Die Faustregel "1 von 18" gilt tatsächlich nur für Menschen, die 85 Jahre alt werden. Ihr eigenes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, können Sie nur im Zusammenhang mit Ihrem Lebensalter einschätzen. Allgemein gilt: Je älter Sie werden, desto höher ist Ihr Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Was Menschen oft fragen: Was bedeuten die Statistiken für mein Darmkrebsrisiko?

Statistiken sind Wahrscheinlichkeitsschätzungen. Ein Beispiel: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) erkranken in Deutschland durchschnittlich 72 von 100.000 Männern im Jahr an Darmkrebs. Was bedeutet das für mich? Bin ich einer der 72, oder gehöre ich zu den verbleibenden 99.928 von 100.000 Männern, die in diesem Jahr nicht Darmkrebs bekommen? Wenn man das Lebensalter mit betrachtet, zeigt sich: Von 100.000 deutschen Männern in Alter zwischen 80 und 85 Jahren erkranken etwa 539 an Darmkrebs. Aber von den 35-jährigen Männern erkranken nur knapp sieben von 100.000. Ob ich es bin, der in meiner Altersgruppe betroffen ist, kann keine Statistik sagen.

Ist Darmkrebs tödlich?

Der Darmkrebs ist laut Robert Koch-Institut (RKI) unter allen Krebserkrankungen die zweithäufigste Diagnose und auch die zweithäufigste Todesursache. Die Fortschritte in der Behandlung haben aber die Überlebenszeit vieler Darmkrebspatienten verlängert. Heute leben 600 von 1.000 Darmkrebspatienten nach der Diagnose noch länger als fünf Jahre.

In jedem Jahr sterben in Deutschland ungefähr 27.000 Menschen an Darmkrebs. Zum Vergleich: Etwa 61.000 Menschen sterben an einem akuten Herzinfarkt. Im Straßenverkehr sind es jährlich circa 5.000 Menschen. Dies geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Gesundheitsberichterstattung des Bundes hervor.

Darmkrebs in der Familie - welches Risiko habe ich?

Manche Menschen haben ein weitaus größeres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, als der Durchschnitt der Bevölkerung. Bei derartigen familiären Belastungen ist große Wachsamkeit geboten.

Darmkrebs "in der Familie"

Betroffen sind Menschen, deren Verwandte ersten Grades (zum Beispiel Vater, Schwester oder Sohn) an Darmkrebs erkrankt sind oder schon vor dem 50. Lebensjahr Polypen im Darm haben. Auch Menschen, die früher schon einmal Darmkrebs hatten, empfiehlt der Arzt, öfter zur Darmspiegelung zu gehen.

Bei einem erkrankten Verwandten ist das Risiko, selber Darmkrebs zu bekommen, verdoppelt. Ein Beispiel: Von 100.000 60-Jährigen ohne Darmkrebs in der Familie werden 215 krank. Aber von 100.000 60-Jährigen mit Darmkrebs in der Familie, werden 430 krank. Je mehr Verwandte erkranken und je jünger sie sind, desto höher ist das eigene Risiko.

"Vererbter" Darmkrebs

Ein besonders hohes Risiko haben Menschen, in deren Zellen eine Genveränderung vorkommt, die abgekürzt "FAP“ heißt. Gemeint ist die "familiäre adenomatöse Polyposis". FAP ist aber sehr selten. Bei ungefähr 10 von 1.000 Darmkrebspatienten geht die Erkrankung auf FAP zurück. Die Betroffenen haben sehr viele Polypen im Dickdarm und erkranken ziemlich früh an Darmkrebs, ungefähr 30 bis 40 Jahre früher als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Eine andere Genveränderung, die häufig Darmkrebs hervorruft, ist das "Lynch-Syndrom“, abgekürzt "HNPCC“. Genau genommen besteht es aus der krankhaften Veränderung mehrerer Gene. Diese Erbanlage ist schwer zu erkennen. In den betroffenen Familien sind oft mehrere Mitglieder an verschiedenen Krebsarten erkrankt, zum Beispiel im Magen oder in der Gebärmutter. Bei etwa 50 von 1.000 Darmkrebspatienten ist HNPCC die Ursache. Durchschnittlich 700 von 1.000 Betroffenen erkranken bis zum 65. Lebensjahr an Darmkrebs.

Andere Darmkrankheiten

Auch Patienten, die unter einer chronischen Entzündung des Dickdarms ("Colitis ulcerosa“) leiden, erkranken häufiger an Darmkrebs. Weil die Darmschleimhaut durch diese Krankheit ständig gereizt ist, entstehen hier auch leichter Adenome und Dickdarmkrebs. Nach zehn Jahren Colitis ulcerosa erkranken 20 von 1.000 der Patienten auch an Darmkrebs, nach 30 Jahren erkranken 180 von 1.000.

Patienten, deren gesamter Verdauungstrakt entzündet ist, also von der Speiseröhre über den Magen und die Därme bis zum Enddarm, leiden unter "Morbus Crohn". Auch sie haben durch die vielen Entzündungen und Reizungen der Darmschleimhaut ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Allerdings sind sich die Experten hier nicht einig. Grundsätzlich scheint Morbus Crohn das Darmkrebsrisiko der Betroffenen nur leicht zu erhöhen.