Nach großen und vor allem fettreichen Mahlzeiten gibt die Gallenblase die gespeicherte Gallenflüssigkeit über den Gallengang in den Zwölffingerdarm (Duodenum) ab, um dort die Fettverdauung zu unterstützen.

Was sind die Ursachen für eine Gallenblasenentzündung?

In den meisten Fällen lösen Gallensteine eine Entzündung der Gallenblase aus. Gallensteine können die Mündungsstelle des Gallenganges verstopfen und den ungehinderten Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Dünndarm verhindern. So entsteht ein Rückstau in die Gallenblase.

Das hat Auswirkungen auf die Gallenblasenwand, zum einen mechanisch durch die Druckerhöhung und zum anderen chemisch durch die aufgestaute Gallenflüssigkeit. Keime, etwa Bakterien wie Streptokokken oder Klebsiellen, können sich dadurch leichter ansiedeln und eine Entzündung hervorrufen beziehungsweise verstärken.

Zu den selteneren Ursachen einer Gallenblasenentzündung gehören zum Beispiel größere Bauchoperationen, Entzündungen anderer innerer Organe, starke Verbrennungen oder ein schwerer Unfall.

Die Cholezystitis ist keine seltene Erkrankung, deren häufigste Ursache, Gallensteine, bei bis zu 20 Prozent der Bevölkerung vorkommen können. Davon sind Frauen mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Wie äußert sich eine Gallenblasenentzündung?

Grundsätzlich unterscheidet man bei der Cholezystitis die akute, das heißt plötzlich einsetzende, von einer chronischen beziehungsweise lang anhaltenden Entzündung.

Eine akute Gallenblasenentzündung macht sich in aller Regel durch rasch auftretende stechende, kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch bemerkbar, die mitunter bis in die rechte Schulter und auch in den Rücken ausstrahlen. Sie sind meist von Fieber und Schüttelfrost begleitet. Aus den zunächst kolikartigen Schmerzen entwickeln sich Dauerschmerzen im mittleren oder rechten Oberbauch, die länger als fünf oder sechs Stunden anhalten. Zu weiteren möglichen Symptomen zählen Erbrechen, eine Entfärbung des Stuhls oder auch eine leichte Gelbsucht.

Die chronische Entzündung kann sich durch dumpfe anhaltende oder auch an- und abschwellende (intervallartige) Schmerzen im rechten Oberbauch äußern. Daneben sind auch unspezifische Verdauungsbeschwerden möglich.

Was sind die Folgen einer Gallenblasenentzündung?

Eine unbehandelte akute Gallenblasenentzündung kann lebensgefährliche Folgen haben, da die Gallenblase einreißen (perforieren) kann, wobei sich die sehr aggressive Gallenflüssigkeit in die freie Bauchhöhle entleert. Eine schwere eitrige Entzündung des gesamten Bauchraumes (Peritonitis, Bauchfellentzündung) ist dann möglich.

Außerdem kann die Entzündung auf die Leber übergreifen und hier eine abgekapselte Entzündung (Leberabszess) auslösen. In manchen Fällen wandern Gallensteine bis in den Darm und rufen zum Beispiel einen Darmverschluss hervor. Zu weiteren möglichen Komplikationen gehören unter anderem eine sogenannte Gallenblasengangrän, bei der Gewebe der Gallenblasenwand abstirbt, oder eine Eiteransammlung in der Gallenblase (Gallenblasenempyem).

Die Komplikationen einer Gallenblasenentzündung können lebensbedrohlich werden. Wichtig ist eine frühzeitige Behandlung der Gallenblasenentzündung, dann ist die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen gering und die Entzündung der Gallenblase heilt in den meisten Fällen folgenlos aus.

Wiederkehrende Gallenblasenentzündungen erhöhen das Risiko, an Gallenblasenkrebs zu erkranken.

Wie wird eine Gallenblasenentzündung erkannt?

Zunächst befragt der Arzt den Patienten unter anderem ausführlich zu seinen Beschwerden. So geben typische Symptome wie kolikartige Schmerzen und Zunahme der Beschwerden nach dem Genuss fettreicher Mahlzeiten dem Arzt erste Hinweise auf eine Entzündung der Gallenblase.

Anschließend untersucht er den Betroffenen. Durch Abtasten des Oberbauchs kann der Arzt beispielsweise den Ort der Schmerzen genauer bestimmen. Weitere Untersuchungen folgen. Eine Blutanalyse etwa liefert Hinweise auf ein entzündliches Geschehen im Körper. Außerdem sind mitunter die Werte für die Gallenfarbstoffe (Bilirubin) und einige Leberenzyme erhöht.

Bei Verdacht auf eine Cholezystitis führt der Arzt eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauches durch. So lassen sich Gallensteine, eine verdickte Gallenblasenwand, eine möglicherweise perforierte Gallenblase oder Leberabszesse erkennen. Weitere mögliche bildgebende Methoden sind unter anderem eine Röntgenaufnahme des Bauchs oder eine Computertomografie.

Gallensteine im Gallengang lassen sich mit endoskopischen Verfahren nachweisen, zum Beispiel der Endoskopisch-Retrograden Cholangiografie (ERC). Gleichzeitig dient dieses Verfahren der Steinentfernung. Dabei schiebt der Untersucher ein Endoskop, bestehend aus einem Schlauch mit einer Kamera, über den Mund bis in den Zwölffingerdarm vor und spritzt ein Kontrastmittel in den einmündenden Gallengang. So kann er die Durchgängigkeit des Gallengangs auf dem Röntgenmonitor beurteilen.

Zu möglichen Risiken der Endoskopisch-Retrograden Cholangiografie zählen Verletzungen, Reizungen und Entzündungen der Schleimhäute von Speiseröhre, Magen und oberem Dünndarm. Außerdem können Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder des Gallengangs die Folge sein. Komplikationen sind insgesamt eher selten.

Wie wird eine Gallenblasenentzündung behandelt?

Grundsätzlich richtet sich die Therapie nach Ursache und Schwere der Cholezystitis. Eine Gallenblasenentzündung sollte im Krankenhaus behandelt werden. Dort erhält der Patient zum Beispiel Antibiotika, Schmerzmittel, krampflösende Mittel und zusätzliche Flüssigkeit durch Infusionen in eine Vene.

Bei leichten Koliken und/oder kleinen Steinen können die Patienten Medikamente erhalten, um die Steine zu lösen. Das Abwandern der Steine lässt sich aber auch durch einen kleinen endoskopischen Eingriff im Rahmen der oben beschriebenen Endoskopisch-Retrograden Cholangiografie erleichtern.

Operation bei akuter Gallenblasenentzündung

Liegt eine akute Gallenblasenentzündung vor, empfehlen Experten, den Betroffenen möglichst schnell zu operieren. In der Regel entfernt der Chirurg die gesamte Gallenblase (Cholezystektomie). Dies senkt auch das Risiko der Krebsentstehung bei einer chronischen Gallenblasenentzündung. Der Eingriff erfolgt heute oft mittels der sogenannten Knopflochchirurgie (laparoskopische Cholezystektomie). Dies ist im Allgemeinen ein schonender Eingriff, der kleine Narben hinterlässt und von dem sich der Patient relativ schnell erholt. Bei größeren Steinen, fortgeschrittener Entzündung oder Komplikationen gilt das herkömmliche Operationsverfahren unter Öffnung der Bauchdecke als sicherer. Für beide Operationsarten ist eine Vollnarkose nötig.

Welche Operationsform zum Tragen kommt und ob überhaupt operiert wird, hängt zudem von weiteren Faktoren wie Alter des Patienten oder Bestehen zusätzlicher Erkrankungen ab.

Welche Folgen hat die Entfernung der Gallenblase?

Das Fehlen der Gallenblase hat in der Regel nur geringe Nachteile, da die Gallenflüssigkeit ja weiterhin in der Leber produziert wird. Die Gallenflüssigkeit wird direkt von der Leber in den Zwölffingerdarm transportiert. Wegen der fehlenden Speichermöglichkeit leiden manche Patienten infolge der Operation nach sehr fetten oder stark gewürzten beziehungsweise angebratenen Speisen unter einem Völlegefühl im Oberbauch oder leichtem Durchfall. Daher sollten sie in den ersten Wochen auf fettarme und leicht bekömmliche Speisen achten. Diese Beschwerden verringern sich aber meistens innerhalb des ersten halben Jahres. Viele Patienten sind schon direkt nach dem Eingriff beschwerdefrei und können wieder alles essen. Eine spezielle Diät ist nicht notwendig.

Wie kann man einer Gallenblasenentzündung vorbeugen?

Einer Gallenblasenentzündung kann man indirekt vorbeugen, indem man durch eine entsprechende Lebensweise das Risiko für die Entstehung von Gallensteinen vermindert. Denn etwa 9 von zehn akuten Gallenblasenentzündungen werden durch Gallensteine verursacht.

Besonders wichtig ist dies für Menschen mit bereits bestehenden Steinen, die keine Beschwerden verursachen. Diese können manchmal kleiner werden oder sogar verschwinden, wenn man einige Regeln beachtet:

  • Meiden von Lebensmitteln mit hohem Gehalt an Cholesterin und tierischen Fetten
  • Vermeiden von Übergewicht
  • Verteilen mehrerer kleiner Mahlzeiten über den Tag, um die Gallenblase so zu entlasten

Es empfiehlt sich daher eine langfristige Ernährungsumstellung auf fettarme, ausgewogene Kost mit einem hohen Ballaststoffanteil. Durch die Aufnahme ausreichender Flüssigkeitsmengen (zwei bis drei Liter pro Tag) lässt sich dem Auskristallisieren der Gallenbestandteile vorbeugen. Unterstützend empfiehlt sich ausreichend körperliche Bewegung.

Auch Fastenkuren können das Risiko für Gallensteine und damit für eine Entzündung der Gallenblase erhöhen. Denn das Fasten und der rasche Gewichtsverlust übersättigen die Gallenflüssigkeit mit Cholesterin und fördern so die Steinbildung.