Was ist ein Rhinophym?

Das Rhinophym ist eine seltene fortschreitende und entstellende Erkrankung der äußeren Nase. Ursache ist eine Vergrößerung der Talgdrüsen (Talgdrüsen-Hyperplasie) der Unterhaut. Die oft knollenartig vergrößerte Nase hat dem Rhinophym im Volksmund die Bezeichnung Knollennase und den in vielen Fällen nicht gerechtfertigten Namen Säufernase eingebracht.

 

Ein Rhinophym kommt fast ausschließlich bei Männern im vierten und fünften Lebensjahrzehnt vor. Meist entsteht ein Rhinophym im Rahmen einer anderen Hauterkrankung, der Rosazea (Kupferfinne). Hierbei sind nicht nur die Talgdrüsen, sondern auch Bindegewebe und Blutgefäße der Haut betroffen.

 

Die Ursachen der Krankheit sind unklar, man geht davon aus, dass die erbliche Veranlagung eine gewisse Rolle spielt. Möglicherweise kommen weitere Auslöser wie eine Störung des Immunsystems, eine erhöhte Entzündungsbereitschaft der Haut, Gefäßveränderungen, Einwirkung von UV-Licht oder Bakterien hinzu.

 

Welche Erscheinungsformen kann ein Rhinophym haben?

Man unterscheidet verschiedene Formen des Rhinophyms:

  • Glanduläre Form: Hierbei ist die Nase knollenartig und sehr unregelmäßig vergrößert. Die Talgdrüsenöffnungen (Talgdrüsenfollikel) sind erweitert. Die Talgproduktion ist gesteigert (Seborrhoe). Auf Druck entleert sich ein weißes Sekret aus den Talgdrüsenöffnungen.
  • Fibröse Form: Bei dieser Form ist vornehmlich das Bindegewebe vermehrt.
  • Fibroangiomatöse Form: Im Vordergrund stehen eine Bindegewebsvermehrung, eine Erweiterung der Blutgefäße und eine Entzündung. Die Hautveränderungen zeigen sich mit einer kupfer- bis dunkelroten, stark vergrößerten Nase, häufig mit zahlreichen Pusteln. Außer der Nase können in seltenen Fällen auch das Kinn (Gnathophym), die Stirn (Metophym) oder die Ohrmuscheln (Otophym) betroffen sein. 

Welche Komplikationen sind beim Rhinophym möglich?

Vom medizinischen Standpunkt ist ein Rhinophym harmlos, es kann aber durchaus Atemprobleme mit sich bringen. Nicht zu unterschätzen ist allerdings die psychische Belastung, unter der viele Betroffene leiden. Die offensichtliche Hautkrankheit des Gesichts ist Ursache einer oft schwerwiegenden Minderung des Selbstwertgefühls.

 

Das Rhinophym wird fälschlicherweise oftmals mit übermäßigem Alkoholkonsum in Verbindung gebracht, sodass sich die Betroffenen immer wieder ungerechtfertigten Unterstellungen ausgesetzt sehen. Einige Patienten isolieren sich deshalb zunehmend und nehmen nicht mehr am sozialen Leben teil, was zur erheblichen Einschränkung ihrer Lebensqualität führt.

 

Wie wird ein Rhinophym festgestellt?

In der Regel stellt der Hautarzt die Diagnose anhand des typischen Hautbefundes sofort per Blickdiagnose.

 

In sehr seltenen Fällen kann ein Rhinophym anderen Hauterkrankungen ähneln, die der Arzt ausschließen muss. Dies sind vor allem Formen der Akne, Lupus erythematodes und Sarkoidose. Eine Gewebeprobe kann hier Klarheit verschaffen.

 

Wie wird ein Rhinophym behandelt?

Zur Behandlung eines Rhinophyms bieten sich verschiedene Möglichkeiten an, die in der Regel kombiniert zum Einsatz kommen. Die äußerlichen und innerlichen Behandlungsmöglichkeiten gehen meistens einer Rhinophym-Operation voraus. Sie haben zum Ziel, die Talgdrüsen zu verkleinern und damit die Operation zu erleichtern. Die Behandlung des eigentlich harmlosen Rhinophyms kann sich manchmal sehr langwierig gestalten.

 

Äußerliche Behandlung

Die äußerliche Behandlung des im Rahmen einer Rosazea auftretenden Rhinophyms erfolgt meist mit dem Schälmittel Azelainsäure oder dem Bakterien-abtötenden Medikament (Antibiotikum) Metronidazol. Alternativ können auch die Antibiotika Erythromyzin, Clindamyzin oder Tetrazyklin zum Einsatz kommen. Auch Zubereitungen, die Schwefel enthalten, können das Beschwerdebild bessern.

 

Wenn die Patienten ihre Erkrankung als kosmetisch stark störend empfinden, können abdeckende Maßnahmen Abhilfe schaffen. Einzelne störende, stark sichtbare Blutgefäße lassen sich mit einem Laser beseitigen.

 

Innerliche Behandlung

Innerlich verabreichte Antibiotika (vor allem aus der Gruppe der Tetrazykline) sind bei einer Rosazea mit Rhinophym meist rasch wirksam. Man muss hierbei allerdings beachten, dass diese Medikamentengruppe die Haut sehr lichtempfindlich macht (Fototoxizität). Außerdem kann die Einnahme der Makrolid-Antibiotika Erythromycin, Roxithromycin oder Clarithromycin die Symptome lindern. Manchmal wird auch Metronidazol innerlich eingesetzt.

 

Eine weitere, in vielen Fällen erfolgreiche innerliche Therapiemöglichkeit ist die Behandlung eines Rhinophyms mit Isotretinoin, einem Abkömmling der Vitamin-A-Säure. Diese Behandlung ist bei Patienten mit Rhinophym nicht zugelassen. Sie darf keinesfalls gleichzeitig mit der Einnahme von Tetrazyklinen erfolgen, außerdem muss bei Frauen gewährleistet sein, dass keine Schwangerschaft eintritt.

 

Operation

Bei der Operation (Dekortikation) trägt der Arzt das gesamte überschüssige Gewebe ab. Hierfür stehen verschiedene Methoden zur Verfügung (Skalpell, Fräsen/Dermabrasion, Elektrochirurgie, Kryochirurgie mit Flüssigstickstoff, CO2-Laser). Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose. Komplikationen treten bei diesen Eingriffen selten auf. Mögliche Risiken sind Blutungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen. Auch nur selten kommt es nach der Operation zu einer Narbenbildung.