Wenn man zum Beispiel mit der Hand in eine Kerzenflamme fasst, empfindet man Schmerzen und zieht die Hand blitzschnell wieder weg. Das passiert reflexartig und meist, ohne dass man darüber nachdenken muss.

Abbildung 1: Schmerzweiterleitung im Körper

Die Hitze an der Hand wird von kleinen "Fühlern" (sogenannten Rezeptoren) wahrgenommen, die Temperatur, Druck und viele andere Reize erfassen und weiterleiten können (siehe Abbildung 1). Nervenfasern (in Abbildung 1: rot) verbinden die Rezeptoren mit dem Rückenmark.

Im Rückenmark laufen alle Nervenfasern des Körpers wie Kabelstränge zusammen bis zum Gehirn. Dort ist die "Schaltzentrale": Hier werden alle Impulse ausgewertet und entsprechende Befehle über das Rückenmark und die außerhalb des Rückenmarks liegenden Nervenfasern (in der Abbildung 1: blau) an die Muskeln oder Drüsen des Körpers gesendet.

Neben solchen zeitweilig auftretenden ("akuten") Schmerzen sind auch lang andauernde ("chronische") Schmerzen bekannt. Lang andauernde beziehungsweise ständig wiederkehrende Schmerzen können als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung auftreten, zum Beispiel bei Rheuma oder Gelenkverschleiß.

Es gibt jedoch auch Formen von chronischen Schmerzen, denen kein Schaden im Körper oder keine andere Grunderkrankung zugrunde liegt. Sie entstehen, weil das System der Schmerzentstehung, Schmerzweiterleitung oder Schmerzverarbeitung selber gestört ist und deshalb nicht mehr optimal arbeitet. Zu dieser Art von Schmerzen gehören die meisten Kopfschmerzformen. Die Schmerzen können in verschiedenen Kopfbereichen auftreten und einseitig oder beidseitig sein. An der Stirn, im Nacken, an den Schläfen, im Scheitelbereich, hinter den Augen oder am Hinterkopf können Kopfschmerzen vorkommen.

Wo kommen die Schmerzen im Kopf (Cephalgie) her?

Die häufigsten Kopfschmerzformen sind Spannungskopfschmerzen und Migräne. Obwohl viel in diesen Bereichen geforscht wurde, kennt man ihre Entstehung immer noch nicht ganz genau. Es gibt zwar Auslöser und begünstigende Faktoren für die Entstehung dieser Kopfschmerzen. Auslöser dürfen aber nicht mit Ursachen gleichgesetzt werden. Diese Kopfschmerzen können auch auftreten, ohne dass ein bestimmter Auslöser gefunden wird.

Da sie nicht als Folge einer anderen Krankheit oder Behandlung anzusehen sind, stellen sie selber eine behandlungswürdige Erkrankung dar und werden als "primäre Kopfschmerzen" bezeichnet. Bei diesen sogenannten primären Kopfschmerzen kann die Ursache nicht beseitigt werden. Die Behandlung besteht hier in einer schnellen und anhaltenden Schmerzlinderung.

Zu den primären Kopfschmerzerkrankungen zählen unter anderem Migräne, Spannungskopfschmerz und Clusterkopfschmerz.

Darüber hinaus gibt es Kopfschmerzen, die als Warnsignal auftreten, weil im Kopf oder im übrigen Körper ein Schaden entsteht oder entstanden ist. Da sie als Folge einer anderen Krankheit oder Behandlung anzusehen sind, werden sie auch als "sekundäre Kopfschmerzen" bezeichnet. So können etwa Bluthochdruck (Hypertonie) oder eine Hirnhautentzündung mit Kopfschmerzen einhergehen. Diese seltenen Kopfschmerzformen müssen gut beobachtet und in ihrer Ursache behandelt werden. Auch ein Sonnenstich, eine Grippe oder Flüssigkeitsmangel können "sekundäre Kopfschmerzen" nach sich ziehen.

Zu den "sekundären Kopfschmerzen" zählt auch der "Schmerzmittelkopfschmerz (= "Medikamentenkopfschmerz, medikamenteninduzierter Kopfschmerz, Entzugskopfschmerz"). Er kann bei Menschen auftreten, die Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen über lange Zeit und zu häufig einnehmen. Weiterhin zählt man auch Kopfschmerzen, die als Begleiterscheinung beispielsweise bei einer Erkältung oder nach übermäßigem Alkoholkonsum auftreten, zu den sekundären Kopfschmerzen. Auch Kopfschmerzen aufgrund von Augenerkrankungen, orthopädischen Erkrankungen oder Problemen mit Zähnen beziehungsweise Kiefer sowie (selten) Schmerzen als Folge von Verletzungen beziehungsweise Erkrankungen wie Blutgefäßveränderungen, Entzündungen, Hirntumoren gehören zu den sekundären Kopfschmerzen.

Sind Kopfschmerzen überhaupt eine Krankheit?

Wie oben beschrieben, ist akuter, vorübergehender Schmerz ein natürliches Warnsignal des Körpers. Er tritt bei einer Gesundheitsstörung auf und dient dem Organismus als Schutz. Allerdings beeinträchtigen lang anhaltende Schmerzzustände die Lebensqualität und können als eigenständige Schmerzkrankheit bezeichnet werden.

So hat sich zum Beispiel beim chronischen Kopfschmerz der Schmerz verselbstständigt. Er nimmt den Betroffenen ganz und gar in Beschlag. Dadurch wird das körperliche und seelische Gleichgewicht stark beeinträchtigt und ein Erledigen der alltäglichen Aufgaben ist oft unmöglich.

Beherzigen Sie, dass lang anhaltender Kopfschmerz eine Krankheit ist, die vom Arzt untersucht und von Arzt und Patient gemeinsam behandelt werden muss. Eine Selbstmedikation ist hier nicht angebracht.

Kann man Schmerzen messen?

Unsere Schmerzempfindung wird von vielen körperlichen und seelischen Eigenarten oder Umständen beeinflusst. Dementsprechend ist es schwierig, die Schmerzwahrnehmung und Intensität der Schmerzen eines Einzelnen so zu messen, dass man sie

  • mit Schmerzzuständen derselben Person an unterschiedlichen Tagen oder
  • mit der Schmerzwahrnehmung und -intensität anderer Betroffener vergleichen kann.

Dies liegt daran, dass Schmerzen nicht direkt durch Geräte gemessen werden können, sondern individuell wahrgenommen und beschrieben werden. Um trotzdem vergleichen zu können, hat man Fragebögen und Skalen (Messleisten) entwickelt, mit denen zum Beispiel Art, Dauer, Ort, Auslöser und Häufigkeit der Schmerzattacken erfasst werden können.

Für die Untersuchung und die erfolgreiche Behandlung von Kopfschmerzen sind so eine Schmerzdokumentation, und gegebenenfalls auch ein Schmerztagebuch, sehr hilfreich. Es erleichtert

  • die eigene Schmerzwahrnehmung. Rückblickend sind Angaben zu Schmerzdauer und -stärke häufig ungenau. Man erkennt oft erst durch die genaue Beobachtung und Dokumentation, dass die Schmerzen häufig nach bestimmten Tätigkeiten oder Mahlzeiten auftreten.
  • das Gespräch mit dem Arzt, für den es wichtig ist zu erfahren, welche Form von Kopfschmerz Sie haben. Er ist dabei auf Ihre möglichst genauen und gewissenhaften Angaben angewiesen.

Ein Kopfschmerztagebuch bekommen Sie beim Hausarzt oder Neurologen oder Sie laden es sich aus dem Internet herunter, zum Beispiel: