Das Knie ist das größte Gelenk unseres Körpers. Es verbindet Oberschenkelknochen, Kniescheibe und Schienbein miteinander und ermöglicht uns, das Bein zu beugen und zu strecken. Das Innere des Gelenks ist mit einer schützenden Knorpelschicht bedeckt, die wie ein Stoßdämpfer dafür sorgt, dass wir das Knie ohne Schmerzen bewegen können.

Risiko: Überbelastung und genetische Veranlagung

Bildet sich diese Schutzschicht zurück, weil der Knorpel und das darunter liegende Knochengewebe durch anhaltende starke Über- oder Fehlbelastung mehr und mehr aufgerieben werden, kann es schmerzhaft werden. Unter Umständen schwillt  das Knie durch einen Gelenkerguss an und Sie spüren eventuell ein deutliches Reiben beim Beugen und Strecken des Gelenks. 

Sportarten, bei denen Sie häufig springen oder abrupt aus einer Bewegung stoppen, wie beim Fußball, Volleyball oder Tennis, können einen Knorpelschaden begünstigen. Auch Menschen, die beruflich viel knien müssen (zum Beispiel Fliesenleger), sind gefährdet. Ein Knorpelschaden tritt häufig auch in der Pubertät während der Wachstumsschübe auf. Generell sind Mädchen und junge Frauen etwas häufiger betroffen als Männer. Sie haben oft ein schwächeres Bindegewebe und neigen daher eher zu einer X-Bein-Stellung, die das Gelenk ungleichmäßig belastet. Auch weitere Fehlstellungen oder eine Fehlbildung der Kniescheibe sowie Fehlfunktionen der Oberschenkelmuskulatur und der Bänder im Kniegelenk können Risikofaktoren für einen Knorpelschaden sein, ebenso Unfälle und Verletzungen des Knies.

Typische Beschwerden der Chondropathia patellae 

  • Schmerzen hinter, neben oder unterhalb der Kniescheibe 
  • Belastungsschmerzen insbesondere beim Hoch- oder Hinablaufen von Treppen und Steigungen oder beim Aufstehen aus der Hocke, mitunter generell Schmerzen beim Gehen
  • Starke Beschwerden oft zu Beginn (Anlaufschmerz) und/oder nach Abschluss einer Belastung 
  • Schwellungen in Höhe oder unterhalb der Kniescheibe 
  • Bewegungseinschränkungen durch Schmerzen oder Spannungsgefühl

Wann der Arztbesuch nötig ist

Wenn Sie länger als drei Tage Schmerzen im Knie spüren, kann es sinnvoll sein, die Beschwerden von einem Arzt abklären zu lassen, am besten einem Facharzt für Orthopädie. Anhand Ihrer Schilderung kann er die Schmerzen in der Regel direkt der Kniescheibe zuordnen. Er tastet Ihr Knie ab und prüft, wie beweglich, stabil und belastungsfähig es ist. Übt er etwas Druck auf die Kniescheibe aus, verstärkt dies den Schmerz - ein verlässlicher Hinweis auf die Chondropathia patellae, ebenso wie das typische, manchmal deutlich spür- und hörbare Reiben der Kniescheibe bei Bewegung. 

Um andere knöcherne Verletzungen auszuschließen, fertigt Ihr Arzt bei Verdacht Röntgenaufnahmen vom Kniegelenk, speziell der Kniescheibe, an. Bei starken Beschwerden können außerdem eine Spiegelung des Kniegelenks (Arthroskopie) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) helfen, um den Zustand des Knorpels genauer zu beurteilen. 

Konservative Therapie als erste Wahl

Um eine Chondropathia patellae erfolgreich zu behandeln, bedarf es in der Regel keiner Operation. Erst wenn die Schmerzen sehr stark werden und konservative Methoden keine Linderung bringen, kommt ein operativer Eingriff infrage. 

Unter Umständen kann anfangs eine zeitweise Einnahme von leichten entzündungshemmenden Schmerzmitteln sinnvoll sein. Physikalische Methoden wie Ultraschall, Kälte- und Wärmetherapie oder Elektrotherapie tragen ebenfalls dazu bei, Schmerzen zu lindern. Bei länger anhaltenden Beschwerden haben sich außerdem spezielle Kniebandagen bewährt, die die Kniescheibe in ihrem Gleitlager halten und ein Abweichen nach außen verhindern.

Bis normale Bewegungen wieder schmerzfrei möglich sind, sollten Sie Ihr Knie möglichst wenig belasten. Eine achtwöchige Trainingspause ist ratsam. Zusätzlich hilft es, die Oberschenkelmuskulatur durch Physiotherapie, regelmäßiges Krafttraining und Dehnungsübungen zu stärken.

Treten die Beschwerden bereits während der Pubertät auf, heilt die Chondropathia patellae oft auch ohne spezielle Behandlung aus. Dafür braucht es hauptsächlich Zeit und Geduld.

So beugen Sie Knorpelschäden sinnvoll vor: 

  • Bleiben Sie im Alltag mobil und sportlich aktiv. Jede Bewegung des Gelenks fördert die Verteilung von Gelenkflüssigkeit und dadurch die Nährstoffversorgung des Knorpels. 
  • Suchen Sie sich gelenkschonende Sportarten mit geringem Sturz- und Belastungsrisiko aus (zum Beispiel Schwimmen, Radfahren) und planen Sie ausreichende Erholungsphasen ein. Nutzen Sie auch beim Sport Hilfsmittel wie Knieschoner oder Bandagen.
  • Beim Wandern ist bergauf gehen wesentlich gelenkschonender. Gute Wanderstöcke sorgen beim Abwärtsgehen für zusätzlichen Halt und entlasten die Gelenke. Wählen Sie für lange Strecken bergab lieber die Gondel. 
  • Unterstützen Sie Ihr Knie im Alltag durch wechselndes Sitzen, Stehen und Gehen und knieschonende Aktivitäten. Der Besuch einer Knieschule  kann sinnvoll sein.
  • Reduzieren Sie nach Möglichkeit kniende Tätigkeiten und verwenden Sie Knieschoner.
  • Tragen Sie flache, bequeme Schuhe, um die Bänder am Knie zu entlasten.
  • Reduzieren Sie eventuell vorhandenes Übergewicht - jedes Pfund, das Sie abnehmen, entlastet auch Ihr Knie.