Oft greifen Beschäftigte zu Medikamenten, um trotz Beschwerden leistungsfähig zu bleiben. Bei Führungskräften tut das mehr als jede:r Fünfte (21 Prozent), bei Beschäftigten ohne Führungsverantwortung sind es 16 Prozent.

Krank zu arbeiten, hilft niemandem

"Krank zu arbeiten, hilft niemandem", betont Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. "Wer sich aber z. B. mit einer leichten Erkältung fit fühlt, kann natürlich - gerade im Home-Office - noch im Einsatz sein. Wenn man aber wirklich krank ist, muss man sich auskurieren. Alles andere schadet den Beschäftigten und letztlich auch den Arbeitgebern. Verzögerte Genesung, eingeschränkte Leistungsfähigkeit, mehr Fehler und Unfälle - und angesteckte Kolleg:innen: Das sind nur einige der möglichen Folgen, wenn Beschäftigte krank zur Arbeit gehen."

Präsentismus auch im Home-Office

Mobiles Arbeiten senkt zwar Hürden für flexible Arbeit - kann aber gleichzeitig dazu verleiten, trotz Krankheit weiterzumachen:

  • 46 Prozent geben an, dass es im Home-Office häufiger vorkommt, dass sie arbeiten, obwohl sie sich krank fühlen.
  • 12 Prozent arbeiten dort häufig oder sehr häufig, obwohl sie krankgeschrieben sind.
  • 30 Prozent greifen im Home-Office häufig oder sehr häufig zu Medikamenten, um arbeiten zu können.

Warum Beschäftigte krank arbeiten

Gefragt nach den Gründen, nennen Beschäftigte vor allem:

  • fehlende Vertretung
  • die Einschätzung, dass die Krankheit nicht ansteckend sei
  • Rücksicht auf Kolleginnen und Kollegen ("niemandem zur Last fallen")
  • dringende Arbeiten oder Termine
  • Freude an der Arbeit

Alle 5 Gründe treffen für knapp 80 Prozent der Befragten zu. Präsentismus ist damit kein Randphänomen, sondern eng mit Arbeitsorganisation, Kultur und Führung verbunden.

Besonders belastet: Frauen und jüngere Beschäftigte

Nicht alle Beschäftigten sind gleich stark betroffen:

  • Frauen berichten häufiger von Arbeiten trotz Krankheit als Männer.
  • Führungskräfte sind stärker betroffen als Beschäftigte ohne Personalverantwortung.
  • Jüngere Beschäftigte gehen öfter krank zur Arbeit als ältere: 30 Prozent der unter 29-Jährigen geben an, häufig oder sehr häufig trotz Krankheit zu arbeiten.
    Bei Beschäftigten ab 60 Jahren trifft das nur auf 17 Prozent zu.
  • Auch befristet Beschäftigte und neu Eingestellte zeigen häufiger Präsentismus als "Alteingesessene".

Für Sie als Arbeitgeber bedeutet das: Bestimmte Gruppen brauchen besondere Aufmerksamkeit, klare Signale und gute Vertretungsregelungen.

Aufklärung ist Führungsaufgabe

"Die Befragung macht deutlich, dass sich viele Beschäftigte klare Ansagen und Regeln von ihren Führungskräften für den Krankheitsfall wünschen", so Baas. "Hier gibt es eindeutig Nachholbedarf. 65 Prozent der Befragten haben noch nie mit ihrem Arbeitgeber über das Thema gesprochen."  

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