Cybermobbing ist eines der Probleme des 21. Jahrhunderts. Mit der zunehmenden Digitalisierung unseres Privat- und Berufslebens, aber insbesondere durch soziale Medien, sind immer mehr Menschen von dem psychisch belastenden Thema betroffen.

Mobbing endet nun nicht mehr am Ausgang der Schule oder des Büros, auch zu Hause sind für Betroffene Hassbotschaften und Beleidigungen an der Tagesordnung. Die gesundheitlichen Folgen können immens sein. Durch die Corona-Krise hat sich ein noch größerer Teil des Lebens, wie beispielsweise die Schule, ins Internet verlagert. Die Brisanz hat also weiter zugenommen. 

Mobbingstudie Cyberlife III 

Im vergangenen Jahr hat die Techniker Krankenkasse (TK) in Zusammenarbeit mit dem Bündnis gegen Mobbing e. V. daher die Studie Cyberlife III durchgeführt. Im Anschluss an die vorangegangenen Studien aus 2013 und 2017 wurden 6.000 Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer zu ihren Standpunkten und ihrer Wahrnehmungen zum Thema Cybermobbing befragt. 

Die Ergebnisse zeigen einen eindeutigen, beunruhigenden Trend: 17,3 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler sind von Cybermobbing betroffen. Rechnet man die Zahlen hoch, sind das bundesweit knapp zwei Millionen Kinder und Jugendliche. 2017 waren es noch 12,7 Prozent gewesen. Hinzu kommt, dass auch die Folgen immer gravierender werden. Die Zahl Betroffener mit Suizidgedanken stieg um 20 Prozent, Alkohol- und Tablettenkonsum sogar um 30 Prozent. Verantwortlich für diese Entwicklung soll vor allem die Verlagerung der Sozialkontakte ins Internet sein.

Lehrende bemängeln Rückgang an Präventionsmaßnahmen

Bei den erwachsenen Befragten zeigt sich unter anderem, dass Eltern sich überfordert fühlen. Den Lehrenden ist das wachsende Problem zwar bekannt, sie bemängeln aber einen Rückgang an Präventionsmaßnahmen. 

Trotz der schlechten Ergebnisse liefert die Studie aber auch Hoffnung. Kinder und Jugendliche, die mit ihrer Lebenssituation zufrieden sind, lassen das Cybermobbing eher an sich abprallen. Eine wichtige Aufgabe für Lehrerinnen und Lehrer, aber vor allem auch die Eltern, ist es daher, das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen zu stärken und einen respektvollen Umgang sowie Zusammenhalt zu fördern.

Schulprojekt "Gemeinsam Klasse sein"

Im Rahmen der Gewaltprävention steht Mobbing bereits seit 2008 auf dem Stundenplan der TK. Gemeinsam mit der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg hat die TK damals den "Anti-Mobbing-Koffer" konzipiert. Ein Koffer voller Unterrichtsmaterialien für eine Projektwoche in den fünften bis siebten Klassen. 

Nun hat die TK in Kooperation mit der Beratungsstelle Gewaltprävention in Hamburg die Online-Plattform "Gemeinsam Klasse sein" entwickelt. Seit zwei Jahren stehen die digitalen Unterrichtsmaterialien nach einer Pilotphase in Norddeutschland bundesweit zur Verfügung. Bundesweit können alle weiterführenden Schulen, deren Vertreterinnen und Vertreter an einer entsprechenden Fortbildung teilgenommen haben, das Online-Programm kostenlos nutzen.

Ziel der interaktiven und digitalen Plattform ist es, alle Beteiligten für das Thema zu sensibilisieren. An den Schulen im Saarland werden zum Beispiel Mobbinginterventionsteams ausgebildet. Hier wird das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Präventives Handeln (LPH) durchgeführt.

Da sich die Situation für die Schülerinnen und Schüler mit der Pandemie und Homeschooling grundlegend geändert hat, hat sich die TK mit ihren Partnern etwas einfallen lassen. Für bereits ausgebildete Mobbinginterventionsteams gibt es neue Materialien und Inhalte für die Zeit der Corona-Krise.