Das Hyperventilationssyndrom, auch Hyperventilations-Tetanie genannt, tritt meist infolge großer psychischer Anspannung auf. Atmet eine Person sehr schnell und tief, gelangt zu viel Sauerstoff in die Lunge und zu viel Kohlendioxid heraus. Das kann dazu führen, dass der Kalziumspiegel im Blut sinkt. In der Folge sind die Nerven und Muskeln übermäßig gereizt, sodass es zu Muskelkrämpfen und im Extremfall zur Hyperventilations-Tetanie kommen kann.

"Ameisenlaufen", "Pfötchenstellung" und "Karpfenmaul"

Verkrampfen sich ihre Muskeln, empfinden Betroffene dies oft als Kribbeln und beschreiben das Gefühl als "Ameisenlaufen". Auch können sich die Gliedmaßen zu starren Haltungen verkrampfen, etwa die Hände ("Pfötchenstellung") und Füße, Arme und Beine oder auch die Lippen ("Karpfenmaul"). Treten die Krämpfe am ganzen Körper auf, handelt es sich um eine generalisierte Hyperventilations-Tetanie. Im weiteren Verlauf kann es in seltenen Fällen auch zu Lähmungen von Muskeln kommen. Begleitend treten oft Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen und Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit ( Synkope ) auf.

Eine Hyperventilation kann neben psychischen Auslösern auch bei Fieber, Gehirnerkrankungen, hormonellen Störungen oder durch bestimmte Medikamente entstehen. Aber auch verschiedene Grunderkrankungen können Ursache für das Hyperventilationssyndrom sein. Daher sollte diese Möglichkeit zunächst ärztlich abgeklärt werden.

Welche weiteren Symptome können bei einer Hyperventilation auftreten?

  • Atemnot trotz schneller Atmung
  • Unruhe und Aufregung
  • Depressive oder ängstliche Stimmungslage
  • Schwitzen
  • Blässe
  • Zittern der Extremitäten
  • Schwindel
  • Benommenheit, vorübergehende Bewusstlosigkeit möglich
  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Blähungen, Blähbauch und Schluckstörung durch Luftschlucken
  • Müdigkeit, Schläfrigkeit, Konzentrationsstörungen
  • Reizbarkeit
  • Kalte Hände und Füße

Erste-Hilfe- und Sofortmaßnahmen bei Hyperventilation

Bei einer akuten Hyperventilation muss das ausgeatmete Kohlendioxid (CO2) dem Körper wieder zugeführt werden, um den Kalziumspiegel zu normalisieren und die Symptome zu lindern.

  • Sprechen Sie ruhig und langsam mit der betroffenen Person.
  • Bitten Sie sie, ruhig zu atmen und sich besonders auf das Ausatmen zu konzentrieren.
  • Richtig angewendet, kann auch die sogenannte "Tütenatmung" helfen. Dabei atmet die oder der Betroffene in eine vor den Mund gehaltene Plastik- oder Papiertüte, bis die Symptome nachlassen. Diese Maßnahme kann helfen, denn durch die ausgeatmete Luft ist der CO2-Spiegel in der Tüte erhöht. 
    Wichtig: Nehmen Sie eine "Tütenatmung" nur dann vor, wenn Sie dies schon einmal gemacht haben und die Methode sicher anwenden können.
  • Schützen Sie die betroffene Person vor Verletzungen, die infolge der Krämpfe passieren können. Lagern Sie sie oder ihn möglichst auf einer weichen Unterlage.
  • Kontrollieren Sie die Atmung und das Bewusstsein.
  • Bringen Sie die betroffene Person zu einer Ärztin oder einem Arzt, auch wenn sie oder er sich nach kurzer Zeit wieder erholt hat. Eine körperliche Ursache sollte immer ausgeschlossen werden.
  • Wenn die Beschwerden nicht nachlassen oder stärker werden, wählen Sie den Notruf 112.

Was können Sie selbst zur Vorbeugung weiterer Hyperventilations-Anfälle tun?

  • Informieren Sie sich über die Möglichkeit einer Atemschulung . Hier können Sie die sogenannte Zwerchfellatmung erlernen und bei einem akuten Anfall anwenden.
  • Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die Möglichkeit eines Entspannungstrainings  (zum Beispiel autogenes Training ) beraten.
  • Treten die Anfälle wiederholt auf, zum Beispiel, wenn Sie eine Panikattacke haben oder ängstlich sind, holen Sie psychologischen Rat ein - eventuell kann auch eine Psychotherapie mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie für Sie infrage kommen.
  • Invirto , ein digitales Behandlungsprogramm der TK, bietet Menschen mit Agoraphobie, Panikstörungen oder sozialen Phobien die Möglichkeit, ihre Ängste besser zu verstehen, mit angespannten Situationen umzugehen und Angstgedanken zu bewältigen.