Umfrage zum Gesundheitssystem: Breite Mehrheit für Reformen
Pressemitteilung aus Baden-Württemberg
Stuttgart, 5. März 2026. Weiter so ist keine Option. 96 Prozent der Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger sprechen sich für Änderungen im deutschen Gesundheitswesen aus. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) sehen 67 Prozent in Teilen des Systems Reformbedarf. 29 Prozent der Befragten sind sogar für grundlegende und umfassende Reformen. Die gute Nachricht: Noch zeigen sich 76 Prozent der Befragten mit ihrer persönlichen Gesundheitsversorgung in Baden-Württemberg mindestens zufrieden.
52 Prozent entscheiden sich für Notaufnahme
"Das Ergebnis ist trotzdem ein klares Signal, auch für die kommende Landesregierung, dass strukturelle Reformen notwendig sind", erklärt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Vor allem der Zugang in die Gesundheitsversorgung müsse klarer geregelt werden. Laut Umfrage habe jede und jeder Zweite bei Beschwerden außerhalb der Praxisöffnungszeiten die Notaufnahme in einem Krankenhaus aufgesucht. Das zeigt sich auch in Daten des Statischen Bundesamts: In Baden-Württemberg gab es 2024 fast 1,5 Millionen Notfallbehandlungen in den Krankenhäusern. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 30 Prozent innerhalb von fünf Jahren. "In vielen Fällen ist die Notaufnahme nötig, aber oftmals können gesundheitliche Anliegen auch vom Bereitschaftsdienst geklärt werden, oder bis zum nächsten Praxistag warten. Vielen Menschen fehlt hier in unserem System die Orientierung", beobachtet Mussa.
Ersteinschätzung weist den richtigen Weg
So werde der Patientenservice über die bundesweite Rufnummer 116 117 immer noch zu wenig genutzt: "Nur sechs Prozent der Befragten haben außerhalb der Praxisöffnungszeiten unter 116 117 den ärztlichen Bereitschaftsdienst kontaktiert. Wir brauchen künftig ein allen bekanntes Ersteinschätzungstool, das telefonisch, digital in der Krankenkassen-App oder in der Praxis vor Ort, die Menschen in die richtige Versorgung weist", so Mussa. Laut Umfrage könnten 67 Prozent der Befragten sich vorstellen, eine medizinische Ersteinschätzung zu nutzen. "Elementar für die Akzeptanz eines solchen Verfahrens sind verfügbare Termine, die je nach Dringlichkeit vermittelt werden können. Dafür müssten Arztpraxen verpflichtet werden, einen gewissen Anteil an Kapazitäten für eine zentrale Terminplattform bereitzustellen", betont die TK-Leiterin.
Vernetzung ist Ländersache
Die Menschen in Baden-Württemberg sehen die Landespolitik in der Pflicht, wenn es darum geht, für eine bessere Vernetzung zwischen Niedergelassenen, Krankenhäusern und Pflegediensten zu sorgen. 87 Prozent halten das für wichtig oder sehr wichtig. "Die Plattform MEDI:CUS, die von der jetzigen Landesregierung gefördert wird, ist eine gute Basis", erklärt die TK-Landeschefin. Sie müsse aber auch künftig mit einer klaren Digitalisierungsstrategie für alle Gesundheitssektoren weiterentwickelt werden und dürfe nicht an Sektoren- oder Ländergrenzen Halt machen.
Qualität vor Wohnortnähe
Eine große Mehrheit von 85 Prozent der Befragten unterstützt die Forderung, dass Baden-Württemberg mehr Geld für die Modernisierung von Kliniken bereitstellt. "Neben ausreichenden Investitionen ist vor allem eine konsequente Umsetzung der Krankenhausreform auf Landesebene notwendig - mit dem Fokus auf Qualität und den tatsächlichen Bedarf", betont Nadia Mussa. Für eine hochwertige Behandlung nähmen die Menschen auch weitere Wege in Kauf. Jedenfalls bestätigten 89 Prozent der Befragten, dass sie für eine planbare Therapie oder Operation eher ein Krankenhaus mit umfassender Erfahrung wählen würden als eine nichtspezialisierte Klinik vor Ort.
Info für die Redaktion
Für die repräsentative telefonische Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa im November 2025 insgesamt 1.002 Personen ab 18 Jahre bevölkerungsrepräsentativ für das Bundesland Baden-Württemberg.