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Herr Fischer, warum fallen so viele Kinder durch die Fahrradprüfung?

Nach meiner zwanzigjährigen Erfahrung als Verkehrslehrer kann ich sagen, dass Kinder heute schlechter Fahrrad fahren als früher. Die motorischen Fähigkeiten haben nachgelassen. Sie beherrschen das Fahrrad nicht sicher und können etwa im Übungsparcours keine Hindernisse umfahren, weil sie die Spur nicht halten können. Viele sind nicht in der Lage, einhändig zu fahren, was aber notwendig ist, wenn man beispielsweise ein Handzeichen geben möchte. Auch der Schulterblick beim Abbiegen fällt vielen Kindern schwer: Beim Umschauen schwenken sie oft in die gleiche Richtung auf der Fahrbahn aus. Das ist hochgefährlich. 

Woran liegt es, dass Kinder heute schlechter Rad fahren? 

Es fehlt ihnen an Übung auf dem Rad. Ihre Eltern fahren zu selten mit ihnen oder können selbst schlecht oder gar nicht Fahrrad fahren. Das ist problematisch: Denn die Eltern sind die eigentlichen Verkehrserzieher, wir als Verkehrslehrer sind nur das Sahnehäubchen. Einige Eltern überschätzen auch die Fähigkeiten ihrer Kinder. Es reicht eben nicht aus, geradeaus fahren zu können. Kinder müssen das Fahrrad beherrschen und auch die grundlegenden Verkehrsregeln kennen. Zusätzlich müssen sie mit dem Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer rechnen und dementsprechend reagieren. Das ist sehr anspruchsvoll. 

Wie viel können Verkehrslehrer ausrichten, wenn Grundschüler noch blutige Anfänger sind? 

Wir haben nur bedingt Zeit zum Üben. Und ich kann nur die Kinder raus aus dem Schonbereich und mit auf die Straße nehmen, die bereits sicher auf dem Rad sind. Als Verkehrslehrer muss man etwa sieben Kinder beaufsichtigen und hat nur ein Elternteil dabei, das zusätzlich absichert. Für einige Kinder bricht eine Welt zusammen, wenn sie nicht mitkommen dürfen - oder dann, wenn sie ihren Fahrradführerschein in der vierten Klasse nicht bestehen. 

Mit dem Fahrrad zur Schule

Ab wann Kinder allein mit Fahrrad zur Schule fahren dürfen, ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Diese Entscheidung liegt letztlich bei den Eltern. Die Polizei empfiehlt bis zur Fahrradprüfung in der Grundschule abzuwarten, bevor die Kinder den Weg alleine antreten. 

Fehlt es Kindern prinzipiell an Bewegung? 

Ja, viele Kinder heutzutage haben Probleme mit Motorik und Gleichgewicht, vor allem weil sie sich zu wenig bewegen. Früher hat man mehr Zeit draußen verbracht und die Eltern waren nicht so übervorsichtig wie heute. Heute fahren viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis vor die Schultür. Viel sinnvoller wäre es, Bewegung in den Alltag zu integrieren, sie also zum Beispiel zu Fuß in die Schule gehen zu lassen. 

Die Corona-Pandemie hat diese negative Entwicklung vermutlich verstärkt?

Ja, Schüler bewegen sich aufgrund der Corona-Beschränkungen immer weniger. Außerdem dürfen Verkehrslehrer nicht mehr an die Schulen kommen. Fahrradprüfungen und die motorischen Übungsparcours der Verkehrswacht finden während des Lockdowns nicht statt. 

Wäre mehr Verkehrsunterricht an den Grundschulen eine Lösung? 

In Hamburg sind wir vorbildlich: Wir haben Verkehrsunterricht von der Vorschule bis zur vierten Klasse. Das beinhaltet Fußgänger- und Radfahrertraining. Doch das ist nicht bundesweit der Fall. Der Unterricht sollte überall intensiviert und ausgebaut werden. Wegen des Personalmangels bei der Polizei haben wir aber leider keine Kapazitäten, um die notwendigen Nachschulungen anbieten zu können.

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Momentan liegt also die Hauptverantwortung bei den Eltern. In welchem Alter sollten Kinder Radfahren lernen? 

Eltern sollten ihren Nachwuchs bereits im Kindergartenalter ans Radfahren heranführen : mit einem Laufrad (ohne Stützräder) oder Roller - und zwar in einem Schonbereich ohne Verkehr. Dabei üben die Kinder das Gleichgewicht zu halten und bereiten sich schon auf den Umstieg aufs Fahrrad vor. 

Worauf sollte man beim Fahrradkauf für Kinder achten? 

Viele Eltern sparen am falschen Ende und kaufen Kinderfahrräder "auf Zuwachs". Dabei ist die richtige Größe des Fahrrads entscheidend, damit das Kind es sicher beherrschen kann. 

Besser: Ein gebrauchtes, aber dafür passendes Rad kaufen. Übrigens: Lenkerhörnchen sollten außerdem vermieden werden. Die Reaktionszeit der Kinder ist länger als bei Erwachsenen. Müssen sie beim Bremsen erst umgreifen, ist das ein unnötiges Risiko! 

Wie unterstützen Eltern ihre Kinder beim Radfahren lernen am besten? 

Sie sollten gemeinsam mit ihrem Kind eine sichere Verkehrsteilnahme üben, beispielsweise indem sie es beim gemeinsamen Radeln vorweg fahren lassen. So lernt das Kind - unter Aufsicht - verschiedene Situationen im Straßenverkehr eigenständig einzuschätzen.