Zu den Aufgaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung gehört die alljährliche Veröffentlichung eines Berichtes zur Drogenproblematik in Deutschland.

Die Ergebnisse sind durchaus überraschend. Beispielsweise konsumierten, laut "Drogen- und Suchtbericht 2015“, jährlich über 200.000 Menschen illegale Drogen wie Opiate, Amphetamine und Kokain. Für den ebenfalls illegalen Suchtstoff Cannabis lag die Zahl der Menschen mit missbräuchlichem oder abhängigem Konsum hingegen bei etwa 600.000 Personen.

Das sind alarmierende Zahlen. Beunruhigend ist jedoch auch die Gruppe der Menschen mit abhängigem Gebrauch legaler, also "erlaubter" Substanzen. Laut aktuellen Zahlen gelten derzeit nämlich etwa 1,77 Millionen Menschen im Alter zwischen 18- und 64 Jahren als alkoholabhängig und 2,3 Millionen medikamentenabhängig. Weitere 4,61 Millionen zeigen einen entsprechenden Medikamenten-Missbrauch.

Suchtpotenzial haben etwa fünf bis sechs Prozent der häufig verordneten Medikamente. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel. Frauen sind besonders gefährdet, ungefähr 70 Prozent der Medikamentenabhängigen sind weiblich.

Die Abhängigkeit beginnt oft schleichend 

Eine Medikamentenabhängigkeit entsteht meist schleichend, leise und unauffällig. Wie bei anderen Süchten auch, spielen dabei vielfältige persönliche und soziale Faktoren eine wichtige Rolle.

Beispielsweise greifen viele Betroffene gerade nicht wegen eines Rauschzustandes zu Medikamenten. Vielmehr versuchen sie so, Beschwerden wie Schmerzen oder Schlafstörungen zu überwinden. Seltener kommt es vor, dass Abhängige von Drogen wie Alkohol, Heroin oder Kokain Arzneimittel verwenden, um Entzugssymptome zu "behandeln" oder die Drogen zu ersetzen.

Ein nicht zu unterschätzendes Suchtrisiko besitzen zudem die Appetitzügler. Diese Medikamente enthalten zum Beispiel Amphetamine und dessen Abkömmlinge. Diese hemmen den Appetit und wirken gleichzeitig aufputschend.

Selbst frei verkäufliche Medikamente wie einige Schmerzmittel sind nicht ohne Gefahr. Vor allem, wenn sie neben schmerzstillenden Substanzen anregend wirkendes Koffein enthalten. Insbesondere wenn Sie häufig Schmerzmittel einnehmen, um trotz andauernder und einschränkender Schmerzen leistungsfähig zu bleiben, tragen Sie ein erhöhtes Risiko für eine spätere Abhängigkeit. Experten empfehlen daher, freiverkäufliche Schmerzmittel nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht mehr als zehnmal im Monat zu verwenden. Bei anhaltenden Beschwerden ist ärztlicher Rat gefragt.

Frauen sind häufiger betroffen 

Mehr als zwei Drittel der Medikamentenabhängigen sind Frauen, vor allem mittleren und höheren Alters. Häufiger als Männer leiden Sie unter Depressionen, Schlaf- und Angststörungen sowie chronischen Schmerzen. Daher kommen Frauen auch häufiger mit Medikamenten in Kontakt, die abhängig machen können. Darüber hinaus greifen vor allem Frauen auf aktivierend wirkende Appetitzügler zurück, meistens um dem gesellschaftlichen Frauenbild oder Schönheitsidealen zu entsprechen.

Neben vielen anderen Faktoren erklären Rollenbild und Erziehung möglicherweise auch, weshalb Frauen generell häufiger Tabletten einnehmen. Besonders in psychisch belastenden Situationen verwenden sie lieber Medikamente, während Männer ihre Sorgen eher mit Alkohol bekämpfen.

Eine weitere Risikogruppe sind ältere Menschen. Insgesamt etwas mehr als die Hälfte aller jährlich verordneten Medikamente entfallen auf Menschen jenseits des 60. Lebensjahres. Viele Medikamente wirken bei ihnen anders als bei Jüngeren. Eine Substanzgruppe mit besonders hohem Abhängigkeitspotenzial sind die sogenannten Benzodiazepine. Das sind rezeptpflichtige Arzneimittel, die unter anderem angstlösend, schlaffördernd oder krampflösend wirken. Bei langfristigem Einsatz oder nicht ausreichend kontrollierter Anwendung drohen jedoch ernsthafte Nebenwirkungen wie Gewöhnung und Sucht. Untersuchungen haben zum Beispiel ergeben, dass etwa acht Prozent der über 70-jährigen Frauen dauerhaft Benzodiazepine verordnet bekommen. Insgesamt sollen, so eine andere Studie, fast ein Viertel der über 70-Jährigen - Männer und Frauen - psychoaktive Substanzen erhalten, die die meisten länger als ein halbes Jahr einnehmen.

Ein sorgfältiger Umgang mit dem Medikament

In manchen Situationen ist die Einnahme eines Medikaments mit Suchtpotenzial hilfreich. Doch sollten Betroffene das Risiko einer Abhängigkeit mit dem Arzt besprechen und nicht leichtfertig Dosierungen oder Häufigkeit der Anwendung verändern, ohne mit dem Arzt Rücksprache zu halten.

Tipp: Bei Schmerzen oder Schlafstörungen helfen mitunter auch andere Maßnahmen  wie Entspannungsübungen oder Training gegen Rückenschmerzen. Ihr Arzt berät Sie sicher gerne!

Warnsignale für Tablettenmissbrauch 

Ein Warnsignal für bereits bestehenden Tablettenmissbrauch ist, wenn Sie ein Mittel bereits vorausschauend einnehmen - beispielsweise, um bei einem wichtigen Termin Kopfschmerzen vorzubeugen. Eine Sucht äußert sich oft darin, dass Sie die Dosis immer weiter steigern und Sie Medikamente horten. Panik kommt auf, wenn keine Tabletten zur Verfügung stehen. Ein Warnzeichen für eine mögliche Abhängigkeit ist zudem, wenn Sie die Menge oder die Art der tatsächlich eingenommenen Medikamente vor anderen Menschen verbergen.

Für den Entzug ist ärztliche Hilfe nötig 

Wenn Sie derartige Anzeichen bei sich bemerken, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Auch Gesundheitszentren und Beratungsstellen können weiterhelfen. Die Medikamente sollten Sie jedoch auf keinen Fall ohne ärztliche Begleitung absetzen. Denn der Entzug kann heftige Wirkungen haben: Angstzustände, starke Schmerzen, Atemnot und Krämpfe. Daher sollte die Entwöhnung nach Möglichkeit in einer Klinik erfolgen.

Adressen von örtlichen Hilfeangeboten vermittelt die:

Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) e. V.

Westenwall 4

59065 Hamm

Telefon: 02381/9015-0, Fax: 02381/901530, E-Mail: info@dhs.de