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Was für ein toller Ausblick! Schnell ein Selfie schießen, um zu zeigen, dass man ihn genossen hat. Das Make-up ist heute besonders gut gelungen? Foto-App auf, Schnappschuss machen, auf Instagram hochladen - das bringt jede Menge Likes. Kurz vor der Vorlesung herrscht pure Langeweile? Kein Problem: Lenkt man sich eben mit einem Selfie ab. Das kommt Ihnen bekannt vor? Nun, vielleicht leiden Sie ja auch unter Selfitis … 

2014 war zum ersten Mal die Rede von dem Phänomen. Damals wollte angeblich die American Psychiatric Association (APA) das obsessive Erstellen von Selbstporträts als Krankheit anerkannt wissen. Letztendlich stellte sich die Geschichte aber als Fake-News heraus - alles nur ausgedacht, die APA dementierte.

Studie unter 400 jungen Indern belegt Selfitis

Doch Forscher der Nottingham Trent Universität und der Thiagarajar School of Management in Chennai, Indien, wurden durch die Zeitungsente inspiriert, eine echte Studie durchzuführen. Das Ergebnis: Selfitis existiert tatsächlich! Und zwar in drei Abstufungen:

  • Borderline Selfitis: Betroffene nehmen mindestens drei Selfies am Tag auf, posten davon aber keines in den sozialen Medien.
  • Akute Selfitis: Hier nehmen Betroffene nicht nur mindestens drei Selfies am Tag auf, die Selbstporträts werden außerdem auch zügig online gestellt.
  • Chronische Selfitis: Betroffene haben den unkontrollierbaren Zwang, rund um die Uhr Fotos aufzunehmen – und mindestens sechs davon täglich online zu stellen.

Warum Selfies gepostet werden

Außerdem konnten die Forscher sechs Gründe ausmachen, die die 400 Probanden der Selfitis-Studie dazu veranlassten, ein Selbstporträt von sich zu knipsen:

  • zur Aufwertung der eigenen Umwelt
  • als Wettstreit um Likes in sozialen Medien
  • um Aufmerksamkeit zu erregen
  • zur eigenen Aufheiterung oder Stimmungsveränderung
  • um das eigene Selbstbewusstsein zu stärken
  • um einem Gruppenzwang zu entsprechen ("alle" machen Selfies)

Als wirklich repräsentativ kann die Studie allerdings nicht angesehen werden, da der Altersdurchschnitt der Studienteilnehmer knapp über 20 Jahren lag. Auf die gesamte Gesellschaft können die Ergebnisse daher nicht abgeleitet werden - was die Forscher jedoch auch selbst einräumten.

Ständiges Retuschieren kann ungesunde Folgen haben

Aber nicht nur das permanente Aufnehmen von Selbstporträts nimmt bei manchen Menschen ungesunde Ausmaße an. Überall im Netz findet man Selfies, die oft stundenlang retuschiert wurden. Wie Forscher der Boston University School of Medicine herausfanden, führen diese oft extrem bearbeiteten Bilder dazu, dass sie bei den Selfie-Fans unrealistische Erwartungen an das eigene Erscheinungsbild wecken. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten sie im Fachblatt "Jama Facial Plastic Surgery".

Dass eine Umfrage unter Schönheitschirurgen ergab, dass 55 Prozent der Patienten um eine Operation baten, um ihr Aussehen auf Selfies zu verbessern, wundert da nicht. Das ständige Retuschieren der eigenen Porträts könne laut der Medizinerin Neelam Vashi sogar so weit führen, dass sich eine körperdysmorphe Störung ausbilden kann - eine Wahrnehmungsverzerrung. Dabei beschäftigen sich die Betroffenen teils stundenlang mit einem vermeintlichen Makel ihres Körpers, obwohl dieser objektiv gar nicht besteht.

Also Schluss mit Selfies? Das ist sicherlich nicht nötig. Ein bisschen weniger Perfektionismus ist aber ohnehin sympathischer. Das zeigt zum Beispiel der Selbstversuch "Das #unperfektexperiment" .