Kreuzschmerzen setzen meistens plötzlich ein und halten selten länger als sechs Wochen an. In den meisten Fällen verschwinden diese ungefährlichen Rückenschmerzen nach einigen Tagen von selbst.

Am häufigsten treten Rückenschmerzen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule auf. Beschränken sich die Schmerzen auf den unteren Rücken, ohne ins Bein auszustrahlen, nennt Ihr Arzt das zum Beispiel Lumbago oder Lendenwirbelsäulen (LWS) -Syndrom.

Abhängig vom zeitlichen Verlauf spricht man von

  • akuten Kreuzschmerzen, wenn die Beschwerden kürzer als sechs Wochen andauern,
  • subakuten Kreuzschmerzen, wenn die Beschwerden länger als sechs Wochen andauern,
  • chronischen Kreuzschmerzen, wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen andauern,
  • rezidivierenden Kreuzschmerzen, wenn die Beschwerden nach einer beschwerdefreien Phase von mindestens sechs Monaten erneut auftreten. 

Meistens ist keine konkrete Ursache für die Beschwerden zu finden. Diese Form der Rückenschmerzen bezeichnet man daher als nicht spezifische Kreuzschmerzen. Davon abzugrenzen sind spezifische Kreuzschmerzen, die auf eine feststellbare Ursache, zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall, zurückzuführen sind.

Was sind Wirbelsäule und Bandscheiben?

Anhand dieses Kapitels können Sie sich ein Bild der Wirbelsäule machen. Überlegungen zu Schmerzentstehung und Behandlung sind dann leichter nachzuvollziehen.

Unsere Wirbelsäule ist wie ein doppeltes S geschwungen. Sie besteht aus harten Elementen, den Wirbeln, und weichen, flexiblen Elementen, den zwischen den Wirbelkörpern liegenden Bandscheiben. Die 24 gegeneinander beweglichen Knochen, die Wirbel, umschließen und schützen das Rückenmark wie eine gelenkige Röhre. Am oberen Ende der Wirbelsäule sitzt der Schädel, am unteren Ende das Becken.

Das Rückenmark selbst besteht aus Nervengewebe. Vom Rückenmark aus ziehen Nerven in alle Bereiche des Körpers. Die gegeneinander beweglichen Wirbel werden von zahlreichen Muskeln und festen Bändern zusammengehalten.

Viele Patienten glauben, dass die Wirbelsäule sehr empfindlich sei und bei Bewegungsübungen Nerven eingeklemmt würden. Deswegen schonen sie ihren Rücken, wenn er schmerzt.

Diese Sorge ist verständlich, aber normalerweise unberechtigt, denn das ausgeklügelte Zusammenspiel von Knochen, Bändern und Muskeln sorgt dafür, dass die Wirbelsäule zwar beweglich, aber trotzdem extrem belastbar ist.

Die Bandscheiben liegen wie "Stoßdämpfer" zwischen den einzelnen Wirbelkörpern. Sie berühren das Rückenmark jedoch nicht. Bänder, Muskulatur und Bandscheiben sorgen dafür, dass die Wirbelsäule gleichzeitig stabil und beweglich ist.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Bei einem Bandscheibenvorfall bewegt sich meistens nicht die Bandscheibe selbst, sondern es kommt zu einem Austritt von Gallertmasse aus dem Kern, die auf die Rückenmarksnerven drücken kann.

Was bedeutet Ischias?

Viele Nerven ziehen vom Rückenmark aus in alle Bereiche des Körpers. Der dickste und längste von ihnen wird Ischias-Nerv (Nervus ischiadicus) genannt. Der Ischias-Nerv reicht von der Lendenwirbelsäule bis zum Fuß. Wird er im Bereich der Wirbelsäule "gereizt", empfinden die Betroffenen dies möglicherweise als Schmerz, Kribbeln oder Schwäche des Beines beziehungsweise des Fußes.

Was ist ein Hexenschuss?

Tritt nach einer bestimmten Bewegung ein plötzlicher, stechender Schmerz im Kreuz auf, so spricht man von Hexenschuss. Ausgelöst wird er meist durch alltägliche Bewegungen wie Heben, Drehen oder Bücken beziehungsweise Aufrichten. Häufig können die Betroffenen ihren Rücken nicht mehr strecken. Die Schmerzen strahlen meistens jedoch nicht ins Bein aus. Ein Hexenschuss wird nur selten durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst.

Ursachen von Rückenschmerzen

Was haben "Verspannung", "Verschleiß", "Osteoporose" oder  "Skoliose" mit akuten Rückenschmerzen zu tun?

Eine häufige Ursache von Rückenschmerzen ist eine Reizung der Nerven durch umliegende, verspannte Muskeln.

Mit Verschleißerscheinungen sind Abnutzungserscheinungen der Wirbelkörper-Knochen und der Bandscheiben gemeint. Ab einem gewissen Alter sind Verschleißerscheinungen bei fast allen Menschen zu finden. Verschleiß kann, muss aber nicht zu Rückenschmerzen führen.

Bei der Osteoporose, die überwiegend Frauen betrifft, nimmt die "Knochenmasse" ab. Dadurch kommt es häufiger zu Frakturen und nachfolgend zu einer Abnahme der Höhe der Wirbelkörper, was zu erheblichen Rückenschmerzen führen kann.

Eine Skoliose ist eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule, bei der vor allem im Erwachsenenalter als Folge der Fehlbelastung Rückenschmerzen auftreten können. Eine Skoliose, die Schmerzen verursacht, sollte vom (Fach-)Arzt behandelt werden.

Welche Krankheitszeichen sind typisch?

Kreuzschmerzen können sich plötzlich "von der Hexe geschossen" oder allmählich entwickeln. Häufig verstärken sie sich bei bestimmten Bewegungen oder Fehlhaltungen. Oft sind sie so stark, dass eine schlimme Erkrankung als Ursache vermutet wird, was jedoch nur sehr selten der Fall ist. Manchmal strahlen die Schmerzen bis in das Bein aus.

Sind Rückenschmerzen gefährlich?

Starke Schmerzen sind nicht nur unangenehm, sondern auch beunruhigend. Man möchte wissen, was "dahinter steckt" und vermutet, dass es sich um eine ernsthafte Erkrankung handeln könnte.

Glücklicherweise steckt jedoch nur selten eine schwerwiegende Ursache dahinter, die eine sofortige Behandlung erforderlich macht. Solche spezifischen Ursachen machen sich fast immer durch bestimmte Warnhinweise bemerkbar. Treten solche Warnhinweise auf, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen!

Warnhinweise (Red Flags) sind zum Beispiel:

  • Plötzliche zunehmende Schwäche, Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Lähmungserscheinungen der Beine
  • Plötzlich einsetzende Unfähigkeit, Urin oder Stuhl bei sich zu halten
  • Fieber, Schüttelfrost
  • Hinweise auf einen Wirbelbruch, beispielsweise einen Unfall