Patienten, die unter schmerzhaften Rückenbeschwerden leiden oder bei denen etwa aufgrund einer Arthrose an Hüfte, Knie oder Schulter ein künstliches Gelenk eingesetzt werden soll, erscheint eine Operation oft als letzter Ausweg. Erfahrungsgemäß bringt jedoch eine Operation - die grundsätzlich auch immer mit Risiken verbunden ist - oft nicht den erhofften Erfolg. TK-Versicherte, denen der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin eine Operation empfiehlt, können im Rahmen eines besonderen Behandlungsangebots der TK bei ausgesuchten Spezialisten eine zweite Meinung einholen.

Weder notwendig noch sinnvoll

"Schmerzen am Rücken oder in den Gelenken sind komplex. Häufig gehen sie auf zusätzliche Ursachen zurück, die auf Röntgen-, MRT- oder CT-Bildern gar nicht erfasst werden und sich mit einer Operation nicht beseitigen lassen. In diesen Fällen ist eine Operation am Rücken oder der Einsatz eines künstlichen Gelenks weder notwendig noch sinnvoll. Der Eingriff kann dann gar nicht helfen, die Schmerzen zu beseitigen", sagt Dr. Sabine Schneider, Fachärztin am Schmerz- und Palliativzentrum Rhein-Main in Wiesbaden.

Schmerzen am Rücken oder in den Gelenken sind komplex. Dr. Sabine Schneider

Dr. Sabine Schneider

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Fachärztin am Schmerz- und Palliativzentrum Rhein-Main in Wiesbaden

OP möglichst vermeiden

Dr. Gabriele Müller, Fachärztin am Schmerzzentrum in Frankfurt: "Beispielsweise können Beschwerden im Kniegelenk durch eine Arthrose entstehen und durch eine Stärkung der Muskulatur kompensiert werden. Oder wir können bei Beschwerden an der Hüfte, die durch eine Fehlhaltung ausgelöst werden, den Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks vermeiden. Eine OP kann auch bei Rückenbeschwerden vermieden werden, bei denen psychosomatische Stressfaktoren oder Verspannungen der Auslöser für starke Schmerzen sind. Dafür benötigen wir mehr Zeit und andere Behandlungsmöglichkeiten, als die Regelversorgung zulässt." 

Eine Operation kann bei Gelenk- oder Rückenbeschwerden oft vermieden werden. Dr. Gabriele Müller

Gabriele Müller

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Fachärztin am Schmerzzentrum in Frankfurt

Überzeugende Statistik

Eine Auswertung des besonderen Behandlungsangebots der TK zeigt: Bei acht von zehn Patienten in Hessen, die sich vor einer geplanten Wirbelsäulenoperation eine professionelle zweite Meinung eingeholt haben, haben die Spezialisten den Eingriff als nicht notwendig eingestuft und eine nichtoperative Behandlung empfohlen. Bei Beschwerden am Schulter-, Hüft- oder Kniegelenk kann eine Operation bei sieben von zehn Patientinnen und Patienten mit einer konservativen Behandlung mehrere Jahre hinausgezogen - oder sogar ganz darauf verzichtet werden.

"Es ist uns wichtig, dass wir uns im ersten Schritt von unseren Patientinnen und Patienten in ihrer jeweiligen aktuellen Situation ein Gesamtbild machen können, um den individuell richtigen Behandlungsweg finden zu können. Hierfür benötigen wir das persönliche Gespräch und den interdisziplinären Blick auf jede und jeden Einzelnen und dessen individuelle Situation", so Dr. Schneider.

Interdisziplinäre Untersuchung

Daher absolvieren die Patientinnen und Patienten im Schmerzzentrum zunächst eine umfassende körperliche Untersuchung und führen zudem jeweils ein persönliches Gespräch mit einem Schmerztherapeuten, einem Psychologen sowie einem Physiotherapeuten, die die individuelle Situation des Patienten beurteilen. Im Anschluss tauscht sich das Expertenteam aus, ob entweder eine Operation oder alternativ eine konservative Behandlungsstrategie geeignet ist und den gewünschten Erfolg verspricht. 

Den Patientinnen und Patienten wird die fundierte Zweitmeinung in einem ausführlichen Gespräch erläutert. Sehr oft erfahren sie, dass ein operativer Eingriff bzw. ein künstliches Gelenk durch eine konservative, multimodale Therapie vermieden werden kann. Die meist intensive Therapie, die von den Patientinnen und Patienten eine intensive Mitarbeit erfordert, erstreckt sich häufig über mehrere Monate.

Fünf Schmerzzentren in Hessen

Voraussetzung für eine Behandlung in einem der bundesweit rund 30 Schmerzzentren ist eine Krankenhaus-Einweisung für die geplante Operation oder eine Überweisung des bisher behandelnden Arztes bzw. Ärztin mit der Bitte um Zweitmeinung vor der geplanten Operation. 

In Hessen bieten Schmerzzentren in Frankfurt, Wiesbaden, Marburg, Kassel und Schlüchtern das Zweitmeinungsverfahren vor geplanten Operationen an der Wirbelsäule sowie an Schulter, Hüfte und Knie an.