In Deutschland ist jeder zweite männliche Bürger übergewichtig und etwa jeder fünfte fettleibig. Bei Frauen sind die Zahlen etwas niedriger. Auch bei Kindern und Jugendlichen diagnostizieren Ärzte immer häufiger Übergewicht und Adipositas.

BMI und WHR: Wann ist das Gewicht zu hoch? 

Mit zwei Formeln können Sie selbst überprüfen, ob Ihr Gewicht und die Verteilung Ihres Körperfetts für Sie ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Der sogenannte Body-Mass-Index, kurz BMI, beschreibt das Verhältnis des Körpergewichts zur Körpergröße. Anhand des BMI teilt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Gewichtsklassen bei Erwachsenen wie folgt ein:

  • Untergewicht: BMI ≤ 18,5
  • Normalgewicht: BMI 18,5-24,9
  • Übergewicht: BMI ≥ 25
  • Adipositas: BMI ≥ 30
  • Adipositas Grad I: BMI 30-34,9
  • Adipositas Grad II: BMI 35-39,9
  • Extreme Adipositas Grad III: BMI ≥ 40

Berechnen Sie Ihren individuellen BMI mit dem BMI-Rechner der TK .

Neben dem Gewicht ist außerdem die Fettverteilung ausschlaggebend für Ihr individuelles Gesundheitsrisiko. Bauchfett, auch viszerales Fett genannt, setzt nämlich permanent krankmachende Botenstoffe frei. Diese können den Blutdruck erhöhen sowie Diabetes mellitus und Entzündungen auslösen. Ob Sie zu viel Bauchfett mit sich herumschleppen, können Sie ganz einfach herausfinden: Teilen Sie dazu Ihren Taillenumfang durch den Hüftumfang. Das Verhältnis Ihres Hüft- zum Taillenumfang, die sogenannte Waist-to-Hip-Ratio , kurz WHR, sollte bei Männern unter 1,0 liegen, bei Frauen unter 0,85. Die WHR steht auch in Beziehung zu Ihrem Figurtyp: Ein Wert unter der jeweiligen Grenze spricht für eine eher gesunde Birnenform, ein höherer für die eher ungesunde Apfelform.

Risikofaktoren

Übergewicht entsteht vor allem dann, wenn Sie täglich mehr Kalorien aufnehmen, als Sie verbrauchen. Faktoren, die sich negativ auf das Gewicht auswirken, sind unter anderem:

  • Lebensstil: Ist die Energiebilanz positiv, steigt auch Ihr Körpergewicht - das gilt besonders, wenn Sie viele süße, fette und alkoholische Speisen oder Getränke zu sich nehmen. Bewegen Sie sich wenig, nehmen Sie in der Regel ebenfalls zu. Schlafen Sie außerdem zu wenig oder schlecht und haben viel Stress, steigt Ihr Kortisolspiegel an und verlangsamt den Stoffwechsel. 
  • Erkrankungen: Stoffwechselerkrankungen, bei denen der Hormonhaushalt gestört ist, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion , können die Fetteinlagerung im Gewebe fördern. Psychische Erkrankungen wie Depression  oder Essstörungen wie Bulimie setzen oft das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl außer Kraft, sodass die Betroffenen zu viel essen.
  • Medikamente: Antidepressiva, Antiepileptika, Antidiabetika, Glukokortikoide, einige Kontrazeptiva sowie Betablocker können ebenfalls den Appetit steigern und begünstigen oft zusätzliche Wasser- und Fetteinlagerungen im Körper.
  • Andere: Sind Sie in Ihrer Mobilität eingeschränkt, haben gerade das Rauchen aufgegeben oder sind schwanger, kann das Ihr Körpergewicht ebenfalls nach oben treiben.

Folgen von Fettleibigkeit

Adipositas vermindert die Lebensqualität Betroffener oft sehr stark. Jedes überflüssige Pfund kann die Psyche belasten und die allgemeine Beweglichkeit beeinträchtigen. Selbst leichte körperliche Bewegung wirkt dann oft schweißtreibend und lässt den Puls und die Atemfrequenz in die Höhe schnellen. Betroffene stürzen außerdem häufiger und verletzen sich dabei schwerer. 

Übergewichtige leiden außerdem häufiger unter Schmerzen und müssen auch bei medizinischen Eingriffen häufiger mit Komplikationen rechnen. Besonders bei Männern ist zudem die Fruchtbarkeit vermindert. 

Mögliche Folge- und Begleiterscheinungen der Adipositas sind unter anderem:

Diagnose Fettleibigkeit

Basis für die Diagnose ist der individuelle BMI. Spätestens ab einem BMI über 30 ist eine Behandlung der Adipositas notwendig. Doch bereits bei Übergewicht mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 sollten Sie Ihren Arzt darauf ansprechen, insbesondere wenn Sie schon unter übergewichtsbedingten Erkrankungen leiden. Dies gilt besonders, wenn Ihre WHR über dem Grenzwert liegt und Sie zudem viel Fett- und wenig Muskelmasse besitzen. Letzteres kann Ihr Arzt durch eine sogenannte bioelektrische Impedanzanalyse, kurz BIA, bestimmen. 

Um weitere bestehende Erkrankungen oder Risikofaktoren zu erfassen, lässt Ihr Arzt eine Blutprobe im Labor analysieren. So kann er zum Beispiel abweichende Blutzucker-, Blutfett- oder Harnsäurewerte bestimmen und eine hormonelle Erkrankung ausschließen. Darüber hinaus misst er Ihren Blutdruck und lässt ein Elektrokardiogramm (EKG) schreiben, um zu prüfen, ob Sie eventuell unter einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden.

Ihr Arzt befragt Sie abschließend ausführlich zu Ihrem Bewegungs- und Essverhalten und bittet Sie gegebenenfalls, über mehrere Tage ein Ernährungsprotokoll zu führen. 

Individuelles Therapiekonzept

Ziel der Behandlung ist vor allem die langfristige Gewichtskontrolle. In der ersten Therapiephase erfolgt eine Gewichtsreduktion, in der zweiten Phase sollen Sie versuchen, das erreichte Gewicht zu halten. Welche Therapiebausteine für Sie optimal sind, wird Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen festlegen.

Kalorienreduktion

Ihr Arzt wird Ihnen in der Regel empfehlen, etwa 500 Kilokalorien täglich weniger aufzunehmen und zu Lebensmitteln zu greifen, die einen hohen Ballaststoffanteil haben sowie fett- und zuckerarm sind. Von einseitigen Diäten, Abführmitteln oder Appetitzüglern raten Experten hingegen ab. Führen Sie beispielsweise eine sogenannte Formula-Diät mit Eiweißshakes nur unter Aufsicht Ihres Arztes durch. Hilfreich ist eine individuelle Ernährungsberatung, bei der Sie Schritt für Schritt lernen können, zu gesünderen Alternativen zu greifen, ohne unter Hungergefühlen zu leiden. 

Gewichtsreduktionsprogramme

Gemeinsam und unter fachlicher Anleitung fällt es den meisten Betroffenen leichter abzunehmen. Ihr Arzt kann Ihnen ein qualifiziertes Programm in Ihrer Nähe empfehlen. Auch die TK bietet Ihnen vielfältige Unterstützung, zum Beispiel mit dem Online-Ernährungscoach .

Wichtig zu wissen:

Sind Sie schwanger oder stillen gerade ein Baby, ist eine Kalorienreduktion nicht empfehlenswert. Menschen mit Essstörungen wie Magersucht oder Ess-Brech-Sucht und schweren Allgemeinerkrankungen wenden sich am besten an einen Facharzt.

Bewegungstherapie

Körperliches Training ist ebenso notwendig wie die Kalorienreduktion. Beim Sport verbraucht Ihr Körper zusätzliche Kalorien und baut Stress ab. Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf Ihr Sättigungsgefühl aus und hilft Ihnen dabei, Körperfett abzubauen und Muskelmasse zu erhalten. Bei einer Diät ohne Bewegung wird dagegen verstärkt Eiweiß aus den Zellen abgebaut. Das führt zu unerwünschtem Muskelabbau.

Am wirksamsten sind leichte und zugleich gelenkschonende Ausdauersportarten wie Schwimmen, Wassergymnastik, Fahrradfahren, Walking und Wandern. Wenn Sie abnehmen wollen, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Sportart am besten für Sie geeignet ist. Bewegen Sie sich insgesamt etwa drei Stunden pro Woche und steigern Sie langsam die Intensität Ihrer Übungen .

Verhaltenstherapie

Dauerhaft das eigene Essverhalten zu ändern und die körperliche Aktivität zu steigern, kann eine enorme Herausforderung sein. Oft kämpfen Betroffene auch mit den psychischen Folgen ihrer Fettleibigkeit. Eine Verhaltenstherapie kann Ihnen auf Ihrem Weg zum Normalgewicht gute Hilfe bieten. 

Zu Beginn einer Verhaltenstherapie beobachten Sie Ihr eigenes Ess- und Trinkverhaltens, zum Beispiel mithilfe eines Ernährungstagebuchs. So erkennen Sie, in welchen Situationen Sie zu Schokoriegel, Softdrink & Co. greifen und warum. Danach können Sie gemeinsam mit Ihrem Therapeuten Strategien entwickeln, diese alten, ungesunden Gewohnheiten durch neue, gesündere zu ersetzen. 

Medikamentöse Therapie

Haben Sie einen BMI über 30 oder leiden Sie bereits bei einem BMI von 28 unter schwerwiegenden Begleiterkrankungen, kann Ihr Arzt Ihnen ein Präparat verschreiben, das etwa Ihr Sättigungsgefühl beeinflusst oder die Aufnahme von Fett aus der Nahrung senkt.

Chirurgische Therapie

Eine chirurgische Behandlung kommt meist nur in Betracht, wenn alle vorgenannten Therapieoptionen nicht zum Erfolg geführt haben und Sie außerdem unter Adipositas Grad III leiden. Meist bekommen Sie ein Magenband, auch Gastric Banding genannt, das das Magenvolumen erheblich verkleinert. Nach der OP fühlen Sie sich schneller gesättigt und essen automatisch weniger. Ein Magenband lässt sich je nach Bedarf und gewünschter Gewichtsreduktion anpassen.

Bei einem Magenbypass verkleinert der Chirurg den Magen ebenfalls. Er unterteilt diesen während der Operation durch eine Naht in einen kleinen Vormagen und einen ausgeschalteten Restmagen. Anschließend trennt der Operateur auch den Dünndarm vom Restmagen und verbindet ihn mit dem kleineren Teil des Magens. So tritt nicht nur das Sättigungsgefühl schneller ein, auch die Verdauung der Fette findet nicht mehr in vollem Ausmaß statt.

Eine Fettabsaugung, auch Liposuktion genannt, ist dagegen ein rein kosmetisches Verfahren, bei dem ein Operateur überschüssige Fettdepots entfernt. Sie muss daher in den allermeisten Fällen selbst bezahlt werden. 

Welches Verfahren für Sie am besten geeignet ist, wird Ihr Arzt individuell mit Ihnen besprechen. Wichtige Faktoren bei der Wahl sind vor allem BMI, Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen (Komorbiditäten). Auch Ihre Motivation und Ihre Bereitschaft, die zum Teil anstrengende Therapie aktiv und konsequent mitzutragen, spielen dabei eine Rolle.

Ihr Unterstützungsnetzwerk

Zum Erfolg Ihrer Adipositas-Therapie tragen Sie selbst in hohem Maße bei. Häufig ist es notwendig, das eigene Leben komplett umzukrempeln und tiefgreifende Maßnahmen sehr konsequent umzusetzen. Das ist nicht immer einfach und birgt viele Stolperfallen.

Weihen Sie daher auch Ihre Angehörigen und gute Freunde in Ihre Pläne ein. Sie können Ihnen bei Ihrem Vorhaben zur Seite stehen, indem sie ein offenes Ohr für Ihre Wünsche und Sorgen haben, gemeinsam mit Ihnen kochen, Sport treiben und Sie motivieren, durchzuhalten.

Rat und Unterstützung erhalten Sie beispielsweise bei Selbsthilfeorganisationen. Hier treffen Sie auf Gleichgesinnte, mit denen Sie sich austauschen können, und erhalten wertvolle Tipps für Ihren Alltag. Beispielsweise bei der AdipositasHilfe Deutschland e. V. oder dem Adipositasverband Deutschland e. V. finden Sie umfangreiche Informationen und Adressen von Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe.