Reti­no­pa­thie und Maku­lo­pa­thie

Störungen des Sehvermögens sind eine gefürchtete Komplikation beim Diabetes mellitus. 

Sie werden ausgelöst durch Veränderungen an den kleinen Gefäßen der Netzhaut (Retinopathie) und des gelben Flecks (Makulopathie). Vorübergehende Sehverschlechterungen können auch bei einer Blutzuckerentgleisung mit sehr hohen Werten auftreten.

Was ist eine Retinopathie?

Bei der diabetischen Retinopathie unterscheidet man eine nichtproliferative (nicht wuchernde) und eine proliferative (wuchernde) Form. Die nichtproliferative Retinopathie ist kaum gefährlich. Durch eine gute Blutzucker- und Blutdruckeinstellung kann ein weiteres Fortschreiten verhindert werden.

Die proliferative Retinopathie geht mit der Neubildung von Blutgefäßen einher, die allerdings zum Teil fehlerhaft gebaut sind. Die neu gebildeten Blutgefäße können platzen, wodurch es zu Blutungen innerhalb der Netzhaut kommt. In der Folge löst sich ein Teil der Netzhaut vom umgebenden Gewebe ab, was zu einer plötzlichen Verschlechterung des Sehvermögens führt.

Was ist eine Makulopathie?

Der gelbe Fleck (Makula) ist ein etwa fünf Millimeter großer Bereich auf der Netzhaut, an dem die Sinneszellen für das Sehen besonders dicht zusammenliegen. Man bezeichnet ihn auch als den Punkt des schärfsten Sehens. Bei der Makulopathie wird der gelbe Fleck durch Wassereinlagerungen (Makulaödem) oder Blutungen geschädigt, was zu einer Beeinträchtigung der Sehschärfe führt. Der Betroffene sieht verschwommen. Eine Makulopathie kann Blindheit verursachen.

Das Makulaödem kann vom Augenarzt bei einer Augenspiegelung diagnostiziert werden. Auch wenn der Patient noch keine Einschränkungen bemerkt, kann bereits ein das Sehvermögen beeinträchtigendes Makulaödem vorliegen.

Wie machen sich Retinopathie und Makulopathie bemerkbar?

Die ersten für den Augenarzt bei der Netzhautspiegelung sichtbaren Zeichen für eine Retinopathie beziehungsweise Makulopathie sind Aussackungen an den kleinsten Blutgefäßen (Kapillaren) in der Netzhaut.

Der betroffene Patient nimmt zu diesem Zeitpunkt noch keine Veränderungen wahr, denn die kleinen Gefäßaussackungen sind noch nicht am Punkt des schärfsten Sehens gelegen und beeinträchtigen daher das Sehvermögen zunächst nicht.

Im weiteren Verlauf treten Blutungen in der Netzhaut auf und es werden für den Augenarzt perlschnurartige Erweiterungen der dünnen Venen in der Netzhaut sichtbar. Erst wenn die Retinopathie weiter fortgeschritten ist, bemerkt auch der Patient Symptome. Hierzu gehören eine plötzliche Verschlechterung der Sehfähigkeit, das Auftreten dunkler Flecken oder roter Schleier im Gesichtsfeld, gestörtes Farbensehen oder ein verschwommenes, unscharfes Bild.

Die Einblutungen können die Netzhaut irgendwann so stark schädigen, dass sie sich von ihrer Unterlage ablöst. Eine solche Netzhautablösung macht sich durch Lichtblitze und Rußregen bemerkbar.

Ist der Teil der Netzhaut betroffen, auf dem sich der gelbe Fleck (Makula) befindet, sieht der Betroffene einen dunklen Vorhang in seinem Gesichtsfeld. Die Ablösung der Netzhaut und die Schädigung der Makula können bis zur kompletten Erblindung fortschreiten.

Welche weiteren Augenerkrankungen können als Spätkomplikation auftreten?

Neben der Retinopathie und Makulopathie können auch andere Augenerkrankungen als Spätkomplikation des Diabetes mellitus auftreten. Hierzu zählen Hautentzündungen an Ober- und Unterlid, Beeinträchtigungen von Augennerven, Augendruckveränderungen (Glaukom) und Linsentrübungen (Katarakt).

Wie häufig ist die diabetische Retinopathie?

In den westlichen Industrienationen ist die diabetische Retinopathie nach wie vor die häufigste Erblindungsursache bei Menschen im erwerbsfähigen Alter. Allein in Deutschland erblinden jährlich zirka 1.700 Menschen mit Diabetes. Die Erblindungsrate ist bei Diabetikern fünfmal so hoch wie bei Nicht-Diabetikern.

Bei der Häufigkeit der Retinopathie und Makulopathie gibt es Unterschiede zwischen dem Typ-1- und dem Typ-2-Diabetes.

Typ-1-Diabetes: Bei Kindern vor der Pubertät ist die Retinopathie sehr selten. Nach einer Diabetesdauer von 25 Jahren liegt allerdings bei bis zu 85 Prozent aller Typ-1-Diabetiker eine Retinopathie vor. Nach einer Erkrankungsdauer von fünfzehn Jahren haben etwa 15 Prozent eine Makulopathie.

Typ-2-Diabetes: Zum Zeitpunkt der Diagnose Typ-2-Diabetes weist bereits jeder dritte Patient eine Retinopathie auf. Nach einer Diabetesdauer von 15 bis 20 Jahren sind bis zu 80 Prozent betroffen. Unter einer diabetischen Makulopathie leiden bis zu 25 Prozent der Typ-2-Diabetiker. Sie ist also häufiger bei Menschen mit einem Typ-2- Diabetes.

Kann man einer diabetischen Retinopathie vorbeugen?

Die Retinopathie und Makulopathie beruhen auf Schäden an den kleinsten Blutgefäßen (Mikroangiopathie). In jedem Organ des Körpers gibt es ein Netz aus sogenannten Kapillaren (Haargefäßen). Die Wand dieser Kapillaren besteht aus einer semipermeablen (halbdurchlässigen) Membran, über die der Flüssigkeits- und Nährstoffaustausch stattfindet.

Wenn der Diabetes bereits längere Zeit besteht oder/und wenn der Blutzucker und der Blutdruck nicht ausreichend gut eingestellt sind, kann sich diese Membran verdicken.

Bei der diabetischen Netzhauterkrankung des Auges (Retinopathie) spielt außerdem noch ein von Blutgefäßen produzierter Wachstumsfaktor eine Rolle, der zusätzlich die Neubildung von (missgebildeten) Kapillaren anregt.

Wichtig zu wissen: Durch eine möglichst optimale Einstellung der Blutzuckerwerte lässt sich die diabetische Retinopathie weitgehend verhindern oder zumindest deutlich aufhalten.

Liegt bereits eine Retinopathie vor, hängt der weitere Verlauf der Augenschäden und der Erhalt der Sehkraft ebenfalls davon ab, wie gut Blutzucker und Blutdruckwerte eingestellt sind. Die wichtigste Maßnahme, um eine diabetische Retinopathie zu verhindern oder aufzuhalten, ist die möglichst normnahe Einstellung der Blutzuckerwerte.

Wie wichtig ist die Früherkennung durch regelmäßige Untersuchungen beim Augenarzt?

Das Tückische bei der Retinopathie ist, dass die Erkrankung lange Zeit keinerlei Beschwerden verursacht, obwohl eine Behandlung bereits notwendig ist: Wenn sich im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auch das Sehvermögen verschlechtert hat, lässt sich die Sehkraft nur in seltenen Fällen wieder vollständig herstellen.

Umso wichtiger ist es, die Vorboten einer Retinopathie so früh wie möglich zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Hierfür sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen unerlässlich: Der Augenarzt kann den Augenhintergrund (Fundus) mit einfachen Mitteln untersuchen und dabei sehr schnell feststellen, ob Schäden an den kleinen Blutgefäßen in der Netzhaut vorliegen.