Bewegung ist ein Lebenselixier. Menschen haben sich seit Urzeiten immer bewegt. Erst in den letzten 50 Jahren hat die moderne Technik uns die körperliche Arbeit abgenommen. Wir beanspruchen unsere Muskeln weniger, ernähren uns kalorienreicher. "Die Muskulatur beeinflusst den ganzen Stoffwechsel und die Funktion vieler Organe. Eine Muskulatur, die beansprucht wird und leistungsfähig ist, hat einen entscheidenden Einfluss darauf, ob wir gesund sind oder nicht", betont Prof. Dr. Martin Halle, leitender ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin an der Technischen Universität München.

Bewegung ist Herzensangelegenheit

Das Herz ist wie ein Motor in einem Auto. Damit es gut versorgt wird und das sauerstoff- und nährstoffreiche Blut durch den Körper transportieren kann, benötigt der Herzmuskel selbst große Mengen an Nährstoffen und Sauerstoff. "Bewegung ist der Treibstoff, der den Motor auf Trab hält", erklärt der Internist, Kardiologe und Sportmediziner. 

So funk­tio­niert der Blut­kreis­lauf

Schon alltägliche Bewegungen wie Treppengehen, Radfahren oder Spazierergehen aktivieren unsere Muskulatur. Wer körperlich aktiv ist, atmet tiefer, der Körper wird besser durchblutet. Wer sich regelmäßig bewegt, trainiert seine Muskeln und Blutgefäße. Sie werden leistungsfähiger. Das Gleiche gilt auch für den Herzmuskel, der effizienter arbeitet und mit jedem Schlag mehr Blut durch den Körper pumpt.

Medikamente, Bewegung und gesunde Ernährung gehören zusammen

Gerade auch bei Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes sollte Bewegung wie eine angemessene Ernährung und Medikamente fest in der Therapie verankert sein. Doch genau wie bei Arzneimitteln ist es wichtig, individuell das Passende zu finden und richtig zu dosieren.

TK-Studie belegt: Sport ist auch bei schweren Erkrankungen eine gute Therapie

Gemeinsam mit dem Zentrum für Prävention und Sportmedizin an der TU München hat die TK in einer Langzeitstudie untersucht, wie sehr Herz- und Diabetes-Patienten, die über ein halbes Jahr intensiv angeleitet wurden, von regelmäßigem körperlichen Training profitierten. Die Untersuchung belegt, dass sich mit Sport überlebenswichtige Gesundheitsparameter wie Leistungsfähigkeit, Herzfrequenz und Insulinbedarf auch im höheren Lebensalter langfristig verbessern.

Folgen von Bewegungsmangel

Ist ein Herz nicht trainiert, muss es häufiger schlagen, um die gleiche Menge Blut zu transportieren wie ein trainiertes Herz. Muss das Herz auf Dauer vermehrt pumpen, altert es frühzeitig. Dies kann langfristig zu einer Vielzahl von Erkrankungen führen: Bluthochdruck, schwächere Immunabwehr, verstärkter Arterienverkalkung, Herzerkrankungen.

Warum entsteht eine Gefäß­ver­en­gung

Menschen mit einer Herzschwäche haben nicht nur einen geschwächten Herzmuskel. Das kranke Herz kann auch die Muskulatur nur schlecht versorgen. Sportliche Betätigung wird immer anstrengender. Weniger Bewegung wiederum schwächt die Muskeln. Die Folge: Der Kranke wird immer kraftloser. Die Gefäße verlieren ihre Elastizität und verhärten. Es lagert sich vermehrt Cholesterin ab, die Gefäße verengen sich, der Blutdruck steigt. Es besteht die Gefahr, dass sich die Arterien verschließen und es zu einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen in den Beinen kommt. Menschen, die rauchen, übergewichtig sind oder erhöhte Blutzuckerwerte haben, sind verstärkt gefährdet.

So entsteht ein Herz­in­farkt

Medikament ohne Risiken und Nebenwirkungen

Bewegung hat viele positive Effekte, die besonders wichtig für Menschen sind, die bereits unter Herzerkrankungen leiden. Was Bewegung vermag, kann kein Medikament:

  • Bei körperlicher Aktivität fließt das Blut schneller in den Gefäßen. Dieser physikalische Reiz führt dazu, dass sich der Stoffwechsel in den Gefäßwänden verändert. Wer regelmäßig trainiert, kann erreichen, dass Gefäße wieder elastischer werden. Außerdem werden die Gefäßablagerungen stabilisiert. So kann man verhindern, dass die Gefäße verschließen und es zu einem lebensbedrohlichen Herzinfarkt kommt.
  • Bei Menschen, die sich regelmäßig bewegen, ändert sich die Zusammensetzung des Blutes. Die Menge an HDL-Cholesterin nimmt zu. Dieses nimmt die schädlichen LDL-Cholesterinablagerungen auf und transportiert sie ab.
  • Das Schlagvolumen des Herzens steigt. Das heißt, pro Herzschlag wird mehr Blut durch den Körper gepumpt. Puls und Blutdruck sinken.
  • Auch der Blutzuckerspiegel wird positiv beeinflusst. Wird der Körper regelmäßig gefordert, verbessert sich der Transport von Glucose in die Zellen. Insbesondere die Muskelzellen reagieren empfindlicher auf Insulin. Die Folge: Der Körper braucht weniger Insulin. Das ist auch hilfreich, wenn man abnehmen will, denn bei einem niedrigen Insulinspiegel kann der Körper besser Fett verbrennen.
  • Selbst wenn Sie erst nach einem Herzinfarkt mit einem körperlichen Training beginnen, kann sich die Herzerkrankung deutlich bessern. Sie werden leistungsfähiger, senken das Risiko für einen erneuten Infarkt, vermeiden erneute Krankenhausaufenthalte. Die Lebensqualität steigt.

So wirkt Bewe­gung auf das Herz