Brustkrebs ist mit jährlich fast 60.000 Neuerkrankungen in Deutschland die häufigste bösartige Krebserkrankung der Frau. Bei einem Teil der Patientinnen lässt sich eine Mastektomie nicht vermeiden.

Für die Frau bedeutet der Eingriff oft auch eine große psychische Belastung. Heute ist es jedoch möglich, durch die Wiederherstellung der Brust bereits während der Operation oder auch zu einem späteren Zeitpunkt ein gutes kosmetisches Ergebnis zu erzielen. Die rekonstruktive Chirurgie bietet inzwischen verschiedene Verfahren, die eine naturgetreue Nachbildung der Brust ermöglichen. 

Was sind die Gründe für eine Brustentfernung?

Die Entfernung der Brust aufgrund einer Brustkrebserkrankung wird immer dann empfohlen, wenn sie bessere Heilungs- und Überlebenschancen bietet als eine brusterhaltende Behandlung. Die Entscheidung darüber treffen der Arzt und die aufgeklärte Patientin in einer gemeinsamen Diskussion. Der behandelnde Arzt informiert vorher über alle Therapiemöglichkeiten und die Risiken der Operation.

Das Ziel brusterhaltender Behandlungskonzepte besteht darin, die Konsistenz und das Erscheinungsbild der Brust nach Möglichkeit zu erhalten, ohne die Chancen auf Heilung und das Leben der Patientin zu gefährden.

Ob eine brusterhaltende Operation möglich ist, hängt von zahlreichen technischen und biologischen Faktoren ab. Dank verbesserter Operationstechniken und neuer Medikamente können heute die meisten Brustkrebsoperationen brusterhaltend durchgeführt werden.

Die Brustentfernung (Mastektomie) wird erwogen, wenn die Patientin dieses Vorgehen nach eingehender Beratung vorzieht, oder wenn eine brusterhaltende Operation aufgrund der Art und Ausdehnung des Tumors nicht möglich oder nicht sinnvoll ist.  

Unter welchen Umständen kann die Brust vorbeugend entfernt werden?

Die vorbeugende Entfernung der Brust (prophylaktische Mastektomie) erfolgt, ohne dass ein Brustkrebs festgestellt wurde. Sie kann in folgenden sehr seltenen Fällen in Betracht gezogen werden: 

  • Extrem gehäuftes Auftreten von Brustkrebs in der Familie mit Nachweis von Brustkrebsgenen (BRCA 1 oder BRCA 2)
  • Auftreten von Brustkrebs in der anderen Brust 

Vor einem solchen Eingriff sollten ausführliche Gespräche in einer spezialisierten Tumorrisiko-Sprechstunde mit Gynäkologen, Humangenetikern und Psychologen stattfinden, um den Nutzen gegen die Risiken abzuwägen und sich anschließend sicher für oder gegen den Eingriff entscheiden zu können.

Die vorsorgliche Entfernung beider Brüste senkt das Risiko für eine Brustkrebserkrankung um über 95 Prozent und das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, um 90 Prozent. 

Frauen mit hohem familiärem Brustkrebsrisiko, die sich die Brüste nicht entfernen lassen, sollten an intensivierten Früherkennungsmaßnahmen teilnehmen. Dabei erfolgen ab dem 25. Lebensjahr oder fünf Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie alle sechs Monate eine Tastuntersuchung und eine Ultraschallunterschung der Brust sowie alle zwölf Monate eine Kernspintomografie der Brust, außerdem ab dem 30. Lebensjahr, bei hoher Brustdrüsendichte ab dem 35. Lebensjahr, eine Mammografie. 

Wie wird eine Brustentfernung durchgeführt?

Standard-Operationsverfahren zur Brustentfernung ist die modifiziert radikale Mastektomie. Bei dieser Operation entfernt der Chirurg die gesamte Brustdrüse und die sie umgebenden Bindegewebshüllen, bei Bedarf auch die Brustwarze sowie überschüssige Haut, falls sie nicht für eine nachfolgende Aufbauplastik benötigt werden.

Die Brustmuskulatur unterhalb der Drüse wird, wenn möglich, nur teilweise und nur dann entfernt, wenn der Tumor bereits in die Bindegewebshülle der Brustmuskulatur eingebrochen ist.

Bei Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind, ist auch die Entfernung des Wächter-Lymphknotens und/oder eventuell mehrerer Lymphknoten aus der Achselhöhle der betroffenen Seite Bestandteil der Operation. Die entnommenen Gewebe werden im Labor genau auf Krebszellen untersucht.

Noch in derselben Operation kann ein Wiederaufbau der Brust erfolgen. Wenn die Frau es wünscht oder wenn eine anschließende Strahlenbehandlung der Brust geplant ist, kann die Rekonstruktion auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Allgemeine Komplikationen der Operation sind Nachblutungen und Infektionen. Je nach Operationsverfahren können weitere Risiken wie Gefäß- und Nervenverletzungen hinzukommen.

Eine starke Narbenbildung kann zu Einschränkungen der Beweglichkeit führen oder kosmetisch störend sein. Auch können Behinderungen des Lymphstroms durch die Entfernung der Achsellymphknoten zu einer Schwellung des Armes führen.

Werden Kunststoffimplantate eingesetzt, kann sich eine derbe Bindegewebskapsel um das Implantat bilden. Dies kann zu einer schmerzhaften Spannung der rekonstruierten Brust führen, das kosmetische Ergebnis verändern und somit eine Entfernung beziehungsweise den Ersatz nötig machen. Gewisse Risiken der Muskel-Lappen-Rekonstruktion bestehen, wenn das Transplantat aufgrund unzureichender Blutversorgung nicht richtig einwächst.

Welche Möglichkeiten der Brustrekonstruktion gibt es?

Den Verlust des weiblichen Erscheinungsbildes durch die Behandlung empfinden viele Patientinnen als große psychische Belastung. Daher ist die Rekonstruktion der Brust nach der Mastektomie fester Bestandteil des Behandlungskonzeptes. Der Wiederaufbau der Brust kann sofort nach der Abnahme der Brust erfolgen oder auch zu einem späteren Zeitpunkt. Die Versicherungsträger übernehmen die Kosten dafür in voller Höhe.

Medizinische Einwände gegen eine solche Rekonstruktion gibt es nicht, denn die Heilungsraten werden durch den Eingriff nicht beeinflusst. Lediglich ein schlechter Allgemeinzustand oder eine Begleiterkrankung wie eine Herzerkrankung der Patientin können der zusätzlichen Operation im Wege stehen. Bei sehr weit fortgeschrittenem Tumorleiden ist es unter Umständen ebenfalls besser, auf die Aufbauoperation zu verzichten.

Brustrekonstruktion mit Implantaten

Zur Rekonstruktion verwendet man häufig Silikon-Implantante, seltener Kochsalz- oder Hydrogel-Implantate. Ist nach der Brustabnahme noch ein ausreichend großer Hautlappen vorhanden, kann der Arzt das Implantat direkt einsetzen. Andernfalls legt er zunächst eine vorläufige Expanderprothese unter die Haut. Diese wird dann über einen Zeitraum von mehreren Wochen nach und nach durch ein Ventil mit Kochsalzlösung aufgefüllt, um die Haut langsam zu dehnen. Anschließend setzt er in einem erneuten Eingriff die endgültige Prothese ein, die in Form und Größe der anderen Brust angepasst ist. Nach etwa zehn Jahren sollte das Implantat ausgetauscht werden.

Brustrekonstruktion mit Eigengewebe

In vielen Fällen ist auch eine Brustrekonstruktion mit körpereigenem Gewebe möglich. Eine andere Möglichkeit der Brustrekonstruktion besteht darin, das fehlende Brustgewebe durch körpereigene Haut-Muskel-Lappen aus dem großen Rückenmuskel oder vom Unterbauch zu ersetzen. Mit dieser Methode lassen sich, gegebenenfalls in Kombination mit Kunst-Implantaten, ästhetisch gute bis sehr gute Ergebnisse erzielen. Vorteile des Verfahrens sind, dass keine körperfremden Stoffe und meist keine weiteren Operationen zum Wechsel des Implantats nötig sind.

Rekonstruktion der Brustwarze

Die Rekonstruktion der Brustwarze und des Warzenhofs erfolgt erst nach zwei bis drei Monaten, wenn die endgültige Brustform erreicht ist. Der Eingriff kann ambulant in lokaler Betäubung erfolgen. Als Warzenersatz dienen dabei eine Hälfte der Warzenspitze der gesunden Brust oder ein Stück der Bauchhaut. Der Warzenhof lässt sich durch Tätowierung oder Hautverpflanzungen, zum Beispiel von der Oberschenkelinnenseite nachbilden.

Welches Rekonstruktionsverfahren im Einzelfall das Beste ist, hängt von der Größe der Brust, dem durch die Operation eingetretenen Gewebeverlust und den körperlichen Voraussetzungen der Frau ab. Kleinere Brüste können durch Implantation einer Silikonprothese oft gut nachgebildet werden, während bei größeren Brüsten mit der Muskel-Lappen-Rekonstruktion die besseren ästhetischen Resultate und Langzeitergebnisse erzielt werden. Nach einer Bestrahlung zieht man den Wiederaufbau mit körpereigenem Gewebe der Anwendung von Prothesen meist vor, weil bestrahltes Gewebe nur noch eingeschränkt dehn- und formbar ist.

Die Genesungsdauer hängt von der Operationsmethode ab. Bei unkompliziertem Heilungsverlauf dauert der stationäre Aufenthalt im Krankenhaus nach der Brustrekonstruktion einige Tage. Bis zur vollständigen Genesung vergehen einige Wochen.

Neben der Brustrekonstruktion besteht auch die Möglichkeit, Brustprothesen aus Kunststoff zu tragen, die in den Büstenhalter eingelegt werden.