Prof. Dr. Antje Neubert leitet die Zentrale für klinische Studien in der Pädiatrie am Universitätsklinikum Erlangen. Im neuen TK-Report "Kinder und Arzneimittel" beschreibt sie, worauf es bei der Medikation von Kindern ankommt und warum auch bei frei verkäuflichen Arzneimitteln Vorsicht geboten ist. Die Techniker hat ihr drei Fragen gestellt.

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TK: Eine Ihrer zentralen Aussagen im Report in Bezug auf die Arzneimitteltherapie bei Kindern ist: "Kinder sind keine kleinen Erwachsenen." Was meinen Sie damit?

Frau Prof. Neubert: Wenn Arzneimittel bei Erwachsenen sicher und wirksam sind, kann man das nicht automatisch auch auf Kinder übertragen. Kinder unterliegen ihren eigenen Regeln, vor allem, weil sie so unterschiedliche Entwicklungsstufen durchlaufen. In dieser Zeit vervielfachen sich nicht nur ihr Körpergewicht und ihre Größe, auch der Stoffwechsel ist im Wandel, was insbesondere Anpassungen der Dosierung von Medikamenten, also eine Reduktion oder aber auch die Erhöhung, notwendig macht.

TK: Worauf müssen Eltern achten?

Frau Prof. Neubert: Wichtig sind eine altersgerechte Dosierung und Darreichungsform. Nehmen wir an, ein Kind sollte ein Zehntel der Dosierung eines Erwachsenen erhalten: Versuchen Sie mal, eine Tablette in zehn Teile zu teilen. In solchen Fällen sind Säfte oder Tropfen das Mittel der Wahl - überhaupt, wenn es um Kinder geht, die noch keine Tabletten schlucken können. Außerdem sollte darauf geachtet werden, welche Hilfsstoffe oder Hilfsmittel das Arzneimittel beinhaltet. In Tropfen wird beispielsweise oft Alkohol verwendet, was bei Kindern und Jugendlichen in einem stärkeren Maße toxisch, also giftig ist. Zukunftsträchtig sind innovative Arzneiformen wie Minitabletten oder Arzneistofffilme, die über die Mundschleimhaut aufgenommen werden.

Genauso wichtig ist, dass sich Eltern an die Dosierungsempfehlung des Arztes oder der Ärztin halten. Bei einer zu geringen Dosierung werden Kinder Nebenwirkungen ausgesetzt, ohne dass ein Behandlungserfolg erzielt wird. Ein klassisches Beispiel sind Antibiotika. Werden diese nicht konsequent und wie verordnet genommen, können Resistenzen entstehen, ohne dass die eigentliche Erkrankung bekämpft wird. Auch andersherum kann es gefährlich werden: Paracetamol ist richtig dosiert weitestgehend unbedenklich, zu hoch dosiert oder zu häufig verabreicht kann es jedoch die Leber schädigen.

TK: Häufig nehmen Kinder Arzneimittel ein, die in der Apotheke frei verkäuflich sind und dann ohne vorherigen Arztbesuch gekauft werden. Birgt das auch Risiken?

Frau Prof. Neubert: Wie man im TK-Verordnungsreport sieht, gehören abschwellende Nasentropfen zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten. Für viele ein Mittel der Wahl, denn sie sind eigentlich ab dem Säuglingsalter zugelassen. Gleichzeitig sieht man immer wieder schwerwiegende Nebenwirkungen. Deswegen ist es immer und insbesondere bei frei verkäuflichen Medikamenten so wichtig, Dosierungsempfehlungen strikt zu befolgen.