Voraussetzung ist meist eine Schwächung der Arterienwand. Diese entsteht oft durch Ablagerungen (Arteriosklerose). Entsprechend sind von solchen Gefäßveränderungen oft ältere Menschen über 60 Jahre betroffen. Die selteneren, angeborenen Aneurysmen können auch bei jungen Menschen auftreten.

Mehr als die Hälfte der Aneurysmen befinden sich an der Bauchschlagader (Aorta). Neben diesem sogenannten Bauchaortenaneurysma kann ein Aneurysma auch an den Becken- und Beinschlagadern, den Schlagadern im Hals- und Brustbereich sowie im Gehirn vorkommen.

Laut Definition wird eine Erweiterung der Bauchschlagader über drei Zentimeter und der Beckenschlagader über zwei Zentimeter - das entspricht jeweils etwa der Verdoppelung des normalen Durchmessers - als Aneurysma klassifiziert.

Was sind die Ursachen eines Aneurysmas?

Angeboren: Häufigste Ursache für eine Gefäßaufweitung im Gehirn sind angeborene Fehlbildungen im Bereich der Arterienwand, die im Verlauf zu einer Ausbuchtung führen. Im Bereich der Körperschlagadern sind angeborene Aneurysmen sehr selten.

Erworben: Der überwiegende Teil der Aneurysmen entsteht durch Ablagerungen in der Gefäßwand (Arteriosklerose). Diese Ausbuchtungen finden sich vorwiegend in der Hauptschlagader und im Bereich der Gliedmaßen. Zu beachten ist, dass viele der betroffenen Patienten mehr als ein Aneurysma haben. Risikofaktoren für Arteriosklerose sind Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Rauchen. Häufiger als zur Gefäßerweiterung führen diese Faktoren zu Gefäßverengungen mit nachfolgenden Durchblutungsstörungen.

Als seltenere Ursachen für eine Arterienausbuchtung kommen anscheinend auch Infektionen der Gefäßwand und Gefäßverletzungen (sogenanntes falsches Aneurysma) in Frage. Nach Verletzungen einer Arterie kann sich ebenfalls eine Schwachstelle entwickeln, an der sich die Gefäßwand ausbeult. Somit könnte nach Herzkatheteruntersuchungen in wenigen Fällen an der Stelle des Kathetereintritts (meist in der Leiste) ebenfalls eine Ausbuchtung entstehen.

Wie macht sich ein Aneurysma bemerkbar?

Gefäßaussackungen können durch eine Blutung, einen Gefäßverschluss oder durch die Verdrängung benachbarter Organe in Erscheinung treten.

Gefäßaussackungen der unteren Körperhälfte

Die Bauchschlagader (Bauchaorta) ist der am häufigsten betroffene Bereich, an dem Gefäßaussackungen zu finden sind. In der Regel bleiben die Betroffenen lange Zeit ohne Beschwerden und das Aneurysma bleibt unentdeckt. Schmerzen, vor allem Rücken-, Brust- oder Bauchschmerzen, treten bei Aussackungen der Bauchschlagader erst spät auf und deuten dann häufig bereits auf eine sehr große Gefäßveränderung hin. Weitere Stellen, an denen Gefäßaussackungen auftreten und oft selbst getastet werden können, sind die Leiste und Kniekehle.

Aussackungen der Hauptschlagader im Brustkorb

Eine weniger häufige Form ist die Aussackung der Hauptschlagader im Brustkorb. Auch diese Form von Aneurysmen kann lange unbemerkt bleiben. Sie kann sich aber auch durch starke Rückenschmerzen oder Brustschmerzen bemerkbar machen. Häufig wird sie jedoch zufällig bei einer Röntgenaufnahme der Lunge entdeckt.

Aussackungen von Gehirnarterien

Aneurysmen der Schlagadern des Gehirns machen häufig keinerlei Probleme. Sie können im Frühstadium aber auch durch Kopfschmerzen oder Nervenausfälle in Erscheinung treten. Wenn ein Aneurysma im Inneren des Schädels (intrakraniell) platzt, besteht durch eine Hirnblutung meist Lebensgefahr. Plötzlich auftretende, heftige Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lähmungen und Benommenheit können auf eine Hirnblutung hinweisen. Gerade im Fall von Hirnaneurysmen liegt oft eine angeborene Veranlagung vor. Wenn ein Aneurysma auffällig geworden ist, sollte deshalb nach weiteren Gefäßmissbildungen gesucht werden. Nicht selten, – die Angaben schwanken zwischen 15–30 Prozent – haben Menschen mit einem intrakraniellen Aneurysma weitere Gefäßaussackungen.

Welche Untersuchungen müssen durchgeführt werden?

Neben der Befragung nach eventuellen Beschwerden, Vor- und Begleiterkrankungen, Risikofaktoren und Ähnlichem, führt der Arzt eine körperliche Untersuchung mit Abtastung der oberflächlichen Arterien in Leiste, Kniekehle und Fußrücken sowie des Bauches durch. Die Diagnose ergibt sich bei einem Aneurysma häufig zufällig im Rahmen einer Routine-Untersuchung. Denn viele Patienten haben keine Beschwerden. So sind die meisten Gefäßaussackungen der Aorta Zufallsbefunde bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes oder bei Kontrastmitteluntersuchungen der Blutgefäße.

Diese Untersuchungen sollten beim Vorliegen eines Aneurysmas erfolgen, um das Ausmaß der Erkrankung abzuschätzen und die richtige Behandlung einzuleiten. Die Ultraschalldiagnostik eignet sich auch als Screeninguntersuchung, um Patienten mit Aneurysmen der Bauchaorta herauszufiltern. Ebenso ist die Ultraschalluntersuchung zur Verlaufskontrolle von noch nicht versorgungspflichtigen Aneurysmen geeignet, da sie ohne Strahlenbelastung für den Patienten auskommt.

Zusätzlich wird bei Aneurysmen des Brustkorbes und der Bauchschlagader eine Computertomographie (CT) durchgeführt, um genauere Angaben zur Planung einer eventuellen Operation zu erhalten. Auch die Darstellung der Blutgefäße im Gehirn erfolgt mit Computertechnik.

Wann und wie werden Gefäßaussackungen behandelt?

Gefäßaussackungen des Bauchraumes

Die Behandlung einer Gefäßaussackung ist in der Regel ein operativer Eingriff. Entscheidend ist hierbei die Größe des Aneurysmas. Denn je größer das Aneurysma, desto größer ist die Gefahr, dass es platzen kann. In diesem Fall besteht Lebensgefahr, da die Blutung ohne Notfall-Operation nicht zum Stillstand gebracht werden kann. Der Patient kann innerlich verbluten.

Ab einem Durchmesser des Aneurysmas von fünf Zentimetern steigt die Gefahr des Einreißens der Arterienwand erheblich an. Bei kleineren Aneurysmen ist ein chirurgischer Eingriff nicht immer erforderlich, sie müssen jedoch in regelmäßigen Abständen mittels Ultraschall kontrolliert werden. Neben der Größe sind Lage, Längenausdehnung und Beschaffenheit der Aussackung entscheidend.

Bei der Operation wird der erkrankte Gefäßabschnitt durch ein künstliches Blutgefäß ersetzt. Die Operation ist ein größerer Eingriff, der einige vorbereitende Untersuchungen verlangt. Insbesondere dem Zustand von Herz und Lunge kommt besondere Bedeutung zu, da Komplikationen während und nach der Operation meist nicht durch die Gefäßprothese, sondern durch Herz- und Atmungsprobleme hervorgerufen werden.

Je nach der Lage des Aneurysmas können Arterien, die zu den Nieren, den Bauchorganen oder dem Rückenmark aus der Aorta abzweigen, durch die Aussackung selbst, aber auch während und nach der Operation schlechter durchblutet werden. Bleibende Funktionseinschränkungen der Nieren sind aber selten. Durch die Veränderung der Durchblutung im Unterleib können nach der Operation bei Männern Potenzprobleme auftreten.

Ein neueres Verfahren ist die Einführung von Gefäßprothesen über die Leistenarterien. Dabei muss der Bauchraum nicht geöffnet werden, sodass dieses Vorgehen für die Patienten weniger belastend als eine offene Operation ist. Allerdings eignet sich die Methode nicht für jeden Betroffenen.

Aussackungen der Hauptschlagader im Brustkorb

Eine Gefäßaussackung im Bereich des Brustkorbes ist risikoreich. Zum einen besteht ebenso wie bei Aneurysmen der Aorta im Bauchbereich die Gefahr, dass das Gefäß platzt. Der Patient kann dann an seinen inneren Blutungen versterben. Zum anderen ist auch die operative Behandlung mit hohen Risiken verbunden. Neben den bereits genannten Komplikationen von Herz und Lunge besteht bei künstlichem Ersatz dieses Gefäßabschnittes die Gefahr einer Querschnittslähmung. Daher ist eine operative Behandlung für jeden Einzelfall abzuwägen und nur in einem darauf spezialisierten Zentrum vorzunehmen.

Aussackungen an den Beinschlagadern

Aneurysmen der Beingefäße befinden sich häufig im Bereich der Kniekehle. Nicht in jedem Fall muss eine Gefäßaussackung in diesem Bereich operiert werden. Allerdings besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen, wenn nicht operiert wird. Eine Operation ist angezeigt

  • beim Platzen des Aneurysmas,
  • bei Abschnürung von Nerven und Venen,
  • bei Embolien (Ausbildung von Blutgerinnseln) im Aneurysma,
  • ab einer bestimmten Größe und Längenausdehnung (Elongation),
  • bei Symptomen.

Bei der Operation wird der erkrankte Gefäßabschnitt herausgetrennt und durch einen Gefäßersatz ausgetauscht. Meistens verwenden die Gefäßchirurgen dazu ein Stück einer körpereigenen Vene. Wenn die Durchblutung im Bereich der Gefäßveränderung eingeschränkt ist, muss ein Bypass (Gefäß-Umleitung) angelegt werden. Das Hauptproblem beim Gefäßersatz im Bereich der Kniekehle ist die Möglichkeit einer Verstopfung durch Blutgerinnsel und damit eine Beeinträchtigung der Beindurchblutung.

Aussackungen von Schlagadern im Gehirn

Aneurysmen der Hirnarterien werden im Gegensatz zu den anderen nicht von Gefäßchirurgen, sondern von Neurochirurgen behandelt. Dabei richtet sich die Behandlung unter anderem nach Größe und Lage des Aneurysmas sowie nach Alter und etwaigen Vorerkrankungen des Patienten.

Oft wird das Aneurysma geclippt, das bedeutet, die Verbindung der Aussackung mit dem Blutgefäß wird operativ durch einen Clip unterbrochen. Dadurch ist ein Platzen unmöglich. Eine weitere Methode ist, je nach Form und Ausdehnung des Aneurysmas, der Verschluss durch Metallspiralen (englisch: Coils). Es gibt sie in unterschiedlichen Größen. Sie werden über einen Katheter von der Leiste aus in den Bereich der Aussackung gebracht. Durch den Fremdkörperreiz kommt es zur gewünschten Bildung eines Blutgerinnsels. So wird das Gefäß verschlossen und es kann nicht mehr platzen.

Wie verhält man sich nach der Behandlung?

Patienten, die einen Gefäßersatz der Hauptschlagader - egal ob im Brust- oder Bauchraum - bekommen haben, müssen ihre körperliche Aktivität in der Regel nach einer gewissen Erholungsphase nicht einschränken. Waren jedoch Gefäßabschnitte im Bereich von Gelenken betroffen, sind Tätigkeiten mit starker Beugung der Gliedmaßen zu vermeiden.

Alle Patienten erhalten zumindest vorübergehend eine Form von Blutverdünnung. Welches Medikament verordnet wird, hängt zum Beispiel vom Ort des Gefäßersatzes ab. Zudem ist bei allen Patienten eine regelmäßige ärztliche Untersuchung mit Ultraschall notwendig. Dies sollte zum einen zur Kontrolle des Gefäßersatzes und seiner Nahtstellen dienen, zum anderen mögliche neue Aneurysmen an anderen Stellen erkennen helfen.

Bei bekannten Gefäßmissbildungen im Schädelinneren, die nicht operiert wurden, sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.