Ende des vergangenen Jahres kursierte in den sozialen Medien die Nachricht von einer Hochzeit, nicht zwischen zwei Menschen, sondern zwischen einer jungen Frau aus Japan und einem digitalen Avatar namens Klaus, den sie mit ChatGPT gebaut hat. Ein perfektes Match: Der Avatar immer verfügbar, immer verständnisvoll, nie schlechte Laune. Der Algorithmus weiß schließlich, was wir mögen. Manchmal sogar besser als unser Umfeld. Ihrem Ex-Verlobten hatte sie nämlich den Laufpass gegeben. 

Was zunächst amüsant klingt, verweist auf eine ernsthafte Entwicklung: Gerade Kinder und Jugendliche ziehen sich zunehmend in digitale Räume zurück. Dort finden sie Anerkennung, Gemeinschaft und Zugehörigkeit oder zumindest deren gut designte Simulation. Likes ersetzen Gespräche, Avatare werden zu Vertrauten, und Einsamkeit bekommt ein freundliches Interface.

Humor hilft, um darüber ins Gespräch zu kommen. Denn so charmant der digitale Partner auch sein mag: Echte Nähe lässt sich nicht downloaden. Umso wichtiger ist es, jungen Menschen Räume zu eröffnen, in denen Beziehung, Austausch und Verbundenheit jenseits von Bildschirmen wieder erlebbar werden. Der Algorithmus darf gern unterstützen. Heiraten müssen wir ihn ja nicht gleich.