Freiwillige Weiterversicherung bei Auslandseinsätzen
Ob langfristiger Auslandseinsatz oder dauerhafte Tätigkeit im Ausland - damit Ihre Beschäftigten keine Versorgungslücken riskieren, kommt eine freiwillige Weiterversicherung in der deutschen Sozialversicherung infrage. Lesen Sie, wie sie funktioniert, worauf Sie achten sollten und in welchen Fällen sie besonders sinnvoll ist.
Bevor sich Ihre Mitarbeitenden für eine freiwillige Weiterversicherung entscheiden, sollten Sie gemeinsam prüfen, ob eine freiwillige Weiterversicherung überhaupt infrage kommt - und in welchen Fällen sie sinnvoll ist.
Quick-Check: In diesen Situationen kann eine freiwillige Weiterversicherung passend sein
- Für Ihre Beschäftigten besteht keine weiterwirkende deutsche Sozialversicherungspflicht mehr.
- Das Einsatzland bietet keinen oder nur einen eingeschränkten sozialen Schutz.
- Ihre Mitarbeitenden möchten Ansprüche im deutschen Sozialversicherungssystem - etwa in der Renten- oder Krankenversicherung - erhalten.
In der Praxis ist die freiwillige Weiterversicherung vor allem dann empfehlenswert, wenn mit dem Einsatzland kein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland besteht (vertragloser Drittstaat) bzw. das Abkommen nur Teile der sozialen Sicherung abdeckt.
Wichtig: Die freiwillige Weiterversicherung ersetzt nicht die Absicherung vor Ort. Private Versicherungen (z. B. Auslandskrankenversicherung, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung) bleiben wichtig.
Absicherung bei fehlender Sozialversicherungspflicht
Wenn Ihre Beschäftigten im Ausland nicht mehr in Deutschland sozialversicherungspflichtig sind, sollten Sie dafür sorgen, dass sie möglichst umfassend geschützt sind.
Optimal ist eine Kombination aus:
- Freiwilliger Weiterversicherung in der deutschen Sozialversicherung (z. B. Renten-, Kranken-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung) - vor allem zur Sicherung von Beitrags- und Anwartschaftszeiten.
- Privater Absicherung vor Ort - z. B. durch Auslandskranken-, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen, um das Risiko im Einsatzland selbst abzufedern.
Die Wege im Überblick - nach Versicherungszweigen
Je nach Versicherungszweig läuft die freiwillige Weiterversicherung unterschiedlich ab.
Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) - freiwillige Mitgliedschaft / Anwartschaft
Wenn im Einsatzland eine gesetzliche Versicherungspflicht besteht, ist in der Regel nur eine Anwartschaftsversicherung möglich.
- Voraussetzung:
- innerhalb der letzten 5 Jahre mindestens 24 Monate gesetzlich versichert oder
- direkt vor dem Auslandseinsatz 12 Monate durchgehend Mitglied in der GKV
- Antrag: stellen die Mitarbeitenden bei der gewählten Krankenkasse
- Frist: in der Regel innerhalb von 3 Monaten nach Ende der gesetzlichen Krankenversicherung
- Unterlagen: Kassenantrag, Nachweis über Einkommen/Status, Nachweis Auslandseinsatz/Ende der Pflichtversicherung
- Beitragshöhe (Anwartschaft): je nach Kasse meist zwischen ca. 60 und 80 Euro
- Ziel: Fortführung der Kranken- und Pflegeversicherung, damit nach Rückkehr nahtlos wieder Leistungen aus der GKV bezogen werden können
Hinweis: Die Anwartschaft sichert den späteren Zugang zur GKV, bietet aber keinen Leistungsanspruch im Ausland.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist an die Krankenversicherung gekoppelt: Wer sich freiwillig in der GKV versichert (oder eine Anwartschaft vereinbart), ist automatisch auch in der Pflegeversicherung mitversichert.
Ziel: Zugang zu Pflegeleistungen nach der Rückkehr nach Deutschland
Rentenversicherung - freiwillige Beiträge (DRV)
- Voraussetzung: Mindestens ein früherer Beitrag zur deutschen Rentenversicherung
- Antrag: stellen die Mitarbeitenden bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV)
- Frist: grundsätzlich jederzeit möglich
- Beitragshöhe: frei wählbar zwischen Mindest- und Höchstbeitrag
- Zahlweise: monatlich oder jährlich
- Ziel: Rentenansprüche sichern bzw. erhöhen
Gut zu wissen: Beiträge können jederzeit angepasst werden.
Arbeitslosenversicherung
Eine freiwillige Arbeitslosenversicherung ist nur in Ausnahmefällen möglich, etwa bei geplanter Rückkehr nach Deutschland.
- Voraussetzung (u. a.):
- Beschäftigungsort liegt außerhalb von EU, EWR oder Schweiz
- keine Pflichtversicherung im Ausland
- mindestens 15 Wochenstunden beschäftigt
- innerhalb der letzten 24 Monate mindestens 12 Monate gesetzlich versichert
- Antrag: stellen die Mitarbeitenden bei der Agentur für Arbeit
Tipp: Verweisen Sie Ihre Mitarbeitenden an die Agentur für Arbeit, um zu prüfen, ob die Voraussetzungen im konkreten Fall erfüllt sind.
Wer zahlt die freiwillige Weiterversicherung?
Die Beiträge für eine freiwillige Weiterversicherung tragen Beschäftigte in der Regel selbst. Eine gesetzliche Verpflichtung des Arbeitgebers zur Kostenbeteiligung besteht nicht. Sie als Arbeitgeber können sich freiwillig an den Kosten beteiligen. Das kann sich für Ihr Unternehmen mehrfach auszahlen:
Positive Aspekte einer Arbeitgeberbeteiligung - Beispiele:
- Image stärken: Wer freiwillig Verantwortung übernimmt, positioniert sich als engagiertes Unternehmen. Eine Beteiligung signalisiert, dass Ihnen Ihre Beschäftigten wichtig sind - auch außerhalb Deutschlands.
- Loyalität steigern: Kostenbeteiligung zeigt Wertschätzung und erhöht die Bindung der Mitarbeitenden - gerade bei langfristigen Auslandsprojekten.
- Risiken reduzieren: Versorgungslücken (z. B. bei Rentenanwartschaften oder im Krankheitsfall) können Auslandseinsätze gefährden. Eine Beteiligung an der freiwilligen Versicherung reduziert diese Risiken.
- Planungssicherheit ermöglichen: Mit Anbindung an das deutsche System läuft die Wiederaufnahme nach dem Auslandseinsatz einfacher und schneller. Das gibt sowohl Ihnen als Arbeitgeber als auch Ihren Rückkehrenden mehr Planungssicherheit.
| To-do | Was bedeutet das? |
|---|---|
| Früh informieren | Sprechen Sie Ihre Beschäftigten rechtzeitig vor Beginn des Auslandseinsatzes auf das Thema an. So bleibt genug Zeit, um Fristen einzuhalten, Unterlagen zu besorgen und offene Fragen zur freiwilligen Weiterversicherung zu klären. Das schafft Sicherheit - für Sie und Ihre Mitarbeitenden. |
| Erwartungshaltung klären | Weisen Sie Ihre Mitarbeitenden darauf hin, dass eine freiwillige Weiterversicherung in der Regel Anwartschaften und Versicherungszeiten sichert, aber keine Leistungen im Ausland. |
| Kontakte geben | Nennen Sie den Beschäftigten konkrete Ansprechpartner:innen bei der Krankenkasse und der Deutschen Rentenversicherung. Eine direkte Kontaktaufnahme spart Zeit, vermeidet Missverständnisse und erleichtert die Antragstellung. |
| Unterlagenliste mitgeben | Erstellen Sie für Ihre Mitarbeitenden eine kurze Checkliste der notwendigen Dokumente - etwa Pass oder ID, Beschäftigungsnachweis, Einkommensunterlagen und Nachweis des Auslandseinsatzes. Das hilft, Rückfragen der Sozialversicherungsträger zu vermeiden. |
| Kosten klären | Die Beiträge tragen in der Regel die Beschäftigten selbst. Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen freiwillige Zuschüsse leisten kann - z. B. als Zeichen der Fürsorge oder im Rahmen von Entsendeprogrammen. Eine klare, transparente Regelung verhindert spätere Diskussionen. |
| Rückkehr planen | Denken Sie schon vor der Entsendung an die Reintegration. Melden Sie rechtzeitig bei der Krankenkasse, wenn Mitarbeitende zurückkehren, und klären Sie mögliche Nachversicherungen. Das erleichtert den Neustart in Deutschland und sorgt für durchgehenden Versicherungsschutz. |