Was ist ein Oberschenkelhalsbruch?

Unter einem Oberschenkelhalsbruch versteht man einen Knochenbruch, der unterhalb des Hüftkopfes im Bereich des Oberschenkelhalses auftritt. Der Fachausdruck für Oberschenkelhalsbruch lautet Schenkelhalsfraktur oder Femurhalsfraktur.

 

Typischerweise kommt ein Schenkelhalsbruch bei älteren Menschen vor, da es mit zunehmendem Alter auch im Bereich des Oberschenkelhalses zu einer Abnahme der Knochendichte kommt. Häufige Ursachen sind die Osteoporose (Knochenschwund) und Stürze.

 

Die zunehmende Lebenserwartung der Bevölkerung führt somit auch zu einer Zunahme der Schenkelhalsbrüche. Ab dem 60. Lebensjahr nimmt die Häufigkeit von Oberschenkelhalsfrakturen zu. Vor allem Frauen sind betroffen. Jedes Jahr kommt es bei 600 bis 900 von 100.000 über 65-Jährigen zu einem Schenkelhalsbruch. Auch Männer und jüngere Menschen können, zum Beispiel als Folge eines Verkehrsunfalls, einen Oberschenkelhalsbruch erleiden. Bei über 65-jährigen Patienten ist die Schenkelhalsfraktur die häufigste Diagnose für eine Krankenhauseinweisung.

 

Der Schenkelhalsbruch entsteht meist infolge eines Sturzes auf den Oberschenkel oder die Hüfte. Außerdem kann Stolpern (zum Beispiel über einen Teppich) ein Verdrehen des Beins bewirken und bei Patienten mit Osteoporose zum Oberschenkelhalsbruch führen.

 

Häufig handelt es sich, vor allem bei Älteren, um häusliche Unfälle. Sie sind nicht selten durch Schwindelanfälle oder eine kurze Bewusstlosigkeit aufgrund von Herz-Kreislauf- oder Nervenerkrankungen verursacht.

 

Bei Patienten mit Osteoporose und einer Fehlstellung der Beine kann auch eine Überlastung des Schenkelhalses zum Knochenbruch führen. Sehr selten kann es auch zu Knochenbrüchen aufgrund einer bestehenden Tumorerkrankung mit Tochtergeschwülsten im Knochen kommen.

 

Wie kann ein Oberschenkelhalsbruch vermieden werden?

Ganz wichtig ist - vor allem bei alten Menschen - die Behandlung von Grunderkrankungen, zum Beispiel von Herz-Kreislauf- und Nervenerkrankungen (neurologischen Erkrankungen), die möglicherweise Stürze und somit Knochenbrüche verursachen können, sowie eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung.

 

Eine ausgewogene, kalziumreiche Ernährung und körperliche Betätigung wirken sich zudem günstig auf die Knochen aus. Unter Umständen ist die Gabe von Kalzium und Vitamin D sinnvoll, um die Knochen zu stärken. Maßnahmen wie altersgerechte Wohnungseinrichtungen mit Haltegriffen, Vermeidung von Stolperfallen, Gehhilfen und dem Wetter angepasstes Schuhwerk sind hilfreich, um Stürze zu verhindern. Denn um einen Oberschenkelhalsbruch zu vermeiden, ist es wichtig, dass es möglichst gar nicht erst zu Stürzen auf die Hüfte kommt.

 

Besteht bereits eine Osteoporose, ist eine entsprechende Behandlung erforderlich. Weiterhin empfiehlt sich der Verzicht auf Nikotin und Alkohol. Der Arzt sollte bei älteren sturzgefährdeten Menschen außerdem überprüfen, welche Medikamente der Betroffene einnimmt, denn einige Wirkstoffe haben Nebenwirkungen, die das Sturzrisiko zusätzlich erhöhen.

 

Menschen mit hohem Sturzrisiko können außerdem Hüftpolster tragen. Diese können bei einem Sturz Knochenbrüche verhindern.

 

Wie wird ein Oberschenkelhalsbruch festgestellt?

Meistens deuten die Beschwerden im Anschluss an einen Sturz wie starke Schmerzen im Hüftgelenk, die Unmöglichkeit das Hüftgelenk zu bewegen oder die Gehunfähigkeit bereits auf einen Oberschenkelhalsbruch hin. Viele Betroffene schaffen es nicht mehr, das Bein aktiv anzuheben. Häufig ist das gebrochene Bein verkürzt und nach außen verdreht. Doch können diese klinischen Zeichen auch nur wenig ausgeprägt sein.

 

Wichtige Hinweise erhält der Arzt durch die körperliche Untersuchung. In den meisten Fällen sichert er die Diagnose durch Röntgenaufnahmen des Hüftgelenkes. Auf dem Röntgenbild lässt sich auch erkennen, wo der Bruch verläuft. Selten veranlasst der Arzt zur Sicherung der Diagnose zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie), eine Computertomografieoder eine Kernspintomografie.

 

Wie wird ein Oberschenkelhalsbruch behandelt?

Oberste Priorität hat die möglichst schnelle Stabilisierung des Bruches, damit die meist älteren Betroffenen so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen. Die Wahl des Therapieverfahrens hängt von verschiedenen Faktoren wie der Art des Bruchs und dem Zustand des Betroffenen ab.

 

Nach Möglichkeit erfolgt eine operative Versorgung der Fraktur. Man unterscheidet zwischen hüftkopferhaltenden und hüftkopfersetzenden Verfahren. Auch hier entscheidet man sich für das weitere Vorgehen in Abhängigkeit von Faktoren wie Zustand und Alter des Verletzten oder dem Ort des Bruches.

 

Bei den hüftkopferhaltenden Verfahren erfolgt eine Festigung mithilfe bestimmter Schrauben oder durch Platten.

 

Bei den hüftkopfersetzenden Verfahren wird eine Prothese eingesetzt. Man unterscheidet die Totalendoprothese (TEP) oder die Hüftkopfprothese. Häufig erfolgen derartige Operationen bei älteren Menschen oder bei Osteoporose-Patienten, wobei bei der Entscheidung für diese Therapie auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Eine Totalendoprothese kommt oft bei Patienten zum Einsatz, die zusätzlich einen Gelenkverschleiß im Hüftgelenk aufweisen.

 

Bereits in den ersten Tagen nach der Operation wird mit der krankengymnastischen Übungsbehandlung begonnen. An den Krankenhausaufenthalt schließt sich oft eine Anschlussheilbehandlung von einigen Wochen an, um Beweglichkeit, Kraft und Koordination des Beines zu verbessern. Die Patienten sollten die Behandlung auch zu Hause fortführen.

 

Nur wenn keine Operation möglich ist, zum Beispiel aufgrund bestimmter Erkrankungen des Patienten, oder bei stabilen Frakturen erfolgt eine konservative Therapie. Dabei darf der Patient das Bein bewegen und zunehmend auch belasten, soweit es die Schmerzen zulassen. Zusätzlich erhält er eine krankengymnastische Behandlung. Rotationsbewegungen sind aber zu vermeiden.

 

Bei bettlägerigen Patienten erfolgt eine entsprechende Lagerung des Beins. Außerdem erhalten die Patienten schmerzlindernde Medikamente. Es schließt sich eine krankengymnastische Behandlung an, nach einer gewissen Zeit kann der Betroffene das Bein allmählich wieder belasten. Regelmäßige Röntgenkontrollen sind notwendig.

 

Was sind die Risiken der Behandlungen?

Abhängig von Alter und Allgemeinzustand des Verletzten besteht wie bei allen chirurgischen Eingriffen ein individuelles Operationsrisiko.

 

Eine mögliche Komplikation der konservativen Therapie ist ein Verrutschen der Knochenenden, sodass eine Operation erforderlich ist. Weiterhin besteht das Risiko, dass der Hüftkopf abstirbt und der Chirurg ihn doch durch eine Prothese ersetzen muss.

 

Bei der hüftkopferhaltenden Versorgung kann der Bruch ebenfalls verrutschen oder der Hüftkopf absterben. Daneben ist die Ausbildung eines sogenannten Falschgelenkes (Pseudarthrose) möglich. Hüftkopfersetzende Maßnahmen bergen das Risiko eines Risses oder Bruches des Oberschenkel-Knochenschaftes während der Operation. Die Prothesen können zudem verrutschen (luxieren) oder sich (frühzeitig) lockern.

 

Allgemeine Komplikationsrisiken sind, wie bei vielen Operationen, Blutergüsse, Nachblutungen, Nervenverletzungen, Infektionen und Thrombosen.

 

Erfolgt keine Behandlung des Oberschenkelhalsbruchs, sind die Verletzten oft nicht mehr gehfähig und werden bettlägerig. Aus der Bettlägerigkeit ergeben sich Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung, Durchliegen, Venenthrombose, Harnwegsinfekte, Ausbildung eines falschen Gelenkes oder einer bleibenden Fehlstellung mit insgesamt hoher Sterblichkeit.

 

Was ist nach einem Oberschenkelhalsbruch zu beachten?

Da häufig sehr alte Menschen einen Oberschenkelhalsbruch erleiden, betreffen die Folgen meist auch die Angehörigen. Um eine Rückkehr in das soziale Umfeld zu ermöglichen, sind eine intensive krankengymnastische Übungsbehandlung und meistens auch eine anschließende Rehabilitation (ambulant oder stationär) notwendig.

 

Der Verlauf bei einer Schenkelhalsfraktur ist sehr individuell, sodass eine allgemeine Prognose zur Hüftgelenksfunktion nicht möglich ist. Der Verlauf hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem die beim Patienten vorhandenen Begleiterkrankungen wie etwa Herz-Kreislauf-Krankheiten, neurologische Erkrankungen, die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.

 

Diese Erkrankungen erfordern eine entsprechende Behandlung. Übermäßige Beanspruchungen durch plötzliche Belastungen gilt es zu vermeiden. Im Rahmen der individuellen Möglichkeiten empfiehlt sich regelmäßige Bewegung. Bei Übergewicht ist es ratsam, abzunehmen und sein Körpergewicht zu normalisieren.

 

Zur Unterstützung beim Gehen können die Betroffenen Unterarmgehstützen oder Gehwagen verwenden. Unter Umständen verordnet der Arzt auch einen Rollstuhl.

 

War der Verletzte bereits vor dem Unfall nicht mehr sehr mobil, hat ein Oberschenkelhalsbruch häufig eine Pflegebedürftigkeit zur Folge. Bei einer bleibenden Behinderung können bauliche Veränderungen, zum Beispiel Haltegriffe und Rampen, einen Verbleib in der Wohnung ermöglichen. Hilfestellung bieten der Sozialdienst im Krankenhaus, der Hausarzt sowie ambulante Pflegedienste und die Krankenkassen.