Bei fortgeschrittenem Rheuma können alltägliche Dinge wie die Körperpflege, das Essen mit Messer und Gabel oder das Schließen von Knöpfen schwerfallen. Auch andere Beschwerden wie Schmerzen und Abgeschlagenheit können sehr belastend werden. Eine rheumatoide Arthritis schreitet meist über viele Jahre langsam voran.

Die gute Nachricht ist: Verschiedene Behandlungen können die Schmerzen lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder aufhalten. Die Arthritis möglichst früh zu erkennen und zu behandeln hilft, Gelenkschäden vorzubeugen.

Symptome 

Welche Gelenke von Rheuma betroffen sind und wie sich die Erkrankung äußert, ist unterschiedlich. Dies hängt davon ab, ob die Entzündungsreaktionen eher mild oder stark ausgeprägt sind und wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.

Die für Rheuma typischen Symptome sind:

  • warme, geschwollene und schmerzende Gelenke
  • steife Gelenke morgens nach dem Aufstehen. In der Regel werden sie erst nach über einer Stunde wieder beweglich.
  • Kraftlosigkeit: Da schmerzende, steife Gelenke oft weniger bewegt werden, können mit der Zeit auch die Muskeln schwächer werden.
  • Erschöpfung: Rheuma betrifft den ganzen Körper und führt daher oft zu Müdigkeit und allgemeinem Schwächegefühl.
  • Rheumaknoten: Wenn die Erkrankung fortschreitet, bilden sich manchmal kleine feste Knötchen unter der Haut. Sie sind meist unempfindlich gegenüber Druck oder Berührungen.

Meist entzünden sich auf beiden Seiten des Körpers die gleichen Gelenke.

Rheumatoide Arthritis wird manchmal mit Arthrose verwechselt. Arthrose unterscheidet sich aber in verschiedenen Punkten von Rheuma:

  • Arthrose ist durch den altersbedingten Abbau von Gelenkknorpel bedingt - nicht durch Entzündungen.
  • Bei Arthrose sind andere Gelenke zuerst betroffen als bei Rheuma.
  • Bei Arthrose besteht nach Pausen tagsüber oft ein Anlaufschmerz. Er kann immer wieder auftreten, hält aber nur kurz an.
  • Bei Arthrose schmerzen die Gelenke vor allem bei Bewegung, nicht in Ruhe.

Die beiden Erkrankungen verlaufen deutlich anders und werden auch unterschiedlich behandelt.

Ursachen 

Die rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem die Innenhaut der Gelenke angreift. Warum es zu dieser Autoimmunreaktion kommt, ist nicht genau bekannt.

Ob jemand eine rheumatoide Arthritis bekommt oder nicht, hängt unter anderem mit der familiären Veranlagung zusammen. Es gibt auch Theorien, nach denen Autoimmunreaktionen durch eine Infektion mit bestimmten Viren oder Bakterien ausgelöst werden können.

Rauchen trägt zur Entstehung einer rheumatoiden Arthritis bei und kann auch ihren Verlauf ungünstig beeinflussen.

Häufigkeit 

In Deutschland haben etwa 1 % aller Erwachsenen eine rheumatoide Arthritis. Meist entwickelt sich die Krankheit nach dem 50. Lebensjahr. Nur selten tritt die Erkrankung früher auf; dann manchmal auch schon im Jugendalter.

Frauen erkranken 2- bis 3-mal so häufig an Rheuma wie Männer, und im Durchschnitt etwa 10 Jahre früher. Zudem beeinträchtigt die Erkrankung Frauen oft stärker als Männer.

Verlauf 

In der Regel zeigt sich Rheuma zunächst an den Fingermittel-, Fingergrund- oder Zehengrundgelenken, manchmal auch an den Ellbogen, Knöcheln oder Knien. Auch rumpfnahe Gelenke können sich entzünden, zum Beispiel die Schultern oder das Schlüsselbein.

Bei manchen Menschen macht sich die Erkrankung zunächst eher durch allgemeine Beschwerden bemerkbar, zum Beispiel durch Müdigkeit oder Appetitlosigkeit, manchmal auch leichtes Fieber.

Eine rheumatoide Arthritis kann unterschiedlich verlaufen. So berichteten in einer Studie, an der Menschen mit rheumatoider Arthritis teilnahmen, zehn Jahre nach Beginn ihrer Erkrankung

  • knapp 50 % der Teilnehmenden von leichten Einschränkungen durch die rheumatoide Arthritis,
  • gut 40 % von mittelschweren Einschränkungen und
  • etwa 10 % von erheblichen Einschränkungen im Alltag.

Gemeint sind zum Beispiel Schwierigkeiten beim Aufstehen, Anziehen oder bei der Zubereitung von Essen, etwa beim Öffnen von Verpackungen, Flaschen oder Gläsern.

Die Beschwerden können mit der Zeit langsam zunehmen oder sich lange Zeit nicht verändern. Sie können aber auch in Schüben auftreten. Das heißt, dass Entzündung und Schmerzen plötzlich stärker werden und nach einiger Zeit wieder nachlassen. In Phasen mit starken Beschwerden oder bei weit fortgeschrittener Erkrankung kommt es manchmal zu einer tiefgehenden Erschöpfung (" Fatigue ").

Folgen 

Im Spätstadium kann eine rheumatoide Arthritis zu erheblichen Gelenkschäden führen. Insbesondere die Gelenke an den Händen können sich stark verformen, schwach und unbeweglich werden. Durch eine rechtzeitige Behandlung mit sogenannten krankheitsmodifizierenden Medikamenten und regelmäßige Kontrollen lassen sich solche Spätfolgen heute aber meist vermeiden.

Die Entzündungsprozesse können sich auch auf andere Bereiche des Körpers auswirken, zum Beispiel auf die Blutgefäße. Deshalb haben Menschen mit Rheuma zum Beispiel ein etwas höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieses Risiko hängt aber größtenteils von anderen Faktoren ab, wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und erhöhten Cholesterinwerten.

Auch die Tränen- oder Speicheldrüsen können sich entzünden und dann weniger Tränenflüssigkeit oder Speichel bilden. Sehr selten können Organe wie die Lunge, Leber oder Nieren beeinträchtigt werden.

Diagnose 

Um eine rheumatoide Arthritis festzustellen, fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach Beschwerden wie schmerzhaften Gelenken, Morgensteifigkeit und allgemeinen Symptomen wie Müdigkeit oder Erschöpfung. An das Gespräch schließen sich verschiedene Untersuchungen an:

  • körperliche Untersuchung: Die Ärztin oder der Arzt tastet die Gelenke ab und untersucht, ob sie geschwollen sind oder sich nicht richtig bewegen lassen. Wichtig ist, welche Gelenke entzündet sind und seit wann. Die Ärztin oder der Arzt schaut auch nach anderen Hinweisen für Rheuma, wie zum Beispiel entzündeten Tränendrüsen oder Rheumaknoten.
  • Blutuntersuchungen: Durch die Untersuchung einer Blutprobe lassen sich bestimmte Antikörper feststellen und Entzündungsreaktionen nachweisen.
  • bildgebende Untersuchungen: Im Röntgen- oder Ultraschallbild zeigen sich Veränderungen an den Gelenken.

Eine rheumatoide Arthritis frühzeitig festzustellen, kann schwierig sein, weil die Beschwerden in den ersten Wochen bis Monaten oft nur wenig ausgeprägt und nicht unbedingt typisch sind. Eine schon länger bestehende rheumatoide Arthritis ist leichter zu diagnostizieren, weil neben typischen körperlichen Symptomen oft bereits Veränderungen an den Gelenken sichtbar sind.

Bei einem Verdacht auf rheumatoide Arthritis sind Fachärztinnen und -ärzte für Rheumatologie gute Ansprechpersonen.

Behandlung 

Eine rheumatoide Arthritis kann mit Medikamenten, Physio- und Ergotherapie sowie psychologischen Verfahren behandelt werden. Manchmal wird auch eine Operation nötig. Zudem gibt es verschiedene Hilfsmittel, die bestimmte Alltagstätigkeiten erleichtern. Außerdem wird empfohlen, sich regelmäßig zu bewegen oder Sport zu treiben.

Welche Behandlungen infrage kommen, hängt unter anderem davon ab,

  • wie stark die Entzündung und die Beschwerden sind,
  • wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist,
  • wie ihr Verlauf eingeschätzt wird und
  • wie gut bisherige Behandlungen geholfen haben.

Heilen lässt sich Rheuma bislang nicht. Medikamente können aber

  • die Entzündung hemmen,
  • das Fortschreiten der Erkrankung verzögern,
  • Symptome wie Schmerzen und Schwellungen lindern und
  • die Gelenkfunktion verbessern oder möglichst lange erhalten.

Physiotherapie und Sport können die Beweglichkeit, Kraft und Gelenkfunktion verbessern oder erhalten. Gut eignen sich zum Beispiel Sportarten wie Radfahren, Walking, Tanzen, Gymnastik, leichtes Krafttraining, Schwimmen und Wassergymnastik.

In einer Ergotherapie geht es vor allem darum, die Beweglichkeit und Muskelkraft der Hände zu erhalten und zu lernen, im Alltag mit der Erkrankung zurechtzukommen.

Psychologische Verfahren können helfen, Schmerzen und Einschränkungen im alltäglichen Leben besser zu bewältigen. Außerdem sollen sie krankheitsbedingte Ängste und Depressionen lindern, mit denen manche Menschen zu tun haben.

Wenn Medikamente die Beschwerden nicht lindern und die Erkrankung weiter fortschreitet, wird manchmal die Gelenkinnenhaut (Synovia) operativ entfernt. Bei schweren Gelenkschäden infolge der rheumatoiden Arthritis kann eine Operation Schmerzen und Beschwerden lindern. Dann wird beispielsweise eine Gelenkprothese eingesetzt oder das Gelenk versteift (Arthrodese).

Bei einer fortgeschrittenen Arthritis können Hilfsmittel viele körperliche Einschränkungen ausgleichen und bei alltäglichen Tätigkeiten helfen. Dazu gehören zum Beispiel orthopädische Einlagen, Greifhilfen und speziell geformtes Besteck.

Selbstbestimmt leben mit Rheuma 

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Rehabilitation 

Wenn eine rheumatoide Arthritis über längere Zeit nicht in den Griff zu bekommen war, kommt eine Rehabilitation infrage. Sie soll dabei unterstützen, mit der Krankheit im Alltag besser zurechtzukommen und wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen. Berufstätigen soll sie helfen, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen - aber auch für Rentnerinnen und Rentner kommt eine Reha infrage. Ziel ist dann, ein möglichst selbstständiges Leben zu erhalten und Pflegebedürftigkeit vorzubeugen.

Bei einer Rehabilitation arbeiten verschiedene Fachkräfte zusammen, zum Beispiel aus Medizin (Rheumatologie), Physio- und Ergotherapie, Sozialarbeit und Psychologie. Eine Reha dauert in der Regel drei Wochen. Bei einer stationären Reha wohnt man während dieser Zeit in der Klinik. Bei einer ambulanten Reha wohnt man zu Hause und kommt tagsüber in die Klinik.

Je nachdem, welches Ziel eine Rehabilitation hat, trägt die Kosten die gesetzliche Renten-, Kranken- oder Unfallversicherung. Voraussetzung ist immer, dass eine Ärztin oder ein Arzt feststellt, dass eine Rehabilitation erforderlich ist, und der Reha-Antrag durch den Kostenträger genehmigt wird.

Leben und Alltag 

Rheuma und damit verbundene Probleme wie Schmerzen, Erschöpfung, Nebenwirkungen von Medikamenten und körperliche Einschränkungen können das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen.

Viele Menschen mit Rheuma benötigen für Alltagstätigkeiten mehr Zeit und müssen sich öfter und länger ausruhen als andere. Häufige Arztbesuche, die korrekte Einnahme von Medikamenten, das Besorgen von Hilfsmitteln - all das braucht viel Zeit. Die Erschöpfung kann außerdem dazu führen, dass Betroffene ein größeres Schlafbedürfnis haben, sich nicht so gut konzentrieren können und es ihnen schwerfällt, aktiv zu werden. Die Erkrankung kann mit Gefühlen wie Angst vor der Zukunft, Trauer über den Verlust körperlicher Fähigkeiten, aber auch Wut über die Erkrankung verbunden sein. Für andere ist das manchmal schwer nachvollziehbar.

Viele Menschen lernen aber dennoch, so mit der Erkrankung umzugehen, dass ihre Beschwerden in den Hintergrund rücken und trotz aller Einschränkungen ein erfülltes Leben möglich ist.