"Die Familie ist eine Riesen-Ressource für Erkrankte."
Artikel aus Berlin/Brandenburg
Im Audio-Gespräch erklärt die Leiterin der "FIAT"-Studie, Ernährungswissenschaftlerin PD Dr. Verena Haas von der Charité, unterschiedliche Behandlungsansätze bei Magersucht.
Bei schwerer Magersucht ist derzeit die in Deutschland etablierte und bewährte Therapie die stationäre, aus mehreren Modulen bestehende Therapie. Anders sieht das in angelsächsischen Ländern aus, die schon seit Jahren Betroffene mit einer familienbasierten Therapie (FBT) behandeln: Dabei bleiben Patientinnen und Patienten in ihrem häuslichen und sozialen Umfeld. In den USA wird seit der Pandemie auch Tele-FBT angeboten.
Ein Modell auch für Deutschland? Das versuchen Expertinnen und Experten im Rahmen der vom Innovationsfonds geförderten "FIAT"-Studie herauszufinden, an der die TK als Konsortialpartner beteiligt ist. Insgesamt 200 Jugendliche im Alter von acht bis 17 Jahren sollen an 22 Studienzentren bundesweit behandelt werden, um die Erfolge der verschiedenen Methoden vergleichen zu können.
Es gibt einen zunehmenden Anteil an Männern, die erkranken.
Studienleiterin PD Dr. Verena Haas, Ernährungswissenschaftlerin an der Charité, beschreibt im Audio-Gespräch mit TK-Landeschefin Susanne Hertzer die Vorteile der FBT. "Die Familie ist eine Riesen-Ressource für Erkrankte", sagt sie. Bei den meisten Betroffenen handele es sich schließlich um Kinder und Jugendliche: "Der Alterspeak bei Neuerkrankungen liegt bei 15,5 Jahren." Meist seien es Mädchen und junge Frauen, die unter der schweren Essstörung litten. "Doch es gibt einen zunehmenden Anteil an Männern, die erkranken", weiß die Expertin. Dazu komme vermutlich eine hohe Dunkelziffer.
PD Dr. Verena Haas bei Susanne Hertzer
Welche Rolle die sozialen Medien und die Corona-Zeit für die wachsende Zahl an Anorexie-Diagnosen spielen - auch das verrät PD Dr. Verena Haas im Gespräch. Und sie erklärt, was Eltern tun sollten, wenn sie sich Sorgen wegen des Essverhaltens ihres Kindes machen. "Auf jeden Fall ansprechen", so ihr Rat.
Sie wollen wissen, ob und wie man sich an der "FIAT"- Studie beteiligen kann? Dann hören Sie rein!
PD Dr. Verena Haas, Ernährungswissenschaftlerin an der Charité, im Gespräch mit Susanne Hertzer, Leiterin der TK-Landesvertretung Berlin und Brandenburg
„15 Minuten Gesundheit“: Audio-Interview mit PD Dr. Verena Haas
Hat Ihnen die Aufnahme gefallen? In unserer Reihe " 15 Minuten Gesundheit " finden Sie noch viele weitere interessante Gespräche.
Weitere Informationen zur Studie finden Sie auf der Projektseite.