Die wesentliche Aufgabe des Immunsystems besteht darin, den Körper vor dem Angriff krankheitserregender Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilze zu schützen. Bei einer Autoimmunerkrankung wie dem Typ-1-Diabetes kommt es jedoch zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems, bei der fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angegriffen wird. So führt der Angriff auf die Betazellen der Bauchspeicheldrüse beim Typ-1-Diabetes zu einem fortschreitenden Untergang der insulinproduzierenden Zellen.

Impfung

Einem deutsch-französischen Forscherteam ist es im Tierversuch gelungen, erfolgreich gegen einen Typ-1-Diabetes zu impfen. Ihre Versuche führten die Wissenschaftler bei diabetischen Mäusen durch. Den Tieren wurde ein Impfstoff aus verändertem Bauchspeicheldrüsengewebe verabreicht, das von der Immunabwehr der kranken Tiere normalerweise heftig attackiert und schließlich zerstört wird.

Nach der Impfung beruhigte sich das Immunsystem der diabetischen Tiere. Körpereigene und körperfremde Stoffe wurden wieder richtig erkannt und das körpereigene Gewebe nicht mehr angegriffen. An der Abwehr körperfremder Stoffe (zum Beispiel Viren, Bakterien) veränderte sich hingegen nichts.

Auch bei Jugendlichen und Erwachsenen, die erst seit Kurzem an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, wird die Wirksamkeit der Impfung untersucht. Zum Einsatz kommen hier die zwei verschiedenen Eiweiße, die Glutamatdecarboxylase (GAD) und DiaPep277.

In den bisherigen Studien führte die Impfung mit GAD zwar vorübergehend zu einer Stabilisierung der Insulinproduktion, langfristig änderte sich jedoch nichts am Insulinbedarf der Patienten. Die ersten Studien mit DiaPep277 verliefen bei Erwachsenen, nicht aber bei Jugendlichen erfolgreich.

Derzeit laufen weitere Studien, die notwendig sind, um die Ergebnisse zu bestätigen. Bei beiden Impfsubstanzen waren keine schwerwiegenden Nebenwirkungen zu beobachten.

Pre-POINT (primary oral/intranasal insulin trial = primäre Immunintervention mit oralem Insulin) ist eine internationale, seit 2007 laufende Studie, die die Wirkung einer Impfung gegen Typ-1-Diabetes mit Insulin untersucht. Zur Behandlung nimmt man Insulin täglich als Pulver über den Mund auf. Es dient nicht zur Senkung des Blutzuckers, sondern soll als Impfung das Immunsystem beeinflussen und die Entwicklung einer Autoimmunität und eines Typ-1-Diabetes verhindern. In der Pre-POINT-Studie untersuchen Forscher aus München und Dresden die ideale Dosis an Insulin für die Impfung bei Kindern mit sehr hohem Diabetesrisiko. Eine nachfolgende Studie untersucht die Wirksamkeit der Impfung.

Antikörper gegen Immunzellen

Auch mit anderen Substanzen, die am Immunsystem ansetzen, versucht man, die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen zu stoppen. In der Entwicklung befinden sich zum Beispiel Antikörper (Anti-CD3-Antikörper Teplizumab und Otelixizumab), die sich gegen bestimmte Abwehrzellen, die zytotoxischen T-Zellen, richten und andere, sogenannte regulatorische T-Zellen, aktivieren.

Die zytotoxischen T-Zellen führen zum Zelltod (zum Beispiel der Betazellen). Die regulatorischen T-Zellen (T-Suppressorzellen) unterdrücken beim gesunden Abwehrsystem eine überschießende Immunantwort und verhindern, dass körpereigenes Gewebe (zum Beispiel die Betazellen) angegriffen wird. In den bisherigen Studien hatten diese Antikörper aber entweder nicht die gewünschte Wirkung oder zu starke Nebenwirkungen.

Antientzündliche Behandlung

Auch antientzündliche Wirkstoffe sind im Einsatz. Sie sollen Botenstoffe, die die insulinproduzierenden Betazellen schädigen, abfangen. Erste Studien mit Interferon oder mit Substanzen, die den Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha) oder Interleukin-1 blockieren, endeten mit Teilerfolgen. In weiteren Untersuchungen muss sich die Wirksamkeit dieser Substanzen noch bestätigen.

Fazit

Noch sind Immuntherapien gegen einen Typ-1-Diabetes Zukunftsmusik. Die Ergebnisse der Wissenschaftler brachten erste Erfolge. Eine Heilung des Diabetes und eine breite Anwendung dieser Methoden sind aber nicht in Sicht.