Stuttgart, 19. Januar 2026. Allein in Baden-Württemberg könnten die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen pro Jahr um rund 456 Millionen Euro reduziert werden, wenn die Preise der 30 umsatzstärksten Medikamente an das internationale Niveau angepasst würden. Eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt dieses Ergebnis. Auf Bundesebene liegt das Einsparpotenzial sogar bei insgesamt 4,73 Milliarden Euro.

"Im Vergleich mit anderen Industrienationen, wie beispielsweise den skandinavischen Ländern Dänemark und Norwegen oder Staaten wie Japan und Südkorea, zahlen wir in Deutschland deutlich mehr für dieselben Medikamente", sagt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. "Wir zahlen bei einzelnen Medikamenten bis zu 76 Prozent mehr."

Den gesetzlich Versicherten in Baden-Württemberg wurden im Jahr 2024 Arzneimittel im Wert von 7,6 Milliarden Euro verordnet. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 8,1 Prozent, im Vergleich zu 2019 sogar um rund 27 Prozent. Die TK bezieht sich dabei auf aktuelle Daten des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung.

Kurzfristig umsetzbare Maßnahmen

Nach Einschätzung der TK ließen sich die Ausgaben für Arzneimittel durch mehrere kurzfristig umsetzbare Maßnahmen spürbar senken. Ein reduzierter Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel von aktuell 19 auf sieben Prozent allein könnte bis zu sieben Milliarden Euro einsparen. Eine Erhöhung des Herstellerabschlags für Patentarzneimittel auf 17 Prozent, würde noch mal drei Milliarden bringen.

Weitere Informationen zum Thema Arzneimittelausgaben und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem Factsheet Arzneimittelausgaben (PDF, 272 kB) zusammengefasst

Hinweis für die Redaktion

Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen.

Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP. Die Einsparpotenziale pro Bundesland wurden proportional zu den Abgabemengen im jeweiligen Bundesland bestimmt.