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Wissen­schaft­liche Studien liefern seriöse Infor­ma­tionen (4/7)

Die Aussagen in einer Gesundheitsinformation sollten nicht auf der persönlichen, subjektiven Meinung des Autors beruhen. Ein seriöses Informationsangebot basiert vielmehr auf systematischer, wissenschaftlicher Forschung. 

Welche Anforderungen muss eine wissenschaftliche Studie erfüllen - zum Beispiel über Wirksamkeit und Nebenwirkungen eines Arzneimittels -, damit ihre Ergebnisse als aussagekräftig gelten?

Ursache und Wirkung

Der Knackpunkt bei einer Studie ist die Frage: Ist die durchgeführte medizinische Maßnahme tatsächlich die Ursache für das beobachtete Ergebnis, oder wurde dieses von äußeren Umwelteinflüssen verursacht?

Kontrollgruppe

Um den Nutzen einer neuen Therapie A bewerten zu können, muss der Forscher sie mit einer anderen Methode vergleichen. Entweder vergleicht er die Methode A mit der bisherigen Standardtherapie B oder mit einer Scheinbehandlung, dem sogenannten Placebo. Die Gruppe mit der Standardtherapie oder dem Placebo nennt man die Kontrollgruppe, die andere Gruppe heißt Interventionsgruppe.

Hierzu teilen die Forscher die Studienteilnehmer zum Beispiel in zwei Gruppen auf: die Interventions- und die Kontrollgruppe. Die Patienten in der Interventionsgruppe erhalten die neue Therapie A, die der Kontrollgruppe die bisherige Therapie B oder das Placebo.

Zufälligkeitsprinzip

Damit diese Gruppen vergleichbar sind, muss der Wissenschaftler sicherstellen, dass sich die Studienteilnehmer möglichst nur bei einem Aspekt unterscheiden: der durchgeführten Therapie. Alle anderen Merkmale wie etwa Alter, Geschlecht, Ausprägung der Symptome oder Krankheitsstadium sollten so weit wie möglich in beiden Gruppen gleich verteilt sein.

Die Forscher erreichen dies dadurch, dass sie die die Studienteilnehmer nach dem Zufallsprinzip auf die beiden Gruppen verteilen. Die zufällige Aufteilung der Studienteilnehmer nennt man auch Randomisierung.

Doppelte Verblindung

Wenn möglich, sollten in einer Studie weder der Patient noch der behandelnde Arzt wissen, ob der Patient zur Kontrollgruppe gehört oder zu der Gruppe, die mit der untersuchten Therapie behandelt wird. Denn wissen sie, welche Methode beim Patienten angewandt wird, verhalten sie sich bewusst oder unbewusst im Sinne der jeweiligen Methode. Wird dieser Effekt den untersuchten Behandlungsmethoden zugeschrieben, verzerrt dies die Studienergebnisse.

Die Ergebnisse einer Studie werden daher noch aussagekräftiger, wenn sichergestellt ist, dass weder der behandelnde Arzt noch der Patient wissen, welcher Gruppe der Patient zugeteilt wurde oder mit welchem Medikament der Patient behandelt wird. Fachleute sprechen von "doppelter Verblindung" oder Doppelt-Blind-Studien.

Randomisiert-kontrollierte Studien

Studien, die nach dem hier beschriebenen Muster organisiert sind, nennt man randomisiert-kontrollierte Studien. Randomisiert-kontrollierte Studien gelten als der Studientyp mit der höchsten Aussagekraft, wenn es darum geht, die Wirkung von Therapien zu bewerten.

Systematische Übersichtsarbeiten

Besonders aussagekräftig sind systematische Übersichtsarbeiten, sogenannte Meta-Analysen oder Meta-Studien. Sie fassen mehrere wissenschaftliche Studien mit der gleichen Fragestellung zusammen und werten sie aus.

Grenzen randomisiert-kontrollierter Studien

Randomisiert-kontrollierte Studien sind nicht bei allen medizinischen Fragestellungen möglich. Wenn eine Studie etwa eine Arzneimitteltherapie mit einem chirurgischen Eingriff vergleicht, kann sie die doppelte Verblindung nicht einsetzen. Denn ob ein Patient ein Arzneimittel eingenommen hat oder operiert wurde, ist für Arzt und Patient offensichtlich.

Auch ethische Konflikte können entstehen. Zum Beispiel, wenn für eine schwere und nach relativ kurzer Zeit tödlich verlaufende Erkrankung erstmals eine Therapie entwickelt wird und nun der Nutzen dieser Therapie gegenüber der Nicht-Behandlung untersucht werden soll. Die zufällige Aufteilung auf die Interventions- und Kontrollgruppe kann über Leben und Tod der Studienteilnehmer entscheiden.

Studien mit geringerer Aussagekraft

Weniger aussagekräftig sind wissenschaftliche Quellen,

  • die lediglich Patienten mit einer bestimmten Therapie beobachten, diese Beobachtungen aber nicht mit einer sorgfältig ausgewählten Kontrollgruppe vergleichen
  • die bereits abgeschlossene Behandlungen mit Hilfe von Patientenakten sowie Befragungen von Ärzten und Patienten zu rekonstruieren versuchen. Hier besteht die Gefahr, dass Dokumente unvollständig und Erinnerungen lückenhaft sind.
  • bei denen es sich lediglich um die Meinung einer Gruppe von Experten handelt und nicht um systematische Forschung.