Die Landesregierungen nehmen sich der großen Herausforderung engagiert an. Die Techniker Krankenkasse begrüßt die vielfältigen Initiativen beider Länder - von den verschiedenen Förderprogrammen in Berlin bis zur Priorität der Digitalisierung im Bereich Gesundheit und Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum der Brandenburger Regierung. Dabei stehen viele Berliner und Brandenburger der Digitalisierung positiv gegenüber: Immerhin 63 Prozent würden das e-Rezept nutzen. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage1 im Auftrag der TK. 

Gesundheits- und Fitnessdaten intelligent zu nutzen, kann die Qualität der Versorgung deutlich verbessern. Die Datenhoheit muss aber beim Patienten liegen. Susanne Hertzer, Leiterin der TK-Landesvertretung 

Elektronische Patientenakte (ePA) für mehr Transparenz

Eine elektronische Patientenakte hat das Potenzial, die Effizienz und Transparenz für die Versorgung der Patienten zu verbessern und sie beim Selbstmanagement ihrer Gesundheit zu unterstützen. Bereits zum Start der ePA zum 1. Januar 2021 haben die Versicherten die Möglichkeit, Zugriffe auf die ePA einzusehen sowie eine Zugriffsbeschränkung vorzunehmen.

Zudem haben die Krankenkassen eine gesonderte Aufklärungspflicht. So müssen die Krankenkassen ihre Versicherten umfassend über die Möglichkeiten der ePA informieren, auf Rechte hinweisen und somit einen sicheren Umgang mit der Akte ermöglichen. Weiterhin ist das Angebot einer elektronischen Patientenakte für die Versicherten freiwillig. Mit den Regelungen ist es aus Sicht der TK gelungen für ausreichende Patientensouveränität und Sicherheit zu sorgen.

Videosprechstunde auf dem Vormarsch 

Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) erlaubt Ärzten auf ihren Webseiten auf Videosprachstunden hinzuweisen. Dadurch wird es für die Berliner und Brandenburger einfacher, auf entsprechende Angebote zurückzugreifen. Der Bedarf existiert - mehr als jeder Dritte in der Region würde Videosprechstunden nutzen, so das Ergebnis der aktuellen Forsa-Umfrage2 im Auftrag der TK.

Die Corona-Pandemie wirkte wie ein Beschleuniger: In Berlin wuchs das Angebot an Videosprechstunden von März bis Juni 2020 von 4 auf 4.123 Praxen.3 In der Mark boten im letzten Quartal 2019 nur zwei Praxen den Dienst an, im ersten Quartal 2020 bereits 510.4 Die TK appelliert an die Akteure, mitzuhelfen, diese positiven Trends zu verstetigen, und ermuntert die Landesärztekammer Brandenburg, den Weg freizumachen für die ausschließliche Fernbehandlung.

Digitale Anwendungen für Patienten

Schon heute nutzen viele Menschen digitale Anwendungen für ihre Gesundheit. Mit dem DVG haben Versicherte erstmalig einen Anspruch auf die Erstattung "digitaler Gesundheitsanwendungen" (DiGAs), wenn diese die Versorgung potenziell positiv beeinflussen. Seit April können Anbieter Anträge stellen, damit ihre Apps in den GKV-Leistungskatalog aufgenommen werden. Die TK begrüßt diese Möglichkeit von "Apps auf Rezept".

Daten zur Verbesserung von Forschung, Versorgung und Diagnostik

Sowohl das Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) als auch das DVG erlauben eine intelligentere Nutzung von Daten im Gesundheitswesen. Letzteres sorgt für eine schnelle Bereitstellung von Abrechnungsdaten zur Versorgungsforschung. Dadurch kann eine langfristige Verbesserung in der Krankheitsprognose und -diagnostik ermöglicht werden. Die intelligente Datennutzung und Digitalisierung kann zudem helfen, die Rahmenbedingungen der Versorgung im ländlichen Brandenburger Raum zu verbessern - zum Beispiel durch telemedizinische Modelle.

Das PDSG sieht vor, dass Versicherte die Möglichkeit erhalten, Daten ihrer ePA freiwillig der medizinischen Forschung zur Verfügung zu stellen. Bedauerlich ist, dass bei der Möglichkeit der Datennutzung der Kreis der Nutzungsberechtigten eingeschränkt wurde und die Krankenkassen und Verbände nicht mehr dazugehören. Das ist nicht nachvollziehbar. Die TK fordert, dass auch Krankenkassen zum Nutzerkreis der freiwilligen Daten gehören.

Digitalisierung entlastet die Leistungserbringer

Auch der Bürokratieabbau im Gesundheitswesen kann durch die Digitalisierung schneller erfolgen. Die bessere Verfügbarkeit von Behandlungsdaten ermöglicht Ärzten einen besseren Überblick und dadurch eine einfachere Therapieplanung und Dokumentation. Dadurch werden Ärzte, Schwestern, Pfleger und andere Leistungserbringer entlastet. Sie können sich stärker ihrer eigentlichen Aufgabe widmen - dem Dienst am Patienten.

Digitale Gesundheit braucht schnelles Internet

Eine Voraussetzung für die bessere medizinische Versorgung durch digitale Angebote ist die deutschlandweite Bereitstellung schnellen Internets. Die Bundesregierung will bis zum Jahr 2025 einen flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen erreichen. Berlin und Brandenburg haben im letzten Jahr viel getan, dennoch ist noch Luft nach oben: In der Mark haben 82 Prozent der Haushalte Zugang zu Datenübertragungsraten von mindestens 50 Mbit/s. Die "Hauptstadt der Start-ups" weist inzwischen eine sehr gute 96-prozentigen Abdeckung auf.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben

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Quellennachweis

1Forsa. 2020. TK-Monitor Corona-Spezial. Tabellenband. Berlin.

2Forsa. 2019. TK-Monitor Mix-Befragung. Tabellen. Berlin.

3Ärztezeitung online, 16. Juni 2020: https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/600-Prozent-Plus-bei-Videosprechstunde-in-Berlin-410364.html

4Märkische Oderzeitung, 19. Juli 2020:  https://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1815286/

5BMVI. 2019. Aktuelle Breitbandverfügbarkeit in Deutschland (Stand Ende 2018), S. 6. Berlin. https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/DG/breitband-verfuegbarkeit-ende-2018.pdf?__blob=publicationFile