Interview mit Laura Maslo von der Gründungswerft MV
Interview aus Mecklenburg-Vorpommern
Der Gründungswerft e.V. möchte ein Gründungsökosystem in Mecklenburg-Vorpommern aufbauen. Wir haben mit Laura Maslo aus der Geschäftsführung des Vereins über ihre Mission und aktuelle Herausforderungen gesprochen.
TK: Sehr geehrte Frau Maslo, was ist die Mission des Gründungswerft e.V. und was zeichnet die Gründungswerft aus?
Laura Maslo: Unsere Mission ist es, ein starkes Gründungsökosystem aufzubauen - gerade in Regionen, die bisher nicht im Fokus stehen. Wir wollen, dass Menschen hier vor Ort gute Ideen nicht nur haben, sondern auch wirklich umsetzen können. Was uns auszeichnet, ist ganz klar unser Community-Ansatz. Wir verstehen uns nicht als klassische Beratung, sondern als Netzwerk. Wir bringen Menschen zusammen - Gründerinnen und Gründer, Investoren sowie erfahrene Unternehmer:innen. Unser Ziel ist, dass niemand alleine gründen muss. Der Austausch auf Augenhöhe ist dabei extrem wichtig.
TK: Gibt es Schwerpunktbranchen in unserem Bundesland mit besonders vielen Gründerinnen und Gründern?
Maslo: Wir sehen, dass viele Gründerinnen und Gründer stark in den regionalen Themen verankert sind. In Mecklenburg-Vorpommern sind das zum Beispiel Tourismus, Nachhaltigkeit, (digitale) Dienstleistungen oder auch Gesundheit. Gleichzeitig sind wir bewusst branchenoffen unterwegs. Für uns steht nicht die Branche im Vordergrund, sondern die Idee und der Mensch dahinter. Gute Ansätze gibt es in ganz unterschiedlichen Bereichen.
Laura Maslo
TK: Wie profitieren Gründungsinteressierte von der Arbeit des Vereins?
Maslo: Unser Schwerpunkt liegt ganz klar auf Vernetzung und Austausch. Wir organisieren Veranstaltungen, bringen Menschen zusammen und schaffen Räume, in denen offen über Ideen, aber auch über Herausforderungen gesprochen werden kann. Dazu kommt der Zugang zu Mentoren, zu Investoren und zu anderen Gründer:innen. Uns ist wichtig, dass man früh Feedback bekommt und nicht zu lange im stillen Kämmerlein an einer Idee arbeitet. Lernen passiert bei uns vor allem im Austausch.
TK: Gibt es Rahmenbedingungen, die Gründungen in Mecklenburg-Vorpommern hemmen?
Maslo: Ich würde nicht sagen, dass es die eine konkrete Regelung ist, die hemmt. Es sind eher strukturelle Themen. Wir haben hier weniger Netzwerke, weniger Investoren und insgesamt noch nicht die gleiche Sichtbarkeit wie große Startup-Standorte. Das macht es für Gründerinnen und Gründer schwieriger, schnell voranzukommen. Dazu kommt, dass Förderstrukturen manchmal noch zu komplex oder zu wenig flexibel sind. Gerade in der Anfangsphase brauchen Gründer oft schnelle und unkomplizierte Unterstützung.
TK: Wie könnte das verbessert werden?
Maslo: Ein ganz wichtiger Punkt ist für uns die Förderung von Netzwerken. Es geht nicht nur darum, einzelne Start-ups zu unterstützen, sondern die Strukturen drumherum aufzubauen. Wir wünschen uns außerdem einfachere und flexiblere Förderprogramme. Und ganz wichtig: mehr Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Start-ups. Etablierte Unternehmen können hier eine große Rolle spielen - zum Beispiel als Partnerinnen, Mentoren oder auch als erste Kunden.
TK: Die TK ist bereits einige Zeit Partnerin der Gründungswerft. Sollten noch mehrere Unternehmen folgen?
Maslo: Die Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse ist vor etwa eineinhalb Jahren entstanden. Uns hat von Anfang an die Frage beschäftigt: Wie bringen wir das Thema Gesundheit stärker in die Gründungsszene? Gerade in der Anfangsphase unterschätzen viele Gründerinnen und Gründer, wie wichtig Themen wie mentale Stärke, Belastbarkeit und Balance sind. Deshalb war es für uns naheliegend, hier mit einer kompetenten und innovativen Partnerin zusammenzuarbeiten. Außerdem profitieren die Gründerinnen und Gründer so vom Austausch über die Landesgrenzen hinweg, da die TK eine bundesweit verfügbare Krankenkasse ist. Dieser weite Horizont ist extrem wertvoll, weil immer wieder neue Impulse kommen.
Ein gemeinsames Highlight war unser Gesundheitstag in Ludwigslust im Dezember 2025. Im Vorfeld haben wir unsere Community gefragt, welche Themen sie wirklich bewegen. Dabei wurde sehr deutlich: Es geht vor allem um Motivation, Durchhaltevermögen, Work-Life-Balance und Resilienz. Das zeigt uns, dass viele Gründerinnen und Gründer gerade am Anfang vor allem ihre eigenen Ressourcen stärken wollen - und genau da setzen wir gemeinsam mit der TK an.
TK: Was sind die nächsten Schritte der Zusammenarbeit?
Maslo: Ein wichtiger Baustein sind gemeinsame Gesundheitstage - der nächste findet am 2. Juli in Greifswald statt. Ein besonderes Highlight in diesem Jahr wird außerdem unser Leadership-Programm. Dort geht es darum, Gründerinnen und Gründer gezielt in ihrer Rolle als Führungspersönlichkeiten zu stärken - auch das ist eng mit dem Thema Gesundheit verbunden.
Darüber hinaus setzen wir verstärkt auf kleinere Formate wie Social-Pizza . Das ist ein speziell auf Start-ups zugeschnittenes Format der TK, in dem komplexe Inhalte rund um das Thema Sozialversicherung und Gesundheit sehr niedrigschwellig und verständlich vermittelt werden. Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit, schnell und unkompliziert Beratung zu bekommen - genau dann, wenn sie gebraucht wird. Insgesamt geht es uns darum, Gesundheit als festen Bestandteil der Gründungskultur zu etablieren - nicht als Zusatz, sondern als Grundlage für nachhaltigen Erfolg.
TK: Welche Ziele wollen Sie mit der Gründungswerft erreichen?
Maslo: In zehn Jahren soll die Gründungswerft ein fester Bestandteil eines funktionierenden Start-Up-Ökosystems in Mecklenburg-Vorpommern sein. Für Schülerinnen, Studenten und Auszubildende soll es ganz selbstverständlich sein, hier in MV zu gründen und dabei auch echte Unterstützung zu finden. Idealerweise können wir die Gründungsinteressierten dann als überregionales Netzwerk unterstützen. Und wir würden uns freuen, wenn wir auch für andere Regionen ein Vorbild sein können. Am Ende geht es darum, eine Kultur zu schaffen, in der eine Unternehmensgründung ganz normal ist - und in der man sich gegenseitig unterstützt.
TK: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg auf der Mission !