Zöliakie ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Der Körper reagiert mit einer Reaktion des Immunsystems auf das Klebereiweiß Gluten, das wir zum Beispiel beim Frühstück durch ein Brötchen oder eine Portion Müsli verspeisen.

Wenn Gluten zur Entzündung im Darm führt

Unsere Nahrung wird normalerweise im Dünndarm in ihre Bestandteile zerlegt und gelangt über die Schleimhaut in den Körper. Um möglichst viele Nährstoffe aufzunehmen, ist der Darm mit vielen Falten, den sogenannten Zotten, ausgekleidet. Bei Menschen mit Zöliakie verursacht die Aufnahme von Gluten eine Entzündung der Darmschleimhaut. Die Zotten bilden sich zurück, damit wird die Oberfläche des Dünndarms kleiner. Dies hat zur Folge, dass nur noch wenige Nährstoffe aus der Nahrung in den Körper gelangen.

Symptome - vielfältig und oft unerklärlich

Tückisch an der Erkrankung ist die Vielfalt der auftretenden Symptome: Chronische Bauchschmerzen, Durchfälle und Blähungen, Untergewicht, Verstopfung, Appetitlosigkeit und plötzlicher Gewichtsverlust. Nicht selten verläuft die Krankheit symptomarm beispielsweise mit gelegentlichen Bauchschmerzen oder einem ungeklärten Eisenmangel, der zu Blutarmut und damit verbundener körperlicher Abgeschlagenheit führt. Betroffene erkennen oftmals gar nicht, dass sie unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden.

Da die Symptome der Zöliakie sich nicht nur auf den Darm beschränken, wird sie als Systemerkrankung bezeichnet, die den gesamten Körper betrifft. Unbehandelt kann die Glutenunverträglichkeit zum Beispiel Wachstumsstörungen, Knochen- und Gelenkbeschwerden, Depressionen, Vitamin B12, Vitamin D, Kalzium- oder Eisenmangel hervorrufen.

"Die Zöliakie ist häufig mit weiteren Autoimmunerkrankungen vergesellschaftet", sagt Petra Rudnick, Allgemeinmedizinerin im TK-Ärztezentrum und ergänzt: "Zöliakie und Diabetes neigen dazu, gemeinsam aufzutreten. Unter den Diabetikern findet man fünf bis acht Prozent Zöliakiepatienten."

Erbliches Risiko ist besonders hoch

Eine Glutenunverträglichkeit kann in jedem Lebensalter entstehen. Man beobachtet allerdings zwei Häufigkeitsgipfel: Der erste liegt zwischen dem ersten und dem achten Lebensjahr, der zweite zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Insgesamt sind Frauen häufiger betroffen als Männer.

"Erbliche Faktoren haben einen Einfluss auf die Entstehung der Erkrankung", sagt Rudnick und ergänzt: "Besteht eine Glutenunverträglichkeit, leiden 10 bis 15 Prozent der Verwandten ersten Grades ebenfalls an einer Zöliakie. Deshalb sollten nahe Verwandte wie Eltern, Geschwister und Kinder ebenfalls auf Zöliakie untersucht werden, wenn Beschwerden bei einem Patienten auftreten", rät die Allgemeinmedizinerin.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) nimmt die Zahl der Zöliakiepatienten in den vergangenen Jahren weiter zu. Dies liegt vermutlich daran, dass die Krankheit inzwischen bekannter ist und daher häufiger diagnostiziert wird. Wissenschaftler vermuten, dass Magen-Darm-Infektionen, veränderte Ernährungsgewohnheiten und psychosoziale Faktoren mit einer Glutenunverträglichkeit in Verbindung gebracht werden können. Eine eindeutige Erklärung für die Zunahme der Erkrankungsfälle gibt es aber nicht.

Ein langer Weg zur Diagnose

Eine klare Diagnose zu stellen, ist nicht ganz einfach, denn nicht alle Patienten leiden unter den typischen Symptomen der Zöliakie - sie wird daher auch als "Chamäleon unter den Unverträglichkeiten" bezeichnet. Etwa 90 Prozent der Betroffenen klagen über untypische Krankheitszeichen, die viele Jahre nicht richtig gedeutet werden.

Besteht der Verdacht einer Zöliakie, ist der Nachweis der Unverträglichkeit eigentlich sehr einfach. Der Arzt bestimmt zunächst Antikörper im Blut. Durch eine Darmspiegelung wird außerdem eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem Dünndarm entnommen. Für Kinder erlaubt die Zöliakie-Leitlinie eine Diagnose zu stellen, ohne eine zusätzliche Dünndarmspiegelung. Sind die Untersuchungsergebnisse negativ, aber es treten dennoch Beschwerden auf, liegt möglicherweise eine Weizensensitivität vor. In diesem Fall sind weitere Untersuchungen nötig.

Glutenfrei einkaufen

Zöliakiepatienten müssen eine lebenslange streng glutenfreie Ernährung einhalten. Das bedeutet, die Getreidesorten Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen und Hafer sowie Produkte daraus müssen komplett vom Speiseplan verschwinden. Erlaubt sind Produkte und Mehle ohne Gluten, zum Beispiel aus Mais, Hirse, Buchweizen, Reis oder Soja. Durch die glutenfreie Diät bauen sich die Zotten der Dünndarmschleimhaut meist relativ schnell wieder auf und die Beschwerden verschwinden. Wichtig zu wissen: Die Diät ist eine dauerhafte Therapie, da die Zöliakie nicht heilbar ist.

Eine glutenfreie Ernährung ist manchmal eine Herausforderung. Denn Gluten ist in viel mehr Produkten enthalten, als man denkt. Glücklicherweise hat der Gesetzgeber klare Kennzeichnungspflichten erlassen: Seit 2005 müssen allergieauslösende Zutaten wie auch Gluten auf allen verpackten Lebensmitteln aufgeführt sein - auch wenn die Menge des Zusatzstoffes nur minimal ist. Kaufen Sie frische Produkte beim Metzger, Bäcker oder an der Frischetheke, ist es sinnvoll sich beim Personal über die Zutaten zu informieren.

"Ein Produkt muss strenge Auflagen erfüllen, um sich glutenfrei nennen zu dürfen", sagt Rudnick: "Die durchgestrichene Ähre ist das international anerkannte Zeichen für glutenfreie Lebensmittel. Es darf nur auf Lebensmittel gedruckt werden, die einen Glutengehalt von höchstens zwei Milligramm pro 100 Gramm nicht überschreiten."

Wo glutenfrei einkaufen?

Die meisten Supermarktketten bieten zahlreiche glutenfreie Lebensmittel an. Zudem gibt es Online-Shops, die sich auf glutenfreie Produkte spezialisiert haben.

Was gibt es bei Zöliakie noch zu beachten?

Mit der richtigen Lebensmittelauswahl ist es jedoch noch nicht getan: Wichtig ist auch die richtige Lagerung der Speisen und die Hygiene in der Küche:

  • Glutenhaltige Lebensmittel immer strikt von glutenfreien Produkten lagern (dabei darauf achten, dass Lebensmittel immer gut verpackt sind)
  • Keine glutenfreien Lebensmittel im gleichen Wasser oder Fett erhitzen, in dem zuvor andere Lebensmittel zubereitet wurden
  • Küchengeräte und Arbeitsflächen vor dem Kochen einer Mahlzeit gründlich reinigen
  • Küchengeräte, die sich nicht so einfach reinigen lassen (Toaster) durch ein eigenes Gerät für glutenfreie Speisen ersetzen
  • Vorratsbehälter und Töpfe vor dem Neuauffüllen immer gründlich mit Seife und heißem Wasser reinigen