Beim diesjährigen Frühlingsempfang der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg am 28. April stand die Personalisierte Medizin im Fokus. Ihr Ziel ist es, für jede Patientin und jeden Patienten die individuell erfolgversprechendste Behandlung zu finden. Die Entwicklung birgt große Chancen - etwa durch neue Möglichkeiten der Heilung und Prävention von Krankheiten. Gleichzeitig stellen ethische Fragen und die hohen Kosten neuartiger Medikamente das Gesundheitssystem vor erhebliche Herausforderungen. Gastgeberin und Leiterin der TK-Landesvertretung, Nadia Mussa, stellte daher die zentrale Frage, ob unser Gesundheitssystem für diese Präzisionsrevolution bereit sei.

Zur inhaltlichen Einstimmung stellte Prof. Dr. med. Olaf Rieß, Ärztlicher Direktor des Instituts für Medizinische Genetik und angewandte Genomik am Universitätsklinikum Tübingen, in einem Video das Projekt "Genome of Europe" vor. Dieses Vorhaben hat sich zum Ziel gesetzt, das Erbgut, also die Genome, von 100.000 Menschen zu entschlüsseln, um mit den Erkenntnissen sowohl die Gesundheitsvorsorge als auch die Diagnostik seltener Erkrankungen zu verbessern.

Genome of Europe

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Auf einem guten Weg

Prof. Dr. med. Nisar Peter Malek

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Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik I und Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Personalisierte Medizin (ZPM) am Universitätsklinikum Tübingen

"Die richtige Therapie für den richtigen Patienten zur richtigen Zeit" - so fasste Prof. Dr. med. Nisar Peter Malek, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik I und Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Personalisierte Medizin (ZPM) am Universitätsklinikum Tübingen, den Anspruch der personalisierten Medizin zusammen. Man sei auf einem guten Weg, dieses Versprechen tatsächlich einzulösen: Die bisherigen Erfahrungen aus dem ZPM-Verbund Baden-Württemberg liefern laut Prof. Malek völlig neuartige und präzise Erkenntnisse darüber, welche Therapien bei bestimmten Erkrankungen wirksam sind und welche nicht. 

INTEGRATE-ATMP

Wie also muss der Behandlungsprozess gestaltet werden, damit die Möglichkeiten der personalisierten Medizin optimal eingesetzt werden können? Dieser Frage widmet sich das Innovationsfondsprojekt "INTEGRATE-ATMP". Projektleiterin Dr. med. Maria-Luisa Schubert erläuterte im zweiten Video des Abends, wie eine bestmögliche Versorgung von Patientinnen und Patienten, die Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMPs) erhalten, erfolgen kann. An dem Projekt nehmen deutschlandweit 24 Behandlungszentren unter der Leitung des Universitätsklinikums Heidelberg teil. Die TK ist Konsortialpartner und unterstützt das Vorhaben.

Projekt Inte­grate ATMP

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Screenings nur bei erfolgversprechenden Therapien

Prof. Dr. med. Ute Spie­ker­kötter

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Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg

Prof. Dr. med. Ute Spiekerkötter, Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg, lenkte den Blick auf das Neugeborenenscreening. Sie erläuterte Chancen und Risiken einer Ausweitung auf genomische Analysen und betonte, dass solche Screenings nur dann sinnvoll seien, wenn für die identifizierten Erkrankungen auch erfolgversprechende Therapien zur Verfügung ständen. Theoretisch könne man zwar auf mehrere tausend Krankheiten testen, jedoch existierten nur für einen Bruchteil dieser Erkrankungen geeignete Behandlungsmöglichkeiten.

Mit Mehrkosten verbunden

Tim Steimle

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Apotheker und Leiter des Fachbereichs Arzneimittel der Techniker Krankenkasse

Tim Steimle, Apotheker und Leiter des Fachbereichs Arzneimittel der Techniker Krankenkasse, machte deutlich, dass die TK die Entwicklung neuer sinnvoller Therapien und  den freien Zugang aller Betroffenen unterstützt. Er rechnete aber auch vor, dass mit der aktuellen Preisgestaltung Mehrkosten von rund 36 Milliarden Euro pro Jahr auf die GKV zukämen. Damit nutzenbringende Verfahren in die Versorgung Eingang finden, müssten jetzt alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen zur Kostensteuerung im Arzneimittelmarkt angewendet werden.

Die Beiträge und Diskussionen des Abends haben eindrücklich gezeigt, wie vielversprechend, aber auch komplex die personalisierte Medizin ist. Ihr Potenzial für eine präzisere und wirksamere Versorgung ist enorm - zugleich erfordert ihre Umsetzung sorgfältige Abwägungen in ethischer, struktureller und finanzieller Hinsicht.

Vernetzen und austauschen

Der anschließende Empfang bot viel Zeit und Raum für den persönlichen Austausch bei Fingerfood und Getränken.

Wir haben einige Momente festgehalten und in einer Bildergalerie zusammengestellt. Viel Spaß beim Anschauen.