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Liebe Charlotte, nach der Geburt deines ersten Kindes, hast du zwei Fehlgeburten erlitten. Vielleicht kannst du einmal erzählen, was passiert ist?

Ich verwende den Begriff Fehlgeburt ungern. Denn es ist kein Fehler, wenn einem das passiert. Statistisch gesehen kommt es bei jeder siebten Schwangerschaft vor. Meine Erfahrung mit den beiden Schwangerschaften, die ich nicht zu Ende austragen durfte, waren sehr unterschiedlich.

Bei der ersten war es ein sogenannter spontaner Abgang. Es passierte völlig unvorhergesehen über Nacht in der zehnten Woche. Als mir im Krankenhaus sehr direkt und unsanft mitgeteilt wurde, dass "das Ding nicht mehr zu retten ist" wurde es per Not-OP behoben. Dazwischen lagen Wehen wie bei einer normalen Geburt nur leider keine, die zu einem Happy End beitrugen.

Das zweite Mal zog es sich über Wochen. Ich musste in der achten Woche feststellen, dass der Fötus sich nicht nach der Norm entwickelt, was erst einmal nichts Schlimmes bedeuten muss. Doch als sich dieser Zustand bis in die 13. Woche zog, mussten wir die Schwangerschaft schweren Herzens beenden.

Natürlich hätte man das auch bestimmt vorher machen können, aber man weiß ja nie und ich wollte bis zum Schluss kämpfen. Ich hätte nie gedacht, dass es nicht gut geht. Aber das war schon eine sehr harte Zeit. Ich weiß noch, ich hatte Fernsehauftritte, bei denen mein Stylist und ich überlegt hatten, wie man den doch schon sehr sichtbaren Bauch kaschieren konnte. Denn klar ist eine Schwangerschaft eine schöne Nachricht, aber nicht, wenn das Kind es wahrscheinlich nicht schafft.

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Charlotte Würdig - Moderatorin

Wie realisiert man diesen Schock. Kannst du deine Gefühle in der ersten Zeit danach beschreiben?

Ich glaube, dass das Realisieren beziehungsweise das Nicht-Wahrhaben-Wollen sehr lange dauern kann. Man muss sich eher damit abfinden. Denn ein "Zurück" gibt es definitiv nicht, es gibt nur den Weg nach vorn. Ich sage mit Absicht "Weg“ und nicht Flucht. Denn das Auseinandersetzen mit dem Verlust ist wichtig, um einigermaßen verstehen zu können, was da überhaupt mit einem passiert ist.

Ich persönlich habe mich leer und dunkel im Herzen gefühlt. Und wusste nicht, wohin mit mir. Mit wem spricht man über so etwas? Muss ich mich schämen? War es meine Schuld? Klar gab es meine Frauenärztin und sie war toll, aber es ist nicht ihre Aufgabe, mich wieder aufzubauen.

In meinem Freundes- und Familienkreis gab es viel Mitgefühl bis hin zu Mitleid. Es war schön, dass sie alle für mich da waren, aber ich wollte unbedingt aus diesem Loch raus und nicht dort verharren.  Deswegen war mir schnell klar, dass ich dieses Thema nicht totschweigen werde. Ich fand die Tabuisierung schrecklich und wollte beziehungsweise will immer noch, dass das ein Ende hat.

Es gibt keine Checkliste oder Musterlösung, um mit dem Erlebten fertig zu werden. Aber eins ist sicher: Wenn es dir passiert, schaffst du es, das auf deine Art und Weise zu verarbeiten.

Was hat dir damals geholfen, um diese Schicksalsschläge zu verarbeiten? Hast du Tipps für betroffene Frauen beziehungsweise Paare?

Reden, zuhören, austauschen und vor allem Geduld haben! Auch für die Männer ist es schwer, so etwas nachzuvollziehen, das kann ich gut verstehen und das sollten wir ihnen auch nicht abverlangen. Mein Tipp: Seid einfach für die Frau da und sprecht mit ihr darüber, wenn sie Redebedarf hat. Gebt ihr die Zeit. Wir Frauen haben zu dieser kleinen Seele eine Verbindung aufgebaut, denn sie ist in und mit uns gewachsen. Die betroffenen Frauen kann ich nur dazu ermutigen, sich Zeit zu lassen. Es gibt keine Checkliste oder Musterlösung, um mit dem Erlebten fertig zu werden. Aber eins ist sicher: Wenn es dir passiert, schaffst du es, das auf deine Art und Weise zu verarbeiten. Du bist stark genug dafür!

Was sollte sich in Bezug auf das Thema ändern? Was wünscht du dir von der Gesellschaft?

Mehr Aufklärung! Ich finde, es müsste in jedem Mutterpass eine Art Checkliste mit entsprechenden Punkten geben, die zu tun sind, wenn Blutungen oder Krämpfe auftauchen. Denn so kann man im Ernstfall schnell reagieren. Aber auch die Frauenärztinnen und -ärzte sollten sich bei der Feststellung einer Schwangerschaft ein paar Minuten Zeit nehmen, um Frauen besser aufzuklären. Denn wenn es so weit kommt, bricht Panik aus und dann brauchen wir Worte, an die wir uns erinnern können, um die Situation zu meistern und einen klaren Kopf zu bewahren.

Zudem wäre es wirklich toll, wenn wir ein neues Wort für Fehlgeburt finden könnten. Sternschwangerschaft fände ich viel treffender. Es ist sanfter und da der Begriff Sternenkinder bereits etabliert ist, weiß man sofort, was damit gemeint ist.

Zudem wäre es wirklich toll, wenn wir ein neues Wort für Fehlgeburt finden könnten. Sternschwangerschaft fände ich viel treffender.

Warum ist es so wichtig, über das Thema Fehlgeburt zu sprechen?

Damit wir wissen, wie wir uns verhalten müssen. Wir klären schließlich unsere Kinder auch auf, was in Notsituationen zu tun ist, weil wir wissen, dass es Leben retten kann. Warum hören wir damit im erwachsenen Alter auf?

Nach deinen Fehlgeburten hast du noch einen zweiten Sohn bekommen. Wie bist du mit deinen Ängsten während der Schwangerschaft umgegangen?

Die Zeit der Schwangerschaft hat sich dunkel angefühlt. Ich hatte viel Angst und mir fehlte das Vertrauen zu mir selbst. In meinem Fall habe ich mir jeden Tag ein Mittel gespritzt, das die Versorgung meines ungeborenen Kindes unterstützt hat. Mittlerweile weiß ich: Jede Schwangerschaft ist individuell. Ich habe durch den unermüdlichen Austausch mit Ärztinnen und Ärzten und Betroffenen gelernt, dass die vorangegangene Schwangerschaft in der Regel keinen Einfluss auf eine erneute hat. Es ist und bleibt einmalig, egal wie oft wir schwanger sind.

Ich hatte viel Angst und mir fehlte das Vertrauen zu mir selbst.

Wie geht es dir heute?

Mir geht es gut - danke. Ich habe das Erlebte mittlerweile gut verarbeitet. Manchmal denke ich allerdings daran zurück und werde sentimental. Aber dann denke ich mir ganz schnell, dass ja dann mein Zweitgeborener nicht da wäre! Also habe ich meinen Frieden damit gefunden. Ich sage mir immer: Eigentlich war er es die ganze Zeit, er hat eben nur drei Versuche gebraucht, bevor er endlich bei mir war. Das ist für mich ein schöner Gedanke und irgendwie auch ein Abschluss einer sehr turbulenten Zeit.

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