Studenten

Wer als Werkstudent beschäftigt ist, zahlt für die Beschäftigung keine Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Lediglich für die Rentenversicherung fallen Beiträge an. Das gilt auch für den Arbeitgeber. Dafür gibt es aber einige Voraussetzungen.

Werkstudenten sind Studierende, die neben ihrem Vollzeitstudium bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind. Studenten können auch geringfügig beschäftigt sein. Dann gelten für sie die Regelungen für geringfügig Beschäftigte. Verdienen sie jedoch mehr als 450 Euro im Monat, kann ihr Arbeitgeber unter Umständen die Werkstudenten-Regel auf sie anwenden.

 

Die Werkstudenten-Regel

Die Werkstudenten-Regel besagt: Ist ein Student als Werkstudent beschäftigt, zahlen weder Student noch Arbeitgeber aus dieser Beschäftigung Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung - egal, wie hoch das Entgelt ist. Lediglich der Beitrag zur Rentenversicherung fällt an. Voraussetzung ist, dass der Werkstudent tatsächlich seinen Schwerpunkt auf das Studium legt und nur nebenher arbeitet. Deshalb ist die Anzahl der Wochenstunden für Werkstudenten grundsätzlich auf 20 Stunden pro Woche begrenzt. Es gibt allerdings Ausnahmen - siehe Abschnitt "20 Stunden pro Woche - oder mehr".

 

Wer kann Werkstudent sein?

Ein Werkstudent

  • muss an einer Hoch- oder Fachhochschule immatrikuliert oder in einer staatlich anerkannten Fachschule eingeschrieben sein,
  • muss in Vollzeit studieren,
  • darf über das Gesamtergebnis seiner Abschlussprüfung noch nicht schriftlich unterrichtet worden sein und
  • darf nur neben dem Studium arbeiten.
Beispiele
Sachverhalt Werkstudent - ja oder nein?
Immatrikuliert an Hochschule oder Fachhochschule in Deutschland ja
Immatrikuliert an Hochschule oder Fachhochschule im Ausland ja
Ausbildung an staatlich anerkannter Fachschuleja
Vollzeitstudium an der Fernuniversität Hagen, nur mit Nachweis des Vollzeitstudiumsja
Aufbau- oder Zusatzstudium, wenn es mit Hochschulprüfung abschließt, zum Beispiel Masterstudiumja
Student wiederholt Examen, um seine Noten zu verbessern - gilt nur, wenn die Prüfungsordnung dies vorsieht ja
Praxisphasen in einem dualen Studiengang, wenn der Student nicht gleichzeitig einen Ausbildungsberuf erlerntja
Beschäftigte, die ein Studium aufnehmen und dafür ihre Arbeitszeit auf maximal 20 Stunden pro Woche reduzieren - es sei denn, das Studium gehört direkt zur weiterhin ausgeübten Beschäftigungja
Student erstellt seine Diplomarbeit in dem Betrieb, in dem er auch beschäftigt istja
Studenten, die wegen eines Wechsels von einer Universität oder Fachhochschule zu einer anderen für einige Wochen nicht immatrikuliert sindja
Student unterbricht sein Studium, zum Beispiel Urlaubssemester nein
Teilnahme an einem Studienkollegnein
Studium als Gasthörernein
Promotionsstudium (Doktoranden)nein
Student erstellt seine Diplomarbeit im Betrieb, ohne dass er dort beschäftigt istnein
Studenten, die das Ergebnis ihrer Abschlussprüfung schon schriftlich erfahren habennein
Studenten, die in den Praxisphasen in einem dualen Studiengang in ihrem Betrieb einen Ausbildungsberuf erlernennein
Studenten, die mit einer kurzen Unterbrechung von einem Bachelor- zu einem Masterstudium wechselnnein

Haben Sie weitere Beispiele? Schicken Sie uns diese einfach zu.

 

20 Stunden pro Woche - oder mehr

Ein Werkstudent darf regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten, auch wenn er bei mehreren Arbeitgebern beschäftigt ist. Die Höhe des Arbeitsentgelts ist unerheblich.

 

Ausnahmen

  • Arbeiten in der vorlesungsfreien Zeit / in den Semesterferien: Übt der Student seine Dauerbeschäftigung ausschließlich in der vorlesungsfreien Zeit / in den Semesterferien aus, also vor allem nachts oder am Wochenende, können Sie ihn als Werkstudent einstufen, auch wenn er mehr als 20 Stunden arbeitet. Das gilt zum Beispiel für Nachtwachen oder Portiers.

    Übersicht Semesterferien öffnen
  • Mehrere Beschäftigungen im Laufe des Jahres: Übt ein Student im Laufe eines Jahres (nicht Kalenderjahres) mehrmals eine Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden aus, müssen Sie prüfen, ob er noch als ordentlicher Studierender oder bereits als Arbeitnehmer anzusehen ist. Von einer Arbeitnehmertätigkeit ist dann auszugehen, wenn der Student im Laufe eines Jahres mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) mehr als 20 Stunden wöchentlich beschäftigt ist.

Fast ein halbes Jahr lang sind mehr Stunden möglich

An insgesamt 181 Kalendertagen darf ein Werkstudent mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Das sind 25 Wochen und sechs Kalendertage. Arbeitet er 26 Wochen oder länger mehr als 20 Stunden pro Woche, müssen Sie ihn als versicherungspflichtigen Arbeitnehmer anmelden.

 

Um dies zu prüfen, rechnen Sie vom Ende des aktuellen befristeten Studentenjobs ein Jahr zurück. Dann rechnen Sie alle Beschäftigungen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden zusammen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Beschäftigungen bei demselben oder bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt wurden. Beachten Sie, dass vorgeschriebene Zwischenpraktika unberücksichtigt bleiben. Ergibt die Zusammenrechnung, dass insgesamt Beschäftigungszeiten von mehr als 26 Wochen vorliegen, besteht Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Diese Pflicht besteht ab dem ersten Tag der zu beurteilenden Beschäftigung oder aber von dem Zeitpunkt an, zu dem erkennbar ist, dass die 26-Wochen-Grenze überschritten wird.

 

Beispiel
BeschäftigungWochenstundenTage/Woche
01.03. bis 15.06.201725 Stunden5
01.11. bis 31.12.201618 Stunden5
01.07. bis 30.09.201625 Stunden5

 

Beurteilung:

Es handelt sich bei der Beschäftigung im Jahr 2017 nicht um eine kurzfristige Beschäftigung, da die Beschäftigungsdauer im laufenden Kalenderjahr mehr als drei Monate beträgt. Es besteht kein Werkstudentenprivileg, weil bei Aufnahme der befristeten Beschäftigung im Jahr 2017 absehbar ist, dass sie innerhalb des Jahreszeitraums (zurückgerechnet vom 15. Juni 2017) zusammen mit der anrechenbaren Vorbeschäftigung vom 1. Juli bis 30. September 2016 über einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen (182 Kalendertagen) im Umfang von mehr als 20 Stunden pro Woche ausgeübt werden wird; die Beschäftigung vom 1. November bis 31. Dezember 2016 wird nicht berücksichtigt, da der Umfang nicht mehr als 20 Wochenstunden betrug. Es besteht Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ab dem 1. März 2017.

 

Meldungen für Studenten

Auch für Studenten müssen Sie Meldungen erstellen. Für Werkstudenten geben Sie als Beitragsgruppenschlüssel "0100" an.

 

Für Studenten, die bei Ihnen gegen Entgelt beschäftigt sind, müssen Sie die üblichen Meldungen abgeben, also Anmeldung, Jahresmeldung, Abmeldung und gegebenenfalls Meldungen für geringfügig Beschäftigte.

 

Handelt es sich um Werkstudenten, die nur rentenversicherungspflichtig sind, geben Sie bitte den Beitragsgruppenschlüssel "0100" an.

 

Lohn- und Gehaltsunterlagen

Fügen Sie den Lohn- und Gehaltsunterlagen Nachweise bei, die belegen, dass der bei Ihnen beschäftigte Student tatsächlich als Werkstudent versicherungsfrei ist.

 

Als Nachweise dienen:

  • die Immatrikulationsbescheinigung,
  • Arbeitsverträge und Hinweise auf weitere Beschäftigungen. Lassen Sie sich, wenn nötig, vom Studenten schriftlich erklären, dass er keine weiteren Beschäftigungen parallel ausübt.
  • im Falle einer befristeten Beschäftigung der Arbeitsvertrag mit Beginn und Ende des Arbeitsverhältnisses in Ihrem Unternehmen.

Diese Unterlagen helfen Ihnen, bei einer Betriebsprüfung durch den Rentenversicherungsträger die Versicherungsfreiheit Ihres beschäftigten Studenten nachzuweisen.

 

Familienversicherung

Wer bisher als Student familienversichert ist und durch eine Beschäftigung oder ein bezahltes Praktikum mehr als 450 Euro im Monat verdient, verliert seinen Familienversicherungsschutz und muss sich selbst versichern. Viele Studenten wissen dies allerdings nicht. Und das kann unangenehme Folgen haben, wenn sie zum Arzt gehen und plötzlich selbst zahlen müssen. Auch für Studenten, die im Rahmen eines Praktikums Geld verdienen, entfällt die Familienversicherung.

 

Weisen Sie deshalb Ihre Studenten darauf hin, dass sie sich bei einem höheren Verdienst selbst versichern sollten, zum Beispiel in der studentischen Krankenversicherung bei der Techniker.

 

Übrigens: Stammt das Einkommen nicht aus einer Beschäftigung, sondern zum Beispiel aus Zinsen oder selbstständiger Tätigkeit des Studenten, darf es 425 Euro nicht überschreiten.

 

 

Mehr Informationen im Beratungsblatt

In unserem Beratungsblatt "Beschäftigung von Studenten und Praktikanten" (PDF, 145 KB) finden Sie diese und weitere Informationen mit anschaulichen Beispiele.