Die Zukunft der Pflege steht bundesweit weit oben auf der gesellschaftlichen und politischen Agenda, da durch die demografische Entwicklung besonders im Bereich der Altenpflege große Herausforderungen auf die Gesellschaft zukommen. Um die pflegerische Versorgung in Sachsen-Anhalt optimal zu gestalten, müssen aus Sicht der TK jetzt die Weichen gestellt werden. 

Die TK macht daher folgende Vorschläge für eine zukunftssichere und qualitative Altenpflege im Land: 

  1. Attraktivität der Pflegeberufe stärken und Beschäftigungspotenziale sichern 
  2. Öffentliche Wahrnehmung des Berufsbildes schärfen
  3. Digitale Chancen nutzen und durch Förderprogramme unterstützen 
  4. Aus- und Weiterbildung der Pflegeberufe fortentwickeln 
  5. Humanität in der Pflege zum alltäglichen Lernfeld machen
  6. Mit neuen Pflege-Studiengängen Sachsen-Anhalt attraktiver machen 

1. Attraktivität der Pflegeberufe stärken und Beschäftigungspotenziale sichern

Es gilt zu verhindern, dass Altenpflegekräfte ihren Beruf nach nur kurzer Zeit wieder verlassen. Hier liegt ein erstes großes Potenzial. Um die Zahl der Pflegekräfte zu erhöhen, ist eine angemessene Vergütung wichtig. Im bundesweiten Vergleich hat Sachsen-Anhalt in Bezug auf die in der Altenpflege gezahlten Gehälter dringenden Nachholbedarf. Eine größere Lohnspreizung, die den Anreiz zur Weiterbildung erhöht und damit die Qualität der Pflege stärkt, ist nötig. Ebenso wichtig ist eine moderne Arbeitsorganisation, die mit flexiblen Arbeitszeiten und variablen Tätigkeitsinhalten den jeweiligen Lebensphasen der Pflegenden gerecht wird.

2. Öffentliche Wahrnehmung des Berufsbildes schärfen 

Die Wahrnehmung des Berufsbilds „Pflege‟ und die gesellschaftliche Wertschätzung ist öffentlich zu stärken. Die neuen Chancen und Entwicklungspotenziale der künftigen Pflegeausbildung müssen aktiver als bisher publik gemacht werden. Zusätzlich sollten bereits gelebte Best-Practice-Ansätze in der Pflege, erfolgreiche Projekte oder besondere Aktivitäten verschiedener Pflegenetz-werke zukünftig transparenter gemacht werden. 

3. Digitale Chancen nutzen und durch Förderprogramme unterstützen 

Neben den beruflich Pflegenden dürfen die pflegenden Angehörigen  (70 Prozent) nicht aus den Augen verloren werden. Gerade hier bieten digitale Anwendungen, wie der "TK-PflegeCoach", Chancen auf Entlastung. Weitere digitale Hilfen können den Versorgungsalltag unterstützen. So sorgen etwa neue Technologien für mehr Sicherheit bei Pflegebedürftigen und deren Angehörigen. Bislang werden solche Smart-Home-Lösungen nicht im Leistungskatalog der Pflegeversicherung berücksichtigt. Die TK setzt sich daher dafür ein, dass der Leistungskatalog entsprechend erweitert wird. 

In Sachsen-Anhalt sollte die Pflege intensiver als bisher zum Thema der "Digitalen Agenda" werden. Bestehende Fördermaßnahmen sollten transparent gemacht, sinnvoll gebündelt und untereinander abgestimmt werden.

4. Aus- und Weiterbildung der Pflegeberufe fortentwickeln 

Die TK hält die Aneignung telemedizinischer Kernkompetenzen in der pflegerischen Ausbildung für zwingend notwendig. Dazu sollten Grundlagen der Technik und des Informationsmanagements sowie praxisorientierte telemedizinische Anwendungen in die Ausbildung integriert, sowie über Module des lebenslangen Lernens beständig gefördert werden. 

Um zukünftige Bedarfe abzudecken, sollten Konzepte für entsprechende E-Learning-Kurse entwickelt werden. Durch diese Fort- und Weiterbildung könnten sich Angehörige der Gesundheitsfach- und -assistenzberufe, vor allem Pflegekräfte, qualifizieren und auf die Anwendung digitaler Techniken im Pflegealltag vorbereiten. 

5. Humanität in der Pflege zum täglichen Lernfeld machen 

Es ist eine große Herausforderung, im Pflege-Routinebetrieb immer wieder neu die Individualität von Pflegebedürftigen wahrzunehmen und zu berücksichtigen. Humanität in der Pflege sollte dabei immanent sein und ein dauerndes Lernfeld darstellen. 
Pflegeeinrichtungen sollten bedarfsorientierte Beratungen zum Thema häufiger als bisher in Anspruch nehmen. Daraus abgeleitete Interventionen, zum Beispiel zu Stress- und Gewaltprävention, können sowohl im Bereich der Verhaltens- als auch der Verhältnisprävention die Lebens- und Arbeitsverhältnisse deutlich verbessern helfen. Professionell Pflegende werden so außerdem dabei unterstützt, mehr Verantwortung für eine fürsorgende, würdevolle und ethisch begründete Pflege zu übernehmen. 

6. Mit neuen Pflege-Studiengängen Sachsen-Anhalt attraktiver machen

Für eine spezialisierte, patientenorientierte Tätigkeit werden mehr junge Menschen mit einer akademischen Pflegeausbildung benötigt. Zu den notwenigen Kernkompetenzen zählen hierbei Fähigkeiten wie die kompetente Nutzung digitaler Medizinprodukte und die Durchführung eines komplexen praxisorientierten Versorgungsmanagements. 

Um zukünftige Abiturientinnen und Abiturienten zu gewinnen, müssen attraktive und am Bedarf orientierte Studiengänge an den Universitäten und Hochschulen geschaffen werden. Nötig sind interessante Alternativen zu bestehenden Angeboten oder grundsätzlich neue Studienkonzepte mit dem Schwerpunkt Altenpflege. Bereits bestehende Studiengänge in Sachsen-Anhalt sollten durch zielgerichtete Weiterbildungen ergänzt werden. Eine frühzeitige Vernetzung mit regionalen Firmen und Verbänden bereits während des Studiums kann helfen, Absolventen sachsen-anhaltischer Hochschulen und Universitäten langfristig im Bundesland zu halten.

Positionen der TK zur Zukunft der Altenpflege in Sachsen-Anhalt

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