Wie groß ist das Risiko, an Brustkrebs zu sterben?

Viele Frauen haben Angst vor Brustkrebs. Untersuchungen zeigen, dass sie das Risiko oft überschätzen. In Deutschland sterben seit Mitte der 1990er Jahre von Jahr zu Jahr weniger Frauen an Brustkrebs - ein Trend, der alle Altersgruppen betrifft, auch jene, für die kein Screening angeboten wird. Vermutlich führen die besseren Behandlungsmöglichkeiten zu einer Senkung der Sterberate (Katalanic, A. et al, 2009; Autier, Ph. et al., 2011).

Ob sich durch das Mammografie Screening die Brustkrebssterblichkeit in Deutschland weiter senken lässt, kann erst 2022 untersucht werden (Blettner, M. et al., 2012), wird sich aber vermutlich niemals wissenschaftlich klären lassen. Der Grund: Es gibt zu viele verschiedene Einflussfaktoren, zum Beispiel verbesserte Therapien.

Übrigens: Brustkrebs ist als Todesursache viel seltener, als in der Öffentlichkeit angenommen: Insgesamt sterben von 100 Frauen drei bis vier Frauen an Brustkrebs, aber 45 an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und 20 an anderen Krebsarten.

Mehr Diagnosen und mehr Therapien

Obgleich weniger Frauen inzwischen an Brustkrebs sterben, werden immer mehr Frauen mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert - vor allem in Ländern mit einem Screening-Programm. In Schweden und Norwegen verdoppelten sich seit Einführung der Reihenuntersuchungen die Brustkrebsdiagnosen und zwar dauerhaft. (Zahl, P. et al, 2004).

In den USA stieg innerhalb von 30 Jahren die Zahl der Krebsdiagnosen in frühem Stadium von 112 auf 234 je 100.000 Frauen an, wogegen die Zahl der Frauen, die Krebs im lebensbedrohlichen Endstadium hatten, durch das Screening nur geringfügig gesenkt werden konnte und zwar von 102 auf 94 Fälle pro 100.000 Frauen. (Bleyer, A. et al, 2012).

In Deutschland sind seit Einführung des Screening-Programms die Brustkrebsdiagnosen von 57.000 (2004) auf 74.000 Fälle (2008) gestiegen.

Experten erklären diesen Trend als Effekt der Früherkennungsmammografie, weil auch Krebsvorstufen und Brusttumoren entdeckt werden, die das Leben der Frau nie bedroht hätten. Trotzdem werden sie operativ, chemisch und mit Strahlen vorsorglich behandelt.

Studienergebnis: Mehr Brustkrebs durch Hormontherapie

Frauen, die in oder nach den Wechseljahren Östrogen-Gestagen-Präparate zu sich nehmen, haben ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Bei Diagnosestellung ist die Erkrankung auch häufiger weiter fortgeschritten und hat bereits Tochtergeschwülste, so genannte Metastasen, gebildet. Auch die mammografische Früherkennung ist erschwert. Die kombinierte Hormontherapie verdichtet das Brustgewebe, sodass die Röntgenbilder schlechter zu beurteilen sind. Deshalb kommt es fast doppelt so häufig zu einem falschen Alarm (Cheblowski, R. et al, 2003).

Aufgrund dieser Warnungen haben viele Frauen ihre Hormoneinnahme beendet. Parallel dazu nahm die Zahl der Brustkrebsfälle in vielen Ländern ab. Auch in Deutschland zeigte sich ein solcher Abwärtstrend, doch inzwischen steigen als  Folge der Einführung des flächendeckenden Screenings die Brustkrebsdiagnosen (Katalanic, A. et al., 2009; Ravdin, P. et al., 2007).

Wie viele Frauen erkranken an Brustkrebs?

Eine von neun Frauen erkrankt an Brustkrebs. Diese Information ist oft zu lesen. Sie stimmt, allerdings fehlt der Zusatz: falls die Frau 85 Jahre alt wird. Unter 40 Jahren ist dagegen nur eine von 250 Frauen von Brustkrebs betroffen und unter 50 Jahren eine von 60 Frauen.

Aktuelles Alter

An irgendeinem Krebs erkranken in den nächsten zehn Jahren je 1.000 Frauen

An Brustkrebs erkranken in den nächsten zehn Jahren je 1.000 Frauen

30 Jahre

93

 40 Jahre 

285

50 Jahre

6225

60 Jahre

9630

70 Jahre

13728

80 Jahre

180

26

Tabelle: Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e. V. und Robert Koch Institut 2008, Auswertungen von Katalanic, A.


Sie können aus dieser Tabelle herauslesen, welches Risiko Frauen in Deutschland im Durchschnitt haben, in den nächsten zehn Jahren die Diagnose Brustkrebs zu erhalten. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2004, in dem das Screening noch nicht flächendeckend eingeführt war.

Beispiel: Von 1.000 Frauen im Alter von 50 Jahren, die bisher nicht an Krebs erkrankt sind, werden in den nächsten zehn Jahren 62 irgendeine Krebsdiagnose erhalten, 25 davon eine Brustkrebsdiagnose.

Welche Formen von Brustkrebs werden unterschieden?

Eine frühe Diagnose kann für die Therapie und das Überleben der Frau von Vorteil sein, muss es aber nicht. Denn Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Manchmal hat ein sehr kleiner Tumor, der selbst mit der Mammografie noch nicht zu entdecken ist, bereits sogenannte Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet. Andererseits muss ein deutlich tastbarer Knoten noch nicht gestreut haben. Der Verlauf der Krankheit ist vielfach nicht vorhersehbar. Durchschnittlich 81 von 100 Brustkrebspatientinnen leben auch noch fünf Jahre nach der Diagnosestellung (Robert-Koch-Institut et al., 2008).

Der häufigste Typ von Brustkrebs ist das so genannte Ductale Karzinom, das sich in den Milchgängen bildet. Wenn sich die Krebszellen nur auf den Milchgang beschränken, spricht man von einem "Ductalen Carcinoma in situ“ (DCIS). Haben sich die Krebszellen über den Milchgang hinaus ausgebreitet, handelt es sich um ein invasives Karzinom. 

Mancher Brustkrebs wächst langsam. Solche Formen werden am häufigsten durch die Mammografie entdeckt. In der Regel ist die Prognose des Krankheitsverlaufs günstig.

Eine seltenere Form des Brustkrebses wächst schnell und streut schon sehr früh so genannte Tochtergeschwülste (Metastasen). Er wird häufig nicht durch die Mammografie - die nur eine Momentaufnahme ist - festgestellt, sondern tritt in der Zeit zwischen den Mammografien in Erscheinung. Der Krankheitsverlauf ist bei dieser Tumorform eher ungünstig.

Bei 20 bis 30 Prozent der Diagnosen handelt es sich um Vorstufen von Brustkrebs, zum Beispiel um "DCIS“, die sich in der Mammografie als so genannter "gruppierter Mikrokalk“ darstellen. Diese werden ausschließlich durch die Mammografie entdeckt, da sie im Normalfall nicht tastbar sind. Ob sich diese Vorstufen zu invasivem und lebensbedrohlichem Brustkrebs entwickeln, ist bisher schwer vorherzusagen. Das ist ein Dilemma. Deshalb raten Mediziner und Medizinerinnen vorsorglich zur Operation, gegebenenfalls zur Entfernung der Lymphknoten und zur Strahlentherapie. Möglicherweise wird die Frau erst durch die Therapie geschädigt und nicht durch das "DCIS“, das - wäre es unentdeckt geblieben - nie ihr Leben bedroht hätte (IARC, 2002; Bleyer, A. et al., 2012).