionsschutzgesetz in der Bundesrepublik Deutschland sind sowohl der Verdacht auf Cholera als auch die Erkrankung und der Tod durch Cholera mit Namen zu melden. Die Meldung übernimmt der behandelnde Arzt. 

Wie wird Cholera behandelt?

Entscheidend in der Behandlung der Cholera ist der schnelle Ausgleich des Wasser- und Mineralstoffverlustes. Meist ist es ausreichend, dass die Patienten sehr viel mineralstoff- und traubenzuckerhaltige Lösungen trinken. Die zu ersetzenden Substanzen müssen in schwereren Fällen jedoch über Infusionen in die Venen zum Ausgleich der Verluste zugeführt werden.

Der Verlust und der anschließende Ersatz von großen Mengen an Flüssigkeit und Mineralstoffen können den Kreislauf, das Herz und die Nieren stark belasten. Empfohlen wird daher eine stationäre Behandlung. Außerdem ist eine Isolation des Erkrankten erforderlich, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten.

Zusätzlich können Antibiotika (zum Beispiel Tetracykline, Ciprofloxacin, Cotrimoxazol) die Cholera-Bakterien bekämpfen und sie im Darm abtöten. Dennoch bleibt der Ausgleich des Flüssigkeitsmangels der wichtigste Punkt in der Behandlung der Cholera. Medikamente gegen Durchfall, die die Darmtätigkeit hemmen (zum Beispiel Loperamid), dürfen nicht eingenommen werden. Sie könnten dazu führen, dass die schädigenden Bakterien noch länger im Darm verweilen und sich weiter vermehren.

Wie ist die Prognose?

Wird die Cholera rechtzeitig behandelt und der Flüssigkeitsmangel schnell ausgeglichen, ist die Erkrankung gut zu beeinflussen und heilbar. Auch wenn die Cholera überstanden ist, kann der Betroffene noch Wochen danach mit dem Stuhl die Erreger ausscheiden. Meist sind es unterernährte und abwehrgeschwächte Menschen, die eine Infektion nicht überleben. Ohne eine ausreichende Therapie kann die Cholera bei bis zu 40 Prozent der Patienten zum Tod führen.

Wie lässt sich die Krankheit vermeiden?

Zum einen gibt es vor allem für Touristen eine Cholera-Schluckimpfung, die einen relativ guten Impfschutz für im Einzelfall bis zu drei Jahren bietet. Der Schutz beträgt jedoch nicht 100 Prozent, sodass auch geimpfte Menschen sich mit dem Erreger infizieren können. Dies erklärt, warum die Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung der Cholera unbedingt eingehalten werden sollten. In den gefährdeten Gebieten sind daher folgende Hygiene-Regeln zu beachten:

  • Vor und nach dem Essen immer die Hände waschen
  • Immer auf die Qualität des Essens und Trinkens achten
  • Nur abgekochtes Leitungswasser verwenden, auch zum Zähneputzen
  • Nur gut gekochte oder gebratene Speisen (zum Beispiel Fisch und Fleisch) oder Dosennahrung essen
  • Nur Obst und Gemüse essen, das man selbst schälen kann
  • Auf Eis, Eiswürfel und rohen Salat verzichten
  • Das Baden in Flüssen oder öffentlichen Schwimmbädern vermeiden