Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Vieles wurde in den vergangenen Jahren bundesweit und in der Gesundheitsregion Berlin und Brandenburg erreicht. Einen Meilenstein stellt die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) im Jahr 2021 dar. Sie ist ein entscheidender Schritt zu mehr Transparenz und Souveränität für Patientinnen und Patienten. 

Telematikinfrastruktur ist Grundlage für Digitalisierung

Mit der ePA ist das Fundament für die zukunftsorientierte digitale Versorgung gelegt. Ihr Einsatz kann die Hilfe im Krankheitsfall und in der Pflege, die Versorgung von Notfällen oder die Präventionsarbeit entscheidend verbessern. Wichtig ist dabei, dass es einen Zugang für alle Tools gibt, so dass Versicherte auf alle digitalen Anwendungen ihrer Krankenkasse komfortabel zugreifen können. Die TK setzt sich deshalb dafür ein, dass alle Services wie ePA, TI-Messenger, Organspenderegister oder e-Rezepte über die Service-App ihrer Krankenkasse erreichbar sind.

Es kommt nun darauf an, die digitale Transformation konsequent weiterzutreiben und einen echten Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen. Dafür notwendig ist eine Telematikinfrastruktur, die sicher ist und selbst dem letzten Winkel unseres Gesundheitssystems eine Anschlussmöglichkeit bietet. Langfristig ist nur so eine flächendeckende medizinische Versorgung möglich - ob in der Metropole Berlin oder in den ländlichen Regionen Brandenburgs.

Konsequenter Breitbandausbau in der Gesundheitsregion 

Ein leistungsfähiges Internet für alle ist nicht nur ein Standortvorteil, sondern zwingende Voraussetzung für Anwendungen der Telemedizin und des Telemonitoring. Nicht zuletzt die Coronapandemie hat gezeigt, wie wichtig ein schneller und sicherer Austausch von medizinischer Expertise ist: Im Rahmen des Konzepts "SAVE Berlin@COVID-19" entschieden Ärztinnen und Ärzte verschiedener Krankenhäuser in Berlin und Brandenburg, ob Patientinnen und Patienten zur weiteren Behandlung in die Charité verlegt werden müssen.

Die Anzahl der Videosprechstunden ist während der Pandemie sprunghaft nach oben geschnellt, im Bund, in Berlin  und der Mark . Patientinnen und Patienten nutzten das Angebot, um in Zeiten hoher Infektionszahlen ihren Arzt oder ihre Ärztin zu konsultieren. Die Videosprechstunde sollte auch nach der Pandemie einen festen Platz für eine flächendeckende medizinische Versorgung einnehmen. Die TK appelliert deshalb an die Landesärztekammer Brandenburg, den Weg für die ausschließliche Fernbehandlung endlich frei zu machen.  

Ein weiteres Beispiel für gelungene grenzüberschreitende telemedizinische Versorgung: das Projekt "MACCS",  bei dem die TK mit der Charité Berlin und der AOK Nordost kooperiert. Nach einer Nieren- oder Pankreastransplantation werden Medikamentenplan, Vital- und Laborwerte elektronisch abgeglichen sowie bei Bedarf eine telemedizinische Akutsprechstunde durchgeführt. Die zu behandelnden Personen sparen sich lange Anfahrtswege und können schneller nach Hause.

Digitalisierung im stationären Bereich: Mittel zielgerichtet einsetzen

Die digitale Weiterentwicklung der Krankenhäuser ist Schwerpunkt verschiedener Förderprogramme. Damit die Ausgaben einen maximalen Nutzen für die Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg entfalten, ist eine zielgerichtete Verwendung des Geldes unabdingbar. Ministerium und Senatsverwaltung sollten deshalb auf eine kohärente Förderungspolitik achten: Einzelanträge eines Hauses müssen sinnvoll zusammengedacht (Krankenhauszukunftsfonds) sowie die Vernetzung und Anschlussfähigkeit mit anderen Strukturen gewährleistet sein (Strukturfonds II). Die TK wird den Vergabeprozess in diesem Sinne weiterhin konstruktiv begleiten. Die TK befürwortet weiterhin ausdrücklich digitale Pilotprojekte oder Langzeitinitiativen in der Region. Dazu gehören unter anderem die gemeinsame elektronische Behandlungsakte von Charité und Vivantes in Berlin, die Initiative "Next Generation Hospital" des Ernst-von-Bergmann-Klinikums Potsdam mit anderen Krankenhäusern und dem Hasso-Plattner-Institut sowie der Aufbau des Innovationszentrums Universitätsmedizin Cottbus.

Grenzüberschreitende Versorgung vereinfachen

Was für die Berlin und Brandenburg gilt, gilt in gleichem Maße für die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn in Polen: In der Grenzregion entlang Oder und Neiße nutzen Menschen schon jetzt vielfach die gesundheitliche Versorgung des Nachbarlandes oder arbeiten dort; unter anderem im Gesundheitswesen. In den Bereichen Wirtschaft und Kultur haben drei Europaregionen in Brandenburg ihre Kooperation bereits verstärkt. Nun muss Europa auch im Gesundheitssektor weiter zusammenwachsen. Es gilt unter anderem, den reibungslosen Ablauf von Behandlungen zu gewährleisten. Auf Bundesebene muss deshalb der europäische Gesundheitsdatenraum bei der Weiterentwicklung der ePA und der Telematikinfrastruktur mitgedacht werden. Ebenso wichtig sind regionale Pilotprojekte. So würde die grenzüberschreitende Harmonisierung von Datenverwaltungssystemen in den Krankenhäusern und Arztpraxen administrative Prozesse vereinfachen. Die TK ermuntert insbesondere Brandenburg, dafür Mittel bereitzustellen.

Posi­tion Digi­ta­li­sie­rung Berlin und Bran­den­burg

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