Über 300 gemeldete Krätze-Fälle in diesem Jahr im Vergleich zu elf im Jahr 2013 sowie deutlich gestiegene Verschreibungszahlen für Krätze-Mittel zeigen: Die Krätze, medizinisch Skabies genannt, ist auf dem Vormarsch.

Zuletzt häuften sich die Fälle in Nordrhein-Westfalen. Wie viele Menschen genau betroffen sind, ist allerdings unklar, da Krätze nicht meldepflichtig ist - es sei denn, sie tritt in Gemeinschaftseinrichtungen auf.

Wie steckt man sich mit Krätze an?

Am häufigsten erfolgt die Ansteckung mit der Krätze durch direkten körperlichen Kontakt mit einem Betroffenen. Aber auch über Kleidungsstücke, Bettwäsche oder Polstermöbel ist eine Ansteckung möglich.

Die Krätzmilben graben kleine Gänge in die Haut

Die befruchteten Milbenweibchen graben Gänge in die Haut und legen dort ihre Eier ab. Nach mehreren Wochen wachsen weitere geschlechtsreife Milben heran, die sich weiter vermehren können.

Begünstigende Faktoren

Begünstigend für ein Auftreten der Krätze sind schlechte hygienische Bedingungen und Einrichtungen wie Kindertagesstätten oder Gesundheitseinrichtungen, in denen viele Menschen auf engstem Raum zusammenkommen.

Welche Beschwerden macht die Erkrankung?

Der Befall mit Krätzmilben löst einen starken Juckreiz aus, insbesondere in Bettwärme. Es kann ein Ekzem mit geröteter Haut, Bläschen und Knötchen entstehen. Durch den starken Juckreiz kommen Kratzverletzungen hinzu. Typisch sind die Milbengänge, die man bei genauem Hinsehen mit bloßem Auge erkennen kann.

Die Fingerzwischenräume, Handgelenke, Achselhöhlen, der Brustbereich und der Genitalbereich sind besonders oft betroffen. Vor allem bei Kleinkindern tritt die Krätze häufig am behaarten Kopf auf.

Welche Komplikationen gibt es?

Gelegentlich kann es vor allem durch die kleinen Hautverletzungen zu einer sogenannten Superinfektion, das heißt zu einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien, kommen. Bei stark abwehrgeschwächten Menschen (zum Beispiel Patienten mit Blutkrebs oder AIDS) und bei Menschen, die unter sehr schlechten hygienischen Bedingungen leben, kann ein sehr ausgeprägter Hautbefall entstehen (Scabies norwegica). Die Besiedelung mit großen Massen an Milben führt zu einer tiefroten Hautverfärbung und Bildung grauer Schuppen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

In den meisten Fällen kann der Arzt die Diagnose durch den Hautbefund und das Erkennen der Milbengänge stellen. In Zweifelsfällen kann man die Milben auch unter dem Auflichtmikroskop nachweisen. Dazu wird abgeschabtes Hautmaterial der verdächtigen Hautbereiche mikroskopisch untersucht.

Wie behandelt man die Erkrankung?

Mittel, die die Milben abtöten (Antiskabiosa), wie Salben oder Emulsionen müssen an drei aufeinander folgenden Tagen aufgetragen werden. Am vierten Tag nehmen die Betroffenen dann ein Vollbad oder ein gründliches Duschbad. Die Wäsche sollte täglich gewechselt werden. Bei quälendem Juckreiz kann mit bestimmten Medikamenten, sogenannten Antihistaminika, Abhilfe geschaffen werden.

Was ist bei der Behandlung zu beachten?

Der Patient sollte auf jeden Fall seine Bettwäsche, Unterwäsche und Handtücher vor und nach der Behandlung wechseln. Außerdem sollte die Wäsche bei 95 Grad Celsius (Kochwäsche) gewaschen werden. Kleider und auch Stofftiere sollte man für mehrere Tage gründlich auslüften oder am besten für ein paar Tage in einem Plastiksack luftdicht verpacken.

Kontaktpersonen sollten mitbehandelt werden

Nahe Kontaktpersonen sollten immer mitbehandelt werden, auch wenn sie noch keine Symptome der Erkrankung zeigen, da zwischen der Infektion und dem sichtbaren Ausbruch der Krätze bis zu vier Wochen liegen können.

Welchen Verlauf nimmt die Krätze?

Bei fachgerechter Behandlung zeigt die Krätze meist einen guten Verlauf. Eine Therapie mit äußerlich angewendeten Lotionen erweist sich in mehr als 95 Prozent der Fälle als wirksam. Der Juckreiz, der für Krätze typisch ist, bleibt vielen Betroffenen aber noch einige Zeit nach der Behandlung erhalten.

Es können im Verlauf einer Krätze verschiedene Komplikationen auftreten. Dazu kommt es insbesondere dann, wenn die Erkrankten ihre Hygiene vernachlässigen. Dann kann eine zusätzliche Besiedlung der beschädigten Hautbereiche durch Bakterien zu schwerwiegenderen Krankheitsbildern führen. Als Beispiele sind die Wundrose (Erysipel) und im schlimmsten Fall die Blutvergiftung (Sepsis) zu nennen.

Wie kann man Krätze vorbeugen?

Um Krätze vorzubeugen, ist ein enger Hautkontakt mit Infizierten zu vermeiden, denn dies ist der häufigste Ansteckungsweg. Es ist wichtig, auf eine gründliche Körperhygiene zu achten.