Osteoporose (Knochenschwund) macht sich in der Regel erst sehr spät, dafür aber umso dramatischer bemerkbar. Oft ist der Knochenschwund dann schon weit fortgeschritten. Zu Beginn verursacht die Erkrankung weder Schmerzen noch sonstige Beschwerden. Und anders als vielfach vermutet, trifft die Volkskrankheit keineswegs nur ältere Personen. 

Rund sechs Prozent der Menschen in Deutschland leiden unter Osteoporose, dabei sind Frauen fast viermal häufiger betroffen als Männer. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Osteoporose-bedingte Frakturen an. 

Risikofaktoren erkennen

Das menschliche Skelett ist ein dynamisches System, das sich in einem permanenten Auf-, Ab- und Umbauprozess befindet. In den ersten zwei bis drei Lebensjahrzehnten überwiegen die Aufbauprozesse. Etwa um das 30. Lebensjahr haben die Knochen eines Menschen den höchsten Knochendichtewert erreicht. Zehn bis zwanzig Jahre lang bleibt er auf diesem Niveau, dann überwiegen die Abbauprozesse und die Knochendichte sinkt. Deshalb sind in erster Linie ältere Menschen von Osteoporose und damit zusammenhängenden Knochenbrüchen betroffen. 

Frauen sind besonders gefährdet

Frauen haben genetisch bedingt einen fragileren Knochenbau und weniger Muskulatur als Männer. Dadurch ist ihre Knochendichte und -struktur generell etwa 30 Prozent niedriger als bei Männern. 

Zudem sinkt bei Frauen in den Wechseljahren der Östrogenspiegel, was sich negativ auf die Knochendichte auswirken kann. Ist weniger Östrogen vorhanden, wird mehr Knochen ab- als aufgebaut. Dabei findet der größte Verlust von Knochenmasse während der sogenannten menopausalen Transition statt, also in der Zeit von einem Jahr vor bis zwei Jahre nach der Menopause. Rund 30 Prozent aller Frauen sind nach ihrer letzten Regelblutung im Leben von Osteoporose betroffen. 

Mehr Informationen zum Thema Wechseljahre erhalten Sie in unserem Artikel "Wechseljahre: Wenn die Hormone sich verändern" sowie in unserem Podcast "Wechseljahre: Was vor und nach der Menopause im Körper passiert" mit Dr. Silke Bartens. 

Risikofaktoren: 

  • Vorausgegangene Frakturen, insbesondere Wirbelkörperbrüche
  • Höheres Lebensalter
  • Untergewicht (BMI unter 18)
  • Vitamin-D-Mangel und/oder Kalziummangel
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Veranlagung (ein Elternteil hatte Osteoporose) 
  • Kortison (hochdosierte Langzeittherapie) 

Osteoporose vorbeugen

Was Sie selbst dazu beitragen können, damit Ihre Knochen stabil bleiben, lesen Sie im Artikel "Osteoporose: Die Knochen stärken und Brüchen vorbeugen" . Im Interview mit der TK erklärt auch Fachärztin und Osteoporose-Expertin Prof. Dr. med. Heide Siggelkow, welche Maßnahmen sich bewährt haben.

Osteoporose erkennen

Häufig ist Osteoporose ein Zufallsbefund etwa nach einem Knochenbruch oder wenn aus einem anderen Grund eine Röntgenaufnahme angefertigt wird. Liegen bei Ihnen Risikofaktoren für Knochenbrüche vor, fragt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gezielt nach weiteren typischen Symptomen wie zurückliegenden Knochenbrüchen oder Schmerzen.

Zusätzlich erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Besonders Ihr Skelett wird auf sicht- und tastbare Veränderungen geprüft. Außerdem werden Röntgenaufnahmen veranlasst, um Verformungen oder Brüche zu identifizieren. 

Mithilfe einer Knochendichtemessung (Osteodensitometrie), die Röntgenstrahlen nutzt, kann der Mineralgehalt der Lendenwirbelsäule und des Oberschenkelknochens bestimmt werden. Liegt der sogenannte T-Score bei oder unter einem Wert von -2,5, ist eine Osteoporose wahrscheinlich. 

Im Labor können zudem etwa die Spiegel für Kalzium, Phosphat und alkalische Phosphatase bestimmt werden. Diese Werte geben Auskunft darüber, ob der Knochenstoffwechsel im Gleichgewicht ist. So können gegebenenfalls auch andere knochenverändernde Erkrankungen wie Osteomalazie oder Tumoren entdeckt werden.

Primäre oder sekundäre Osteoporose?

Besonders bei älteren Menschen oder Frauen nach der Menopause sind oft keine Auslöser für den Knochenschwund erkennbar. Diese Form der Erkrankung betrifft etwa 90 Prozent der Patientinnen und Patienten und wird primäre Osteoporose genannt. Manchmal führt jedoch eine Grunderkrankung wie Diabetes mellitus Typ 1 oder eine medikamentöse Langzeitbehandlung zum Beispiel mit sogenannten Glukokortikoiden (Kortison) zur Demineralisation der Knochen. Dann sprechen Fachleute von einer sekundären Osteoporose, von der auch jüngere Menschen betroffen sein können.

Osteoporose behandeln

Der Therapieplan richtet sich nach den jeweiligen Ursachen, welche die Osteoporose auslösen, sowie nach der Schwere der Symptome.

Mit dem strukturierten Behandlungsprogramm (DMP) TK-Plus für Osteoporose  unterstützt die Techniker ihre Versicherten bei der optimalen Behandlung und Betreuung einer Osteoporose. Ihre Fragen zur Teilnahme und zum Ablauf des Programms beantworten die Fachleute unserer Service-Hotline gern: Tel. 040 - 4606 626 140, Mo. bis Fr. von 8 bis 20 Uhr. 

Medikamentöse Behandlung

Eine medikamentöse Basistherapie kann den Knochenstoffwechsel langfristig positiv beeinflussen. In der Regel erfolgt sie als Langzeittherapie über einige Jahre. 

  • Bisphosphonate können dem Knochenabbau entgegenwirken und die Knochendichte erhöhen. Der Effekt erfolgt hauptsächlich durch Hemmung der knochenabbauenden Zellen. 
  • Je nach Form und Ursachen der Erkrankung können unter anderem auch Hormone wie Östrogene und hormonbeeinflussende Wirkstoffe wie Parathormon den Knochenstoffwechsel positiv beeinflussen. Ebenso finden sogenannte Biologicals Anwendung, bspw. Denosumab oder Romosozumab oder das knochenaufbauende Mittel Teriparatid.
  • Vitamin D und Kalzium können das Risiko für Knochenbrüche bei einer Altersosteoporose senken. Sie werden z. B. auch verordnet, um während einer Kortisontherapie dem Knochenschwund vorzubeugen. 

Schmerztherapie und Bewegung

Schmerzmittel und Physiotherapie können verordnet werden, um Schmerzen zu lindern, die nach Knochenbrüchen entstehen. Kraft- und Gleichgewichtsübungen fördern den Muskelaufbau und stärken so auch die Knochen. Gezielte Übungen helfen außerdem, Ihr individuelles Sturzrisiko zu verringern. Für Erkrankte wird auch ein spezielles Osteoporose-Funktionstraining angeboten. Informationen dazu finden Sie zum Beispiel beim Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e. V. oder beim Dachverband der Osteoporose Selbsthilfegruppen e. V.

Operation

Bleibt die Therapie erfolglos, können Wirbelkörper operativ stabilisiert werden. Mithilfe eines minimalinvasiven Eingriffs wird dafür zunächst über einen dünnen Schlauch ein Ballon in den Wirbelkörper eingeführt und aufgeblasen. Dadurch entsteht ein Hohlraum, der anschließend mit einem sogenannten Knochenzement aufgefüllt werden kann.