Der Ersatz des natürlichen Gelenks durch eine künstliche Knieendoprothese gehört mit rund 250.000 Eingriffen im Jahr zu den häufigsten Operationen in Krankenhäusern. Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Dr. Jens Baas erklärt: "Die Auswertungen unseres bestehenden Zweitmeinungsangebots in Schmerzzentren zeigen, dass 85 Prozent der Eingriffe zum aktuellen Zeitpunkt nicht notwendig sind." Viele Patientinnen und Patienten könnten mit einem gezielten Muskelaufbau noch länger ohne Knieprothese auskommen. "Zudem haben künstliche Gelenke eine begrenzte Haltbarkeit und jeder Eingriff ist mit Risiken verbunden", so Baas. Die Experten der FKG sehen in dem Ausbau der Zweitmeinung einen Vorschlag zur Verbesserung der Versorgungsqualität. Gleichzeitig sollen so Ausgaben für unnötige Operationen eingespart werden. 

Interdisziplinäre Schmerzteams: 58% der Hüft-OPs nicht angezeigt

Zur Überprüfung, ob der Eingriff tatsächlich notwendig ist oder ob es noch schonendere Alternativen gibt, bietet die TK seit 2009 einen Vertrag mit einem Netz von derzeit bundesweit 25 spezialisierten Schmerzzentren an. TK-Versicherte können dort die OP-Empfehlung für Rückenoperationen sowie Gelenkersatz an Knie, Hüfte oder Schulter überprüfen lassen. Die Ergebnisse sind eindrucksvoll: Bei 88 Prozent der Teilnehmer mit Rückenschmerzen hat das interdisziplinäre Schmerzteam aus Schmerztherapeut, Physiotherapeut und Psychologe von der im Raum stehenden Rückenoperation abgeraten und innerhalb eines Jahres wurde auch tatsächlich keine Operation durchgeführt. Bei Hüftendoprothesen waren 58 Prozent der Operationen im Jahr nach der Zweitmeinung nicht erforderlich. 

88 Prozent der Rücken­ope­ra­tionen sind unnötig

TK-Infografik: 88 Prozent der Rückenoperationen sind nicht notwendig. Quelle: TK, 2024. Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Die Zweitmeinung vor Eingriff an der Wirbelsäule zeigt, dass 88 Prozent der Rückenoperationen unnötig sind. Quelle: TK 

Zweitmeinung online mit DocRobin

Damit noch mehr Versicherte die Leistung nutzen können, bietet die TK in Kooperation mit dem Münchner Start-Up DocRobin seit 2024 auch eine Zweitmeinung online an. Versicherte mit einer Empfehlung für einen Knie- oder Hüftgelenkersatz sowie für eine Rücken-Operation können diese von zuhause jederzeit nutzen. Auf dem Online-Portal führt ein Avatar die Patientinnen und Patienten durch den Dialog. Dabei befragt der Avatar die Nutzerinnen und Nutzer unter anderem zu Schmerzen, bisherigen Behandlungen und Mobilitätseinschränkungen. Außerdem laden die Nutzerinnen und Nutzer ihre radiologischen Aufnahmen und Befunde im Portal hoch. Die Bilder werden - teilweise unterstützt von künstlicher Intelligenz (KI) - analysiert.

Ärztliche Gutachten innerhalb von zwei Werktagen 

Spezialisierte Ärztinnen und Ärzte beurteilen die medizinischen Unterlagen. Die Versicherten erhalten so bequem innerhalb von zwei Werktagen ein individuelles ärztliches Zweitmeinungs-Gutachten. Dieses zeigt OP-Alternativen auf oder bestätigt die OP-Empfehlung. Auf Wunsch können die Versicherten das Ergebnis auch per Telefon oder Videosprechstunde mit den Fachärztinnen und Fachärzten besprechen. Das Angebot ist zu 100 Prozent leitliniengerecht. 

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