Mehr Jugendschutz: Per Gesetz dürfen E-Shishas und E-Zigaretten nicht mehr an Kinder und Jugendliche verkauft werden. Ab Mai folgen Schockbilder und größere Warntexte auf Zigarettenpackungen. 

Heranwachsende sollen jetzt vor gesundheitsschädlichen Stoffen sowohl in E-Zigaretten und E-Shishas als auch in normalen Zigaretten besser geschützt werden. Entsprechende Änderungen sind zum einen im Jugendschutzgesetz am 1. April in Kraft getreten.

Seitdem ist die Abgabe von E-Zigaretten und E-Shishas an Kinder und Jugendliche verboten - auch über Versandhandel. Zuvor galten E-Zigaretten, weil sie keinen Tabak enthalten, als Lebensmittel und waren so vom Verkaufsverbot an Jugendliche ausgenommen.

Schockbilder auf Zigarettenschachteln

Zum anderen billigte der Bundesrat jetzt ein Gesetz, das Hersteller von Zigaretten und Drehtabak ab Mai dazu zwingt, auf ihren Verpackungen zwei Drittel für abschreckende Warnbilder und aufklärende Texte zu reservieren. Das ist eine deutliche Verschärfung der bisherigen Vorschriften zum Verpackungsdesign - nicht nur hinsichtlich der Hinweisgröße.

Künftig sollen Bilder von durch Krebsgeschwüre zerfressene Münder und Organe Raucher wachrütteln und vom Rauchen abhalten, ähnlich wie es in Australien, Belgien, Brasilien, Großbritannien, Kanada, Lettland, der Schweiz, Thailand, Venezuela und anderen Ländern bereits praktiziert wird.

Jugend experimentiert schon früh

Laut einer Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat jeder fünfte Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren schon einmal eine E-Shisha und jeder siebte eine E-Zigarette probiert.

Was ist eine E-Zigarette?

E-Zigaretten verdampfen bei einer bestimmten Temperatur Flüssigkeiten, die "Liquid" genannt werden. Über das Inhalieren des Dampfes gelangen die Inhaltstoffe in die Lunge. Dazu gehören zu 90 Prozent die Trägersubstanz, meist pflanzliches Glyzerin und Prophylenglycol. Das sind die in der EU zugelassenen Lebensmittelzusätze E422 und E1520, die unter anderem auch in Kaugummis oder dem Gemisch von Nebelmaschinen enthalten sind. Der Geschmack stammt von diversen Aromastoffen. Mehrere Tausend Aromen - von Ananas bis Vanille - kommen in unterschiedlichen Liquids zum Einsatz. Außerdem enthalten einige Liquids Nikotin.  

Auch fürs Tabakrauchen sieht es nicht besser aus: Nach der jetzt von der Weltgesundheitsorganisation veröffentlichten HBSC-Studie (Health Behaviour in School-aged Children) in Europa, Kanada und Israel hat jeder sechste Jugendliche bereits vor dem 14. Geburtstag das erste Mal geraucht.

E-Zigaretten als Einstieg zum Rauchen

Bedenklich!, finden Experten. Während die gesundheitsschädigenden Folgen des Rauchens wissenschaftlich belegt sind, galten die in den vergangenen Jahren immer mehr in Mode gekommenen E-Zigaretten fälschlicherweise oft gerade unter Jugendlichen als harmlose Alternative zum "richtigen Rauchen".

"Gerade, weil sie nach Ananas oder Minze schmecken, steht die Befürchtung, dass sie Jugendliche ansprechen und die Reizschwelle senken können, auf normale Zigaretten umzusteigen", warnt York Scheller, Gesundheitsexperte bei der TK. In einer amerikanischen Studie wurden vor allem die Jugendlichen zu Rauchern, die vorher E-Zigaretten konsumiert hatten. "Und natürlich können auch E-Zigaretten, die Nikotin enthalten, abhängig machen - selbst wenn sie nicht so viele Schadstoffe wie Tabakzigaretten enthalten“, so Scheller.

Studien sagen: Dampfen macht krank

In den vergangenen Jahren nährten einzelne Studien zudem den Verdacht, dass E-Zigaretten und E-Shishas gesundheitsschädliche Auswirkungen haben und nicht so harmlos sind, wie viele denken. Dabei standen die Inhaltsstoffe der Liquids im Verdacht: Sie sollen Atemwegserkrankungen und Krebs auslösen. Dabei kommen Propylenglykol, Glycerin und die Aromastoffe von E-Zigaretten und E-Shishas auch in Lebensmitteln vor und sind dort nicht gesundheitsschädlich. Geraten die Stoffe aber beim Inhalieren als Dampf in die Lunge, können sie Höchstwerte überschreiten und krank machen.

Langzeitstudien fehlen ganz

Noch untersuchen aber viel zu wenige Studien, wie giftig der Dampf ist, Langzeitstudien fehlen ganz. "Solange die gesundheitlichen Auswirkungen des Dampfens noch nicht genug erforscht sind und die Studienlage uneindeutig ist, ist es aber gut, Kinder und Jugendliche vor dem Konsum zu schützen", so TK-Experte Scheller, "Heranwachsende sollen gar nicht erst ermutigt werden, mit dem Rauchen anzufangen - egal, in welcher Form."